Drogenanbau am Hindukusch Afghanistans Opium-Bauern verzeichnen Rekord-Umsätze

Der Anbau von Schlafmohn wird für die Bauern am Hindukusch immer lukrativer: Der Preis für Opium ist in Afghanistan im vergangenen Jahr dramatisch gestiegen - die Einkünfte aus der Droge machen inzwischen fast ein Zehntel des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Vereinten Nationen fordern nun stärkere Gegenmaßnahmen der Regierung und der internationalen Gemeinschaft.

Es ist eine gute Nachricht für Afghanistans Bauern - und eine schlechte für den Kampf gegen den internationalen Drogenhandel: Die Opiumproduktion in Afghanistan und die dafür gezahlten Preise sind einem UN-Bericht zufolge im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. 2011 seien in Afghanistan auf mehr als 131.000 Hektar Schlafmohn angebaut worden, hieß es in dem aktuellen Bericht des UN-Büros gegen Drogen und Kriminalität (UNODC). Dies komme einer Zunahme der Anbaufläche um sieben Prozent gleich.

Ein afghanischer Mann erntet gemeinsam mit einem kleinen Jungen Opium in einem Mohnfeld in der Provinz Farah.

(Foto: REUTERS)

Die Menge des angebauten Schlafmohns sei von 3600 Tonnen im Jahr 2010 um 61 Prozent auf 5800 Tonnen gestiegen. Der Wert des in Afghanistan produzierten Opiums stieg den UN-Angaben zufolge um 133 Prozent auf 1,4 Milliarden US-Dollar (1,1 Milliarden Euro). Damit machen die Einkünfte aus der Droge etwa neun Prozent des afghanischen Bruttoinlandsproduktes aus.

Mehr als 80 Prozent des weltweit produzierten Rohopiums stammen aus Afghanistan. Rohopium wird aus Schlafmohn gewonnen und zu Heroin weiterverarbeitet. Die Taliban finanzieren ihre Aktivitäten unter anderem durch Produktion und Handel von Drogen. Gleichzeitig treiben Drogen die Korruption in Afghanistan an.

UNODC zeigte sich besorgt über den Preisanstieg, den 59 Prozent der Bauern als wichtigsten Grund für den Anbau von Schlafmohn angegeben hätten. Hätten Bauern mit Opium 2010 noch sechsmal mehr verdient als mit dem Anbau von Weizen, habe das Verhältnis im vergangenen Jahr bei elf zu eins gelegen. Ein Kilogramm getrocknete Opiummasse habe Bauern im vergangenen Jahr 241 US-Dollar eingebracht, 43 Prozent mehr als im Vorjahr.

"Eine starke Botschaft"

Die Opiumproduktion habe einen "bedeutenden Anteil an der afghanischen Wirtschaftsleistung", erklärte UNODC-Chef Juri Fedotow in einer Mitteilung. "Der Bericht enthält eine starke Botschaft, nämlich dass wir es uns nicht leisten können, diesem Problem teilnahmslos zuzuschauen", sagte er. Von der afghanischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft forderte er ein stärkeres Engagement, um gegen diesen Trend anzukämpfen.

Erst Anfang des Jahres hatte die Nato gemeldet, dass der Kampf gegen den Drogenhandel in Afghanistan immer erfolgreicher werde. Im Jahr 2011 hätten die afghanischen Sicherheitskräfte zusammen mit Soldaten der internationalen Schutztruppe "unglaubliche" Mengen an Drogen beschlagnahmt, sagte Isaf-Sprecher Carsten Jacobsen. So seien im vergangenen Jahr 13 Prozent mehr Opium und 59 Prozent mehr Haschisch als im Vorjahr beschlagnahmt worden. Angaben zu den Mengen machte die Isaf jedoch nicht.