Nach dem Tod eines 15-Jährigen durch einen griechischen Polizisten hat Athen eine dritte Nacht mit Ausschreitungen und Plünderungen erlebt. Im Morgengrauen flaute die Gewalt ab. Ein Anwalt will den mutmaßlichen Todesschützen nicht mehr verteidigen.
Nach dem Tod eines 15-Jährigen durch einen griechischen Polizisten hat Athen eine dritte Nacht mit Ausschreitungen und Plünderungen erlebt. Bis in die frühen Morgenstunden lieferten sich Hunderte Randalierer am Dienstag Auseinandersetzungen mit der Polizei.
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Demonstranten attackierten die Athener Polizei sogar mit Benzinbomben. (© Foto: AFP)
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In Athen zogen am Montagabend erneut Hunderte junge Randalierer durch die Innenstadt und demolierten Geschäfte. Die Ausschreitungen entwickelten sich im Anschluss an eine Demonstration, zu der linksgerichtete Parteien und Gewerkschaften aufgerufen hatten. In dem vornehmen Viertel Kolonaki wurden Medienberichten zufolge mehrere Geschäfte geplündert. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Randalierer vor. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums mussten zehn Menschen mit Atembeschwerden im Krankenhaus behandelt werden.
Auf dem Syntagma-Platz in Athen ging der riesige Weihnachtsbaum in Flammen auf. Einige Demonstranten stellten sich vor den brennenden Baum und sangen die griechische Fassung von "Oh Tannenbaum". Auch ein vierstöckiges Gebäude der Fluglinie Olympic Airways brannte komplett aus, ebenso ein Bankgebäude und mehrere Dutzend Geschäfte.
Nach Angaben der Behörden wurden in der Innenstadt rund 200 Brände gezählt, 100 davon in Gebäuden. Insgesamt seien 89 Personen wegen Angriffen auf die Polizei, Vandalismus und Brandstiftung festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher. 79 weitere Personen seien für Vernehmungen in Gewahrsam genommen worden. Zwölf Polizisten seien verletzt worden. Laut Polizei beruhigte sich die Lage in Athen nach Mitternacht etwas. Die meisten Randalierer hätten sich in die Universität zurückgezogen, die die Polizei nicht betreten darf.
Ministerpräsident Kostas Karamanlis berief am Montagabend eine Krisensitzung des Kabinetts ein. "All die gefährlichen und unakzeptablen Ereignisse, die es wegen des tragischen Zwischenfalls gegeben hat, können und werden nicht toleriert werden", sagte er in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache. Der Staat werde die Gesellschaft beschützen.
Innenminister Prokopis Pavlopoulos verurteilte die gewaltsamen Proteste am Abend als inakzeptabel und erklärte, die Polizei tue alles in ihrer Macht stehende, um das Eigentum der Menschen zu schützen. Pavlopoulos hatte zuvor die Polizei zur Zurückhaltung aufgerufen: "Unsere erste Sorge war und ist, Menschenleben zu schonen." Damit meinte er, dass sich die Polizei unter den gegebenen Umständen nicht auf einen Nahkampf mit den Randalierern einlässt, um keine Menschenleben zu gefährden.
Am Dienstag wollte sich Karamanlis mit Staatspräsident Karolos Papoulias und den Vorsitzenden der griechischen Parteien treffen. Ein Regierungssprecher dementierte Gerüchte, dass ein landesweiter Ausnahmezustand ausgerufen werden könnte.
Auch im Zentrum der nordgriechischen Metropole Thessaloniki wurden am Montagabend rund hundert Geschäfte geplündert. Die Randalierer zerschlugen Schaufenster und klauten Uhren, Schmuck und Kleidung, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Bei einem Brandanschlag auf eine Polizeiwache wurde ein Beamter verletzt. Der Polizist sei mit einer Handverletzung ins Krankenhaus gebracht worden, teilte die örtliche Polizei mit. An dem Angriff mit Molotow-Cocktails beteiligten sich demnach etwa 20 Jugendliche.
