Donald Trump Affäre um Stormy Daniels nimmt völlig neue Wendung

  • Trump selbst bestätigt, er habe seinem Anwalt Michael Cohen die 130 000 Dollar Schweigegeld an Stormy Daniels zurückgezahlt.
  • Bisher hatte Trump stets behauptet, von der Zahlung an den Pornostar nichts gewusst zu haben.
  • Daniels behauptet, 2006 einvernehmlich Sex mit Trump gehabt zu haben. Trump bestreitet das.
Von Christian Zaschke, New York

Selbstverständlich äußerte sich US-Präsident Donald Trump zur neuesten Entwicklung im Fall seiner angeblichen Affäre mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels zunächst auf Twitter. Um 6.46 Uhr am Donnerstagmorgen begann der Frühaufsteher Trump, eine Reihe von Tweets abzusetzen, in denen er bestätigte, was sein neuer Rechtsberater Rudy Giuliani am Vorabend überraschend gesagt hatte: Dass die 130 000 Dollar, die Daniels kurz vor den Präsidentschaftswahlen erhalten hatte, um über die angebliche Affäre zu schweigen, von Trump selbst stammen. Bisher hatte es geheißen, Anwalt Michael Cohen habe Daniels das Geld ohne Trumps Wissen gegeben, und es sei ihm nicht erstattet worden.

Der ehemalige New Yorker Bürgermeister Giuliani ist erst kürzlich zu Trumps Team gestoßen. Am Mittwochabend saß er beim Sender Fox News in der Show des Trump-Bewunderers Sean Hannity und bot eine neue Erzählung der Vorgänge an. Demnach habe tatsächlich Cohen die Zahlung an Daniels veranlasst, habe das Geld jedoch von Trump in Form monatlicher Zahlungen zurückerhalten. "Nach der Wahl haben die beiden die Rückerstattung in die Wege geleitet, 35 000 Dollar im Monat, von seinem (Trumps) Privatkonto", sagte Giuliani. Insgesamt habe Cohen 460 000 bis 470 000 Dollar erhalten, für die Daniels-Sache und andere Jobs, die Giuliani nicht näher spezifizierte.

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Die Details habe Trump nach seiner Kenntnis nicht gekannt. "Er kannte die generelle Vereinbarung", sagte Giuliani, "er wusste, dass Michael sich um solche Dinge kümmert, genau wie ich mich für meine Klienten um solche Dinge kümmere." Ob die normalerweise auch nichts über die Details solcher Deals wüssten? "Ich belästige sie nicht mit jeder Kleinigkeit", sagte Giuliani, "es sind viel beschäftigte Leute."

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Daniels behauptet, 2006 einvernehmlich Sex mit Trump gehabt zu haben. Trump bestreitet das. Unstrittig ist, dass sie kurz vor den Wahlen 2016 eine Schweigevereinbarung unterzeichnete und dafür von Cohen 130 000 Dollar erhielt. Vor einem Monat hatten Reporter Trump an Bord der Präsidentenmaschine gefragt, ob er von der Zahlung gewusst habe. "Nein", sagte Trump. Warum Cohen das Geld gezahlt habe, wenn doch an Daniels Behauptung nichts dran sei? "Das müssen Sie Michael Cohen fragen", sagte Trump. Ob er wisse, woher Cohen das Geld genommen habe? "Nein", so Trump, "das weiß ich nicht." Kurz darauf beschlagnahmte die Justiz in New York im Zuge einer Ermittlung bezüglich Cohens Geschäftspraktiken stapelweise Unterlagen des Anwalts.

Nach einem Bericht des Senders NBC war Cohen dabei zuvor auch abgehört worden. Protokolliert wurden demnach sowohl die Nummern, die von Cohens Apparaten aus angerufen wurden, als auch die Nummern eingehender Anrufe. In einer ersten Version des NBC-Berichts hatte es geheißen, es seien auch Gespräche abgehört worden, das korrigierte der Sender allerdings später.

Die Ermittlungen dauern an. Cohen hatte gesagt, er habe einen Kredit aufgenommen, um das Geld an Daniels zu zahlen. Trump habe nichts davon gewusst und es ihm auch nicht zurückgezahlt. Die jetzt von Giuliani verbreitete Version hat aus Sicht von Trumps Team vor allem den Vorteil, dass sie den Vorwurf aus der Welt räumt, bei der Zahlung habe es sich um eine illegale Wahlkampfspende Cohens gehandelt. Dieses Problem zu lösen erschien Giuliani offenbar so wichtig zu sein, dass er dafür in Kauf nimmt, dass nun die Frage im Raum steht, warum sowohl Trump als auch Cohen den Fall in der Vergangenheit anders dargestellt hatten.

Nachdem es zunächst geheißen hatte, Trