Drahtzieher der Anschläge von Paris Abdelhamid Abaaoud: Seine Zeit auf einer katholischen Privatschule

"Nett, cool und ein bisschen verrückt" - so erinnert sich ein ehemaliger Mitschüler am Collège Saint-Pierre in Uccle an Abdelhamid Abaaoud, den bis zu seinem Tod meistgesuchten Terroristen Europas.

(Foto: AP)

Für knapp ein Jahr besuchte der mutmaßliche Drahtzieher der Pariser Anschläge eine renommierte Schule in Brüssel. Ein ehemaliger Mitschüler beschreibt ihn als "nett, cool und ein bisschen verrückt".

Von Thomas Kirchner

Abdelhamid Abaaoud, Organisator der Attentate von Paris, bis zu seinem Tod am Mittwoch der meistgesuchte Islamist Europas, hat eine nicht ganz typische Kindheit in Brüssel erlebt: 1987 wird er als eines von sechs Kindern in der Stadtgemeinde Molenbeek-Saint-Jean geboren. Sein Vater ist aus Marokko eingewandert, arbeitet zunächst in einer Kohlegrube. Später kommt er mit einem Textilgeschäft zu leidlichem Wohlstand.

Die Eltern haben offenbar einiges vor mit ihrem Sohn, den sie 1999 mit zwölf Jahren auf das katholische Collège Saint-Pierre in Uccle schicken. Es ist eine der prestigeträchtigsten Privatschulen in Brüssel, man erkennt die Schüler an der Uniform. Uccle, wo viele Reiche und Diplomaten wohnen, liegt im Süden Brüssels. Um dort hinzukommen, muss der Junge quer durch die Hauptstadt fahren.

Zu den Mädchen soll er ein "ganz normales Verhältnis" gehabt haben

Schon nach weniger als einem Jahr verlässt Abdelhamid das Institut schon wieder, wegen mäßiger Leistungen und angeblich auch schlechten Verhaltens. Als "nett, cool und ein bisschen verrückt" beschreibt ihn ein ehemaliger Mitschüler in der Zeitung sudinfo, auf einem Klassenfoto sitzt er in der ersten Reihe, umgeben von Kindern aus aller Welt. Er habe sich "mit allen gut verstanden", Fußball mit seinen Kumpels gespielt. Zu den Mädchen in seiner Klasse soll er ein "ganz normales Verhältnis" gehabt haben.

In Molenbeek schließt er sich später einer Bande von Kleinkriminellen an, kommt in Kontakt mit den Brüdern Ibrahim und Salah Abdeslam, die in der Nähe seines Elternhauses wohnen. Ibrahim sprengte sich am vergangenen Freitag bei den Attentaten in Paris in die Luft, Salah ist auf der Flucht. 2006 erhält Abaaoud eine Sozialstrafe wegen Hehlerei. Drei Jahre später wird er wegen Körperverletzung verurteilt, 2011 wegen eines Diebstahls, den er gemeinsam mit den Brüdern begangen hat. Dafür muss er zunächst ein Jahr ins Gefängnis, wegen einer weiteren Tat werden es insgesamt 18 Monate.

Nach dem Ende der Haftzeit, im September 2012, verlässt Abdelhamid Abaaoud Belgien Richtung Naher Osten und taucht unter.