"Die Hungersnot ist ebenso verheerend wie die Katastrophen, die wir vergangenes Jahr in Haiti und Pakistan erlebt haben": Josette Sheeran, Chefin des UN-Welternährungsprogramms, über die schwierige Hilfe für die Hungernden am Horn von Afrika.
SZ: Frau Sheeran, wie dramatisch ist die Lage am Horn von Afrika?
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Die Amerikanerin Josette Sheeran ist seit 2006 Exekutivdirektorin beim UN-Welternährungsprogramm World Food Programm (WFP). Sie beklagt vor allem das Schicksal der Kinder und jungen Mütter. (© AFP)
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Josette Sheeran: Die Hungersnot ist ebenso verheerend wie die Katastrophen, die wir vergangenes Jahr in Haiti und Pakistan erlebt haben, sie betrifft sogar mehr Menschen. Wir werden unsere Ernährungshilfe massiv aufstocken müssen, denn wohl zehn statt, wie bislang erwartet, sechs Millionen Menschen brauchen unsere Unterstützung.
Neben der verheerenden Dürre sind steigende Lebensmittelpreise und der Bürgerkrieg in Somalia schuld an der Misere. Steigende Lebensmittelpreise bedeuten, dass ein 90-Kilo-Sack Mais, der vor einem Jahr 1500 Kenianische Schilling gekostet hat, nun 4000 Schilling kostet - eine Steigerung von 160 Prozent.
SZ: Was wird am dringendsten gebraucht?
Sheeran: Das WFP stellt den Familien extrem nahrhafte Lebensmittel wie sogenannte Energiekekse und angereicherte Erdnusspasten zur Verfügung, die vor allem Kleinkinder in den ersten 1000 Lebenstagen brauchen. Angesichts der immer schlimmer werdenden Dürre ist die Zeit knapp, und das WFP sucht dringend Zuschüsse, um die 40-prozentige Lücke in unserem Budget von 477 Millionen US-Dollar für die Hilfen am Horn von Afrika zu schließen. Wir erbitten außerdem Unterstützung für längerfristig angelegte Hilfen, die den Menschen am Horn von Afrika helfen, aus diesem Teufelskreis von Dürre und Hunger auszubrechen.
SZ: Wo beschaffen Sie die Hilfsgüter?
Sheeran: Wenn möglich kauft das WFP die Lebensmittel auf lokalen Märkten. 80 Prozent der Lebensmittel, die wir beschaffen, kommen aus Entwicklungsländern. Käufe in Höhe von fast einer Milliarde Dollar fördern dort die landwirtschaftliche Entwicklung. Bei unserem "Purchase for Progress"-Programm arbeiten wir mit mehr als 800.000 Kleinbauern weltweit zusammen, viele von ihnen stammen von Ländern am Horn von Afrika.
SZ: Was sind die besonderen Herausforderungen in einem gescheiterten Staat wie Somalia?
Sheeran: Die größte Herausforderung ist Sicherheit. Das WFP ist eine der wenigen Organisationen, die dort überhaupt noch präsent ist, mit 160 Mitarbeitern. Das WFP musste sich 2010 aus dem Süden Somalias zurückziehen, weil das Leben unserer Mitarbeiter bedroht war. Wir hoffen, bald zurückkehren zu können.
SZ: Welche Rolle können Bürger und Regierungen der G-20-Staaten spielen?
Sheeran: In einem Moment, in dem wir unsere Hilfe ausbauen müssen, sind wir gezwungen, einige unserer laufenden Operationen in Äthiopien und Somalia zusammenzustreichen. Das Defizit in unseren Programmen beträgt 140 Millionen Euro für die zweite Hälfte 2010. Unser oberstes Ziel ist es, Kinder und schwangere oder stillende Frauen zu retten. Dafür brauchen wir dringend Unterstützung.
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(SZ vom 13.07.2011)
Während Spekulanten, Banken und Investmentgesellschaften mit Lebensmitteln Kasse machen, steigt die Zahl der Hungernden weltweit! Dagegen protestiert die Initiative handle-fair.de!
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"Schaffen wir diese Veranstaltungen ab und geben das Geld den Armen , dann ist ihnen mehr geholfen !"
Genau darin liegt das Problem. Somalia ist von jeher von Hilfslieferungen abhängig und hat es nicht geschafft eine funktionierende Versorgungsstruktur aufzubauen. Ich vergleich das gern mit Äthiopien. Dort wurde mir einst von einem Bauern erzählt das es für ihn keinen Sinn macht Getreide anzubauen so lange die amerikanischen Laster vorfahren Lebensmittel unter dem Volk verteilen. Billiger als Umsonst geht halt nicht.
Hilfslieferungen, gerade in sollchen Extremsituationen sind ein unabdingbares Muß! Aber nur über eine begrenzte Zeit hinweg.
Man hat in den letzten Jahren einfach versäumt die Menschen dort an der Hand zu nehmen und zu zeigen, wie es geht.
Hilfe zur Selbsthilfe sollte eigentlich das Motto sein. Technologie kostenlos zur Verfügung stellen, Personal ausbilden...
Aber Geld? Geld dürfen sie keiner afrikanischen Regierung in die Hand drücken, wenn sie nicht Rüstungs- und Waffengeschäfte ankurbeln und Bürgerkriege forcieren wollen.
Ein Flüchlingslager in dem 400.000 Menschen vegitieren und zu tausenden sterben.
User, hier @Petaurus, die sich unangenehm berührt fühlen wenn Bilder "von vor Ort" gezeigt werden .... eine Kanzlerin, die großzügig eine Spende von 1 Mio zusagt; in Europa werden Milliarden für Pleitebanken und Pleitestaaten zum Fenster herausgeschmissen .....
Ich schäme mich!
Nachdem die SZ vergangene Woche den UNO-Bericht ua zur angeblichen Unternährung von Kindern hier zu Lande zum Anlass genommen hat (dazu interessanter Artikel im aktuellen Spiegel auf Seite 28), ihre übliche Politagitation zu verbreiten sollte mal das Thema Somilia zum Anlass genommen werden, die Redaktion zu einem mehrwöchigen Praktikum vor Ort zu verpflichten. Vielleicht werden dann mal einige Maßstäbe gerade gerückt, wenn mal wieder über Armut in Deutschland fantasiert wird.
Paging