Die CDU hat bei der Nachwahl in Dresden das Direktmandat gewonnen. Damit kann die Union im neuen Bundestag ihren Vorsprung vor der SPD um ein Mandat ausbauen. Führende CDU-Politiker forderten den amtierenden Kanzler Schröder auf, nun von seinem Anspruch auf das Kanzleramt abzurücken.

Durch die Nachwahl in Dresden erhält die CDU im neuen Bundestag ein Mandat mehr und kann damit ihren knappen Vorsprung gegenüber der SPD ausbauen. Die Union forderte noch am Sonntagabend Bundeskanzler Gerhard Schröder auf, seinen Anspruch auf das Kanzleramt aufzugeben.

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Die SPD wiederum wertete das Ergebnis als Bestätigung ihres Anspruchs, weil sie bei den Zweitstimmen stärkste Kraft vor der CDU im Wahlkreis Dresden I wurde.

Nach dem vorläufigen Endergebnis für Dresden I holte die CDU zwar das Direktmandat, liegt bei den Zweitstimmen aber deutlich zurück, wodurch sie laut Landeswahlleitung im Bundestag ein zusätzliches Überhangmandat erhält. Die Union kommt nun insgesamt auf 226 Sitze im Parlament, die SPD auf 222 Mandate. Die FDP behält 61, die Linkspartei 54 und die Grünen 51 Mandate.

Mit Blick auf die Gespräche über eine große Koalition erklärte CDU-Generalsekretär Volker Kauder, die Union setze jetzt auf "die Vernünftigen" in der SPD. CDU und CSU hätten "den Auftrag zur Regierungsbildung mit Angela Merkel als künftiger Kanzlerin".

Auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wertete das Ergebnis als Bestätigung für den Anspruch der Union auf das Kanzleramt. Der sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer erklärte: "Heute beginnt die Zeit nach Schröder." Dieser müsse "jetzt den Weg frei machen für eine rasche Koalitionsbildung".

"Die SPD ist stärkste Kraft", sagte hingegen deren Parteichef Franz Müntefering. In den kommenden Tagen solle darüber entschieden werden, ob es zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union komme oder nicht.

Nach der für Mittwoch geplanten Sondierungsrunde werde es möglicherweise noch eine weitere Begegnung geben. Es werde "die Gesamtkonstellation der Regierung zu klären sein". Dabei könne die Frage der Machtkonstellation "ruhig auch im frühen Verlauf" beraten werden. Die SPD wolle weiter, dass Schröder im Amt bleibe.

FDP-Chef Guido Westerwelle wies darauf hin, dass die Union ein zusätzliches Mandat im Bundestag nur erhalten habe, weil die FDP zur Abgabe der Erststimme für die CDU aufgerufen hatte.

Die Union musste eine geringere Zahl an Zweitstimmen bekommen, weil sonst das durch den Sieg bei den Erststimmen gewonnene Überhangmandat wieder weggefallen wäre. Viele Wähler folgten dem offenbar und gaben der FDP ihre Zweitstimme und der CDU die Erststimme.

Die SPD lag laut vorläufigem Endergebnis für Dresden mit 27,9 Prozent bei den Zweitstimmen vorn, die CDU erreichte demnach 24,4 Prozent. Die Linkspartei lag bei 19,7 Prozent, die FDP bei 16,6 Prozent und die Grünen bei 7,1 Prozent.

Bei den Erstimmen schaffte die CDU mit ihrem Direktkandidaten Andreas Lämmel 37 Prozent, die SPD kam mit ihrer Kandidatin Marlies Volkmer auf 32,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 72,3 Prozent. Bei der Wahl im gesamten Bundesgebiet am 18. September hatte sie bei 77,7 Prozent gelegen.

Zwar war von der Dresdner Wahl keine Änderung der Mehrheitsverhältnisse im neuen Bundestag erwartet worden, wo weder Schwarz-Gelb noch Rot-Grün über eine eigene Mehrheit verfügen.

Jedoch wurde dem Urnengang wegen des knappen Abstands zwischen Union und SPD im neuen Bundestag ein hoher psychologischer Wert für die anstehenden Koalitionsverhandlungen beigemessen.

Bei der Bundestagswahl vom 18. September war die Union ohne den Wahlkreis Dresden I bundesweit knapp stärkste Kraft mit 35,2 Prozent der Stimmen geworden. Die SPD erhielt 34,3 Prozent, die FDP landete mit 9,8 Prozent auf Platz drei. Die Grünen kamen auf 8,1 Prozent, die Linkspartei auf 8,7 Prozent.

Notwendig war die Nachwahl durch den Tod der NPD-Direktkandidatin in Dresden I geworden.

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(AFP)