1998 gewann die SPD mit einer Doppelspitze Schröder/Lafontaine die Bundestagswahl - gut möglich, dass sie 2009 versucht, die Geschichte zu wiederholen.
Zum Einzug der beiden Herren wird der Saal verdunkelt. Dann richten sich die Scheinwerferkegel auf Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine. Leipzig, 17. April 1998. Aus den Lautsprechern dröhnt die Hymne Ready to go. "Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder gehen vor das Rednerpult und winken bis zum Ende der Musik", heißt es im Regieplan.
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Ihr Schulterschluss hielt nicht lange: Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder im Oktober 1998 (© Foto: dpa)
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Und so geschieht es. "Oskar, dir danke ich für die Disziplin, die Vernunft, ja die Selbstlosigkeit", sagt Schröder in seiner Rede. Und: "Ich danke vor allen Dingen für die Freundschaft." Wenig später ist Schröder der offizielle Kanzlerkandidat der SPD, gewählt mit 93 Prozent der Delegiertenstimmen. Und Lafontaine ist der Parteichef, der dem Niedersachsen den Vortritt gelassen hat.
Frühjahr 2009, eine Stadt irgendwo in Deutschland. Das Licht wird gedimmt, durch den Saal dröhnt You never walk alone. "Kurt Beck und Frank-Walter Steinmeier gehen vor das Rednerpult und winken bis zum Ende der Musik", heißt es im Regieplan. In seiner Rede dankt Steinmeier dem SPD-Chef dafür, dass er die Partei nach Jahren der Krise wieder geeint und kampfesmutig gemacht habe.
Er erinnert an die schwierige Zeit der Agenda 2010 und sagt, dass es nun darum gehe, alle Menschen an den Erfolgen der Reformpolitik teilhaben zu lassen. Stunden später ist Steinmeier der Kanzlerkandidat - und Beck der Vorsitzende, der zugunsten des Außenministers verzichtet hat.
Nur Fiktion?
März 2008. Kurt Beck und Frank-Walter Steinmeier sind im Osterurlaub. Sie haben in Interviews hinterlassen, dass Personaldebatten nicht anstehen. Geführt werden sie trotzdem. In der Partei. In den Medien sowieso. Die Bild-Zeitung titelt: "Steinmeier oder Beck - wer ist als Kanzlerkandidat gefährlicher für Merkel?" Steinmeier ist laut Umfragen in der Bevölkerung weitaus populärer als Beck. In der Partei aber genießt der Vorsitzende den größeren Rückhalt. Es ist wie damals bei Schröder und Lafontaine.
Und doch ist vieles auch ganz anders. 1998 hatte die SPD ein Programm. Es hieß: Kohl muss weg. Das zog nach 16 Jahren Regierungszeit der Union. 2009 wird Angela Merkel gerade mal vier Jahre im Amt sein. Bislang ist nicht zu erkennen, dass eine große Mehrheit der Bürger ihrer überdrüssig wäre. Und die SPD greift nicht aus der Opposition heraus an, sondern nach zehn Jahren an der Regierung, erst mehr, dann weniger. 1998 bestand eine reelle Chance, dass der SPD-Kandidat auch Kanzler wird. Für 2009 kann man das nach derzeitigem Stand nicht unbedingt erwarten.
Damals stark, heute geschwächt
Vor zehn Jahren hatte die SPD zwei starke Führungsleute. Das Ringen um die Kanzlerkandidatur wurde zu einem Showdown, der mobilisierend wirkte, nicht nur auf die Partei, auch auf viele Wähler. Lafontaine akzeptierte, dass die Landtagswahl in Niedersachsen zum Referendum wurde. Am Wahlabend des 1. März war Schröder der Sieger, aber Lafontaine nicht wirklich geschwächt.
Kurt Beck war Ende des vergangenen Jahres vielleicht ähnlich stark wie 1998 Lafontaine. Nach dem Hamburger Parteitag galt der SPD-Vorsitzende Beck als unbestrittene Nummer eins und natürlicher Kanzlerkandidat. Dann kamen die verlorenen Landtagswahlen in Niedersachsen und Hamburg und der missglückte Versuch, in Hessen aus einem gefühlten Sieg irgendwie eine Regierung zu machen. Wenn Beck eines Tages auf die Kanzlerkandidatur verzichten sollte, dann wird dies nach jetzigem Stand eher aus einer Position der Schwäche geschehen, weil sich der SPD-Chef nicht mehr berappeln konnte.
Für Steinmeier würde das die Sache auch nicht leichter machen. Er wäre irgendwo zwischen Hoffnungsträger und Notlösung. Von Schröder wusste man 1998 schon lange, dass er Kanzler werden wollte. Bundespolitisch hatte er sich vor allem gegen die Partei profiliert. Aber als Ministerpräsident in Niedersachsen hatte er Macht aus eigener Stärke. Steinmeier war bis 2005 der Mann im Hintergrund, mehr Beamter als Politiker. Seine Arbeit bestand im Gegenteil von Profilierung: Er musste ausgleichen, vermitteln, integrieren.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wieso der Kurs der SPD 2009 wichtiger sein wird als 1998.
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Eher schlechte Witze. Zwar ist Steinmeier ein Wunder der Natur: eine Schlaftablette mit Beinen und Beck wird gerne unterschätzt, aber Spitze ist er sicherlich nicht. Da wird der Beck zum Gärtner gemacht: im Steingarten.
Sollen sie doch den Laumann Naumann aus Hamburg nehmen, da gibt´s wenigstens was zu Lachen, wenn er in der superduper Kandidatenfernsehdebatte mit Merkel ins Stottern gerät.
Nico Fried betätigt sich mal wieder als Kaffeesatzleser.
Die Süddeutsche Zeitung als Koalitions-Architektin.
Warum eigentlich kann man nicht abwarten, bis der SPD-Vorsitzende Kurt Beck satzungsgemäß seinen Kandidatenvorschlag macht?
dürfte es m.E. gewesen sein , der nachfolgenden Satz postulierte..." Die einzige Wahrheit ist die, dass die Erkenntnis von heute mit Sicherheit der Irrtum von morgen sein wird.."mehr fällt mir zu diesen beiden Herren im Moment nicht ein...