Drogenanbau in Afghanistan Opiumernte auf Rekordhoch

Opium-Boom: Ein afghanischer Polizist in einem Feld östlich von Kabul.

(Foto: AP)

Schlafmohn-Boom am Hindukusch: Die Vereinten Nationen erwarten, dass Afghanistan in diesem Jahr eine Rekordernte einfahren wird. Viele Bauern verteidigen ihre Felder mittlerweile gewaltsam - und bekommen dabei Unterstützung von den Taliban.

Viel Geld hat die Nato in den vergangenen Jahren ausgegeben, um den Opiumanbau in Afghanistan zu bekämpfen - offenbar vergeblich. Etwas mehr als anderthalb Jahre vor dem Abzug der internationalen Truppen steht dem Land eine beinahe rekordverdächtige Ernte bevor. Es wäre der dritte Anstieg der Drogenproduktion in Serie.

Die Prognose stammt aus einem Bericht der Vereinten Nationen (PDF hier). Als Ursache sieht das UN-Büro für die Bekämpfung der Drogenkriminalität (UNODC) das relativ hohe Preisniveau und die Ungewissheit über die Zukunft Afghanistans nach dem Abzug der ausländischen Soldaten. Das trage dazu bei, dass sich die Landwirte über den Anbau der Pflanzen materiell absicherten, heißt es in dem UN-Papier.

Opium ist der Grundstoff für Heroin. 90 Prozent des Opiums weltweit werden in dem asiatischen Land produziert. In den vergangenen Jahren stieg der Preis für afghanisches Opium massiv an, für die Bauern des Landes wird das Geschäft lukrativer. Für einen Hektar Rohopium kann ein Landwirt bis zu 8000 Euro erlösen - für die gleiche Fläche Weizen sind es nur 100 Euro.

Zwar hat Afghanistan die Bekämpfung des Opiumanbaus mit Hilfe von Nato-Soldaten verstärkt, allerdings erhalten Bauern bei der Aufgabe ihrer Schlafmohn-Felder offenbar nur selten versprochene Vorteile wie Bildungsangebote, Jobs oder Dünger und Samen für andere Pflanzen. Hinzu kommt, dass der Weltmarktpreis für Alternativ-Erzeugnisse wie Baumwolle derzeit fällt.

Taliban verdienen kräftig mit

Dem Bericht zufolge wird in diesem Jahr in 20 von insgesamt 34 Provinzen Schlafmohn produziert. Nach Statistiken der Vereinten Nationen und der afghanischen Regierung aus dem Jahr 2012 produziert das Land 95 Prozent seines Opiums in den neun unsichersten Provinzen im Westen und Süden. Laut Schätzungen soll der Opiumanbau etwa ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts ausmachen.

Viele Bauern verteidigen ihre Opiumplantagen inzwischen gewaltsam und erhalten dabei nicht selten Unterstützung von den Taliban.

Dem Bericht zufolge stellen Drogenhändler den Opium-Produzenten Samen, Düngemittel und Geld zur Verfügung. Auch die Taliban, die gegen Regierung und internationale Truppen kämpfen, unterstützen die Produktion und verdienen am Drogenhandel mit.

Die wichtigsten Absatzmärkte für afghanische Opiumprodukte sind Russland, Iran und Europa. Bereits in vorhergehenden Studien der Vereinten Nationen hieß es, der Schlafmohn-Anbau werde noch für Jahrzehnte ein Problem darstellen.