Dutzende Jugendliche plünderten Geschäfte. Unterdessen nahmen an zwei Protestzügen in Thessaloniki nach Polizeiangaben insgesamt etwa 5000 Menschen teil.
Die Krawalle hatten begonnen, nachdem am Samstagabend in Athen der Jugendliche Alexis Grigoropoulos durch Schüsse der Polizei getötet worden war. Der Junge soll am Dienstagnachmittag beigesetzt werden. Als Zeichen der Trauer sollen am Dienstag Schulen und Universitäten geschlossen bleiben. Für den den Nachmittag sind erneut Demonstrationen angekündigt, bei denen Schüler und Lehrer auf die Straße gehen wollen. Zwei Polizisten sitzen wegen des Vorfalls in Untersuchungshaft.
Mutmaßlicher Todesschütze trägt den Spitznamen "Rambo"
Der 37 Jahre alte Polizist, der den tödlichen Schuss auf den Schüler abgegeben haben soll, sagte aus, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Der Jugendliche sei von einem Querschläger getroffen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Polizisten Totschlag vor.
Einer der Anwälte des Beamten trat am Montag zurück. Er lies verlauten, dass er einen "solchen Mandanten" aus Gewissensgründen nicht verteidigen könne. Über den mutmaßlichen Schützen wurde bekannt, dass er wegen seines harten Durchgreifens unter dem Spitznamen "Rambo" bekanntgewesen sei, berichtete der griechische Rundfunk.
"Auf den Straßen trauert heute eine ganze Generation", sagte Sozialistenführer George Papandreou und rief zu friedlichen Protesten am Tag der Beisetzung auf. Die Menschen sollten "gegen die Gewalt des Staates demonstrieren, gegen die Gewalt gegen Landsleute". Für Mittwoch riefen die Gewerkschaften zu einem Generalstreik auf.
Der Tod des 15-Jährigen löste auch in anderen Ländern Proteste aus. In Berlin hielten Demonstranten am Montag acht Stunden lang das griechische Generalkonsulat besetzt. In der britischen Hauptstadt London wurden fünf Demonstranten festgenommen, die vor der griechischen Botschaft gegen den Tod des 15-Jährigen protestiert hatten. Vor der Vertretung hatten sich zuvor rund 40 Menschen versammelt.
Bei Protesten vor der griechischen Botschaft in der zyprischen Hauptstadt Nikosia wurden nach Polizeiangaben zwei Demonstranten verhaftet.
Auch in Hamburg gingen am Montagabend erneut etwa 150 Menschen auf die Straße, um gegen den Tod des Jugendlichen zu demonstrieren. Nach Angaben der Polizei blieb die Demonstration wie am Vorabend weitgehend friedlich. Es sei lediglich zu einem Flaschenwurf gekommen, außerdem sei ein Böller gezündet worden. Verletzt wurde niemand. Die Anhänger der linken Szene zogen von der Alten Flora im Schanzenviertel in die Innenstadt und wieder zurück. Am Gänsemarkt gab es eine Zwischenkundgebung.
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(sueddeutsche.de/dpa/AP/Reuters/bosw/gdo)
Youtube-Hit aus USA
...glaub ich echt das daß system hat, das hier dauernd ein neuer artikel zu griechenland kommt...da teilen sich die kommentare schön auf und so :-)...paranoia is was tolles ;-)
"Was jedoch nicht entschuldigt, das Eigentum und möglicherweise auch Leben und Gesundheit anderer zu schädigen. "
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Die Reihenfolge heißt also wie immer
1. Eigentum, dann lange nichts
Alle die denken, denen geht es doch gut, die müssen doch nicht hungern. Die Menschen wollen keine Almosen, die wollen echte Teilhabe an der Gesellschaft zu fairen Bedingungen.
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