Von Reymer Klüver

Sogar politische Freunde raten Hillary Clinton, ihre Bewerbung für die Präsidentschafts-Kandidatur aufzugeben.

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton verliert nach ihrer Wahlniederlage in North Carolina und ihrem denkbar knappen Sieg bei der Vorwahl in Indiana zusehends an Unterstützung. Die Frage scheint nicht mehr zu sein, ob sie aus dem Rennen gegen Barack Obama aussteigt, sondern wann Clinton es tut.

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Hillary Clinton kämpft weiter. (© Foto: AFP)

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Dieser Eindruck verfestigte sich zumindest in der amerikanischen Medienberichterstattung am Tag nach den Vorwahlen. Zudem wurde klar, dass Clintons Wahlkampagne erneut in Finanznot steckt. Bis Anfang Juni stehen noch sechs Vorwahlen bei den Demokraten aus.

Der 1972 als Präsidentschaftskandidat der Demokraten gescheiterte George McGovern forderte Clinton direkt zum Verzicht auf. Obama habe die Vorwahlen gewonnen, "welche praktikablen Maßstäbe man auch anlegt". Clinton müsse die Entscheidung über einen Ausstieg selbst treffen. "Aber ich hoffe, dass sie zu dieser Entscheidung schnell kommt", fügte der frühere Senator hinzu, der bislang Clinton unterstützt hatte.

Selbst enge politische Freunde deuteten ernste Zweifel an. Die kalifornische Senatorin Dianne Feinstein sagte, sie habe großen Respekt vor Clinton, aber "dieses Rennen ist an einem Punkt angelangt, wo es negative Dividenden bringt". Chuck Schumer, wie Clinton ein demokratischer Senator für den Bundesstaat New York, sagte über einen möglichen Ausstieg Clintons: "Ich akzeptiere es, wie immer sie sich entscheidet."

Der Kongressabgeordnete Dale Kildee aus Michigan, ebenfalls ein treuer Clinton-Freund, sagte: "Sie muss das Wahlergebnis realistisch sehen und dann entscheiden, was am besten für ihre Kandidatur, für das Land, für die Partei ist."

Für die amerikanischen Medien ist die Entscheidung gefallen. Time, das führende Nachrichtenmagazin des Landes, hatte an diesem Donnerstag Obama auf dem Titel und darunter die Schlagzeile in Anspielung auf die Oscar-Preisverleihung: "And the winner is ..." Der einflussreiche Fernsehjournalist Tim Russert erklärte in den Abendnachrichten von NBC: "Dieses Rennen ist vorbei." In einer Zuschauerbefragung bei CNN votierten 69 Prozent für einen Ausstieg Clintons.

Zudem plagt akuter Geldmangel Clintons Kampagne. Am Tag nach den Wahlen sickerte durch, dass sie aus ihrem persönlichen Vermögen weitere 6,4 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt hat. Im Februar hatte sie bereits fünf Millionen gegeben.

Berater deuteten an, dass die Spenden im Internet, die direkt nach ihren Wahlsiegen in Ohio und Pennsylvania drastisch zugenommen hatten, diesmal weitgehend ausgeblieben sind. Noch am Mittwochabend besuchte Clinton einen sogenannten Fundraiser in Washington, dessen Teilnehmer 500.000 Dollar für ihre Wahlkampagne spendeten.

Clinton bemühte sich dennoch, ihre Wahlkampfmaschine am Laufen zu halten. Noch in der Nacht nach den Vorwahlen - die Mitteilung kam gegen drei Uhr morgens - wurde hastig eine weitere Wahlkampfveranstaltung in West Virginia bereits für Mittwoch dieser Woche anberaumt. In West Virginia finden kommenden Dienstag Vorwahlen statt.

Clinton bekräftigte dort, dass sie an Aufhören nicht denke: "Ich bleibe im Rennen, bis es einen Kandidaten gibt, und ganz klar arbeite ich daran so hart, wie ich kann, dieser Kandidat zu werden." Dennoch wurde deutlich, dass auch ihre politischen Freunde sich eher mit der Frage beschäftigten, wie ihr ein gesichtswahrender Abgang ermöglicht werden kann.

Auch die Obama-Kampagne war bemüht, sie jetzt nicht zur Unzeit unter Druck zu setzen. "Es wäre unangemessen, wenn jetzt irgendjemand Senatorin Clinton sagen würde, dass das Rennen vorbei ist", sagte ihre Senatoren-Kollegin Claire McCaskill, eine Obama-Anhängerin. "Das ist allein ihre Entscheidung."

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(SZ vom 09.05.2008/bavo)