Teils bis zur Bewusstlosigkeit betrunken: Mehr als 23.000 Kinder und Jugendliche mussten 2007 nach maßlosem Alkoholkonsum in Kliniken gebracht werden - mehr als jemals zuvor.
Koma-Trinken gehört bei immer mehr Jugendlichen in Deutschland zum Alltag. Mehr als 23.000 junge Menschen wurden vergangenes Jahr nach Alkoholkonsum "teils bewusstlos" ins Krankenhaus gebracht - so viele wie niemals zuvor, wie die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) am Montag in Berlin bei der Vorstellung des neuen Drogenberichts sagte.
Besorgniserregende Entwicklung: Immer öfter müssen Kinder und Jugendliche nach Alkoholkonsum im Krankenhaus behandelt werden. (© Foto: AP)
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Mehr als 20 Prozent der Minderjährigen seien 2007 mindestens einmal pro Monat betrunken gewesen, berichtete Bätzing. Fast jeder zehnte Jugendliche konsumiere riskant oder gefährlich viel Alkohol. Trotzdem lägen geplante nationale Aktionsprogramme gegen Alkohol und Tabak wegen Streits in der Koalition auf Eis, kritisierte Bätzing.
Sie warf der Union eine Blockade aus wahlkampftaktischen Gründen vor. "Das ist nicht zu begreifen", sagte die SPD-Politikerin. Kritik übte sie auch an Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU), die auch aus Rücksicht vor Wirtschaftsinteressen eine Kehrtwende in dieser Causa vollzogen hätten. Dabei seien die Pläne bereits abgestimmt gewesen, und es habe nach langen Verhandlungen Kompromisse gegeben.
"Wir wollen den Kompromiss"
So sei der Prüfauftrag weggefallen, die Promillegrenze für Alkohol am Steuer auf 0,3 zu senken. "Wir wollen den Kompromiss", sagte Bätzing. Von Unionsseite habe es aber "nur das platte Nein gegeben". Dabei sei nachgewiesen, dass vorgeschlagene Maßnahmen wie das Verbot von Plakataußenwerbung nützlich seien. Bätzing forderte ein härteres Durchgreifen bei Alkoholkontrollen von Jugendlichen, aber kein schärferes Gesetz.
Unter dem Strich sei bei Alkohol, Tabak und Cannabis das Ziel, die Konsum-Quoten bei Jugendlichen teils deutlich zu senken, erreicht worden, sagte die Drogenbeauftragte. So hätten 2001 noch 28 Prozent der Minderjährigen geraucht, während es 2008 nur noch 15,4 Prozent gewesen seien. Beim Alkohol sank der Wert in diesem Zeitraum von 21,2 auf 17,4 Prozent. Zu Cannabis griffen noch 2,3 Prozent der zwölf- bis 17-Jährigen nach drei Prozent 2001. "Diese Erfolge sind Verpflichtung zugleich", sagte Bätzing. Je geringer die Zahl der Konsumenten sei, desto geringer falle die Zahl der langjährigen Folgeerkrankungen aus.
Bätzing zeigte sich besorgt über Internet-Sucht. Drei bis sieben Prozent der Internetnutzer gelten nach ihren Angaben bundesweit als abhängig. Sie widmeten sich zehn bis 18 Stunden lang pro Tag dem Chatten oder Computerspielen.
Die Drogenbeauftragte bekräftigte, dass den Behörden immer mehr Konsumenten harter Drogen erstmals auffielen. Hier habe es im vergangenen Jahr einen dreiprozentigen Anstieg auf rund 19.200 Menschen gegeben. Allerdings bewege sich der Konsum von Amphetaminen, Ecstasy und LSD auf einem stabilen niedrigen Niveau. Die Zahl der Drogentoten stieg im vergangenen Jahr auf 1449. Bätzing forderte mehr Aufklärung und Hilfe.
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(dpa/AP/plin/vw)
Ich habe das schonmal unter einen anderen Beitrag zu einem ähnlichen Thema geschrieben: Realitätsflucht bei Heranwachsenden wundert mich in keiner Weise.
Wenn ich immer nur über Stöckchen springen muss, die man mir hinhält (das ist jetzt metaphorisch gesprochen), wenn es nicht mehr darum geht, wer ich bin, sondern nur noch, inwieweit ich einem von außen vorgegebenen System entspreche, wenn ich nicht mehr lernen darf sondern können muss, dann muss ich mir meine Bestätigung halt irgendwo anders holen.
Außerdem ist Alkohol erst einmal "die" Erwachsenendroge, evtl. neben Nikotin. Und erwachsen wäre man gerne.
Restriktionen beim Verkauf und Ausschank sind ein notwendiger Schritt, werden das Problem in letzter Konsequenz allerdings nicht lösen. Nur verlagern.
Soso, aus (Gast)Wirtschaftsinteressen will die Frau Aigner nix tun. Wer sagt der guten Frau endlich einmal, dass sie nicht Wirtschafts-, sondern Verbraucherministerin ist. Für die Wirtschaft haben wir schon einen anderen Hampelmann von Horstis Gnaden.
Freiheit und Erziehung sind ein Widerspruch in sich. Was wir brauchen ist kein Erziehen. Wir sollten unsere Kinder Begleiten. Doch dafür hat der Erwachsene keine Zeit. Also wird verboten das geht schneller und die Eltern können sagen wir haben es gesagt.
Zeit, Perspektiven und Vorbilder fehlen Allerorts.
unter den Umständen, wie im heutigen Deutschland Poltik betrieben, neue Schulden aufgenommen und mit Steuergeldern umgegangen wird, keine Zukunftschancen mehr haben...
...wen wunderts, wenn sie sich angesichts dieser Zustände komamäßig die Kante geben?
Nüchtern ist doch der Wahnsinn nicht mehr auszuhalten!
gegen Alkohol und Tabak Damit wird das Übel nicht an der Wurzel gepackt. Aktionsprogramme für intakte Schulen, weiterführende Schulen (mit intakten Pädagogen) , Aktionspr. für Ausbildung, Weiterbildung, Arbeitsplätze schlichtweg eine Perspektive. Das ist die verpasste Sozial- u. Bildungspolitik und das nicht erst seit heute. Auch sind hier die Eltern mit in der Verantwortung, dass ist keine Frage, allemal aber wenn die nun auch schon keine Perspektive mehr haben ?! Schauen wir uns um die Prognosen (?) und Perspektiven werden doch immer mieser. Es ist den Politikern doch alles, aber wirklich alles aus der Hand geglitten. Wir haben auch gefeiert die Sau raus gelassen jedes Wochenende aber wir hatten eine Perspektive. Und Montag waren wir am Ball und es lohnte sich.
Keine Perspektive, Zukunft keine Motivation. So zerfällt unsere Gesellschaft. Und ich bin auch Optimist.
Paging