Drohung von Sepp Blatter "Ich vergebe jedem, aber ich vergesse nicht"

Sepp Blatter in seinem Element: Der Schweizer zeigt sich nach seiner Wiederwahl im Attackemodus.

(Foto: REUTERS)
  • Obwohl die US-Fahnder weiter ermitteln, bringt sich Sepp Blatter direkt nach seiner Wiederwahl in den Angriffsmodus.
  • Der Fifa-Präsident attackiert seinen Widersacher Michel Platini und dessen Uefa scharf - und kündigt Überraschendes an.
  • Jack Warner und Franz Beckenbauer geben erstaunliche Kommentare ab.

Die Aufregung um den Fußball-Weltverband findet kein Ende. Nach der Wiederwahl von Sepp Blatter zum Fifa-Präsidenten deutet sich an, dass der Verband und seine Machenschaften weiter untersucht werden. Der Chef der US-Steuerfahndung geht von weiteren Anklagen im Fifa-Korruptionsskandal aus. Nach einem Bericht der New York Times sagte Richard Weber: "Ich bin ziemlich sicher, dass wir eine weitere Runde von Anklagen haben werden."

Weber wollte nach Angaben der Zeitung die übrigen Ziele der US-Ermittlungen nicht nennen. Er wollte auch nicht sagen, ob darunter auch der soeben im Amt bestätigte Blatter sei. Die US-Behörden gingen aber davon aus, dass weitere Personen in kriminelle Handlungen verwickelt seien.

Blatter selbst ließ es sich nach seinem Erfolg nicht nehmen, die amerikanischen Justizbehörden scharf anzugreifen - auch Uefa-Boss Michel Platini attackierte der Schweizer scharf. Es gebe "einen Hass, der nicht nur von einer Person bei der Uefa kommt, aber von der Uefa als Organisation, die nicht verstanden hat, dass ich 1998 Präsident geworden bin", sagte der 79 Jahre alte Schweizer in einem TV-Interview des Schweizer Sender RTS.

Vor 17 Jahren hatte sich Blatter gegen den Uefa-Widersacher Lennart Johansson durchgesetzt - gerüchteweise soll es auch damals schon zu Unregelmäßigkeiten bei der Wahl gekommen sein. Platini hatte Blatter vor dem fünften Wahlsieg am Freitag beim Fifa-Kongress in Zürich gegen den einzigen Gegenkandidaten Prinz Ali bin al-Hussein zum Rücktritt aufgefordert. "Ich vergebe jedem, aber ich vergesse nicht", sagte Blatter dazu in bedrohlichem Tonfall. Diese Forderung von Platini und die Festnahmen von sieben Fußball-Funktionären in Zürich zwei Tage vor der Wahl auf Antrag von US-Behörden seien "kein Zufall".

Blatter weiter: "Es gibt Zeichen, die nicht täuschen: Die Amerikaner waren Kandidaten für die WM 2022 und sie haben verloren." Zudem sieht er einen Zusammenhang zwischen dem Jordanier al-Hussein und den USA. "Man darf nicht vergessen, dass sie der Hauptsponsor des haschemitischen Königsreichs sind, also von meinem Gegner. Diese Sache riecht nicht gut", sagte Blatter.

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Nach Ermittlungen aus den USA waren am Mittwoch sieben Spitzenfunktionäre, darunter auch die Fifa-Vizepräsidenten Jeffrey Webb (Kaimaninseln) und Eugenio Figueredo (Uruguay), in Zürich festgenommen worden. Insgesamt stehen 14 Personen unter Korruptionsverdacht.

Voller Freude über seine wiedererstarkte Macht bereitete Blatter am Freitag die nächste Konfrontation mit den gerade geschlagenen Gegnern aus Europa vor. Noch bevor der 79 Jahre alte Schweizer in Zürich die vierte Wiederwahl als Fifa-Präsident mit seiner Fußballfamilie feierte, nutzte er die Gelegenheit auf der Kongress-Bühne für Nadelstiche in Richtung Uefa.

Die angekündigte Ausdehnung des Exekutivkomitees für wohlgesonnene Konföderationen soll den europäischen Einfluss in der Weltregierung des Fußballs beschneiden. Und für die Exko-Sitzung am Samstag im noblen Fifa-Sitz mit Verhandlungen über die Plätze für die umstrittenen Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar annoncierte Blatter: "Wir haben ein Meeting, sie werden mir zuhören, sie werden einige Informationen und Botschaften erhalten - einige von ihnen werden überrascht sein."

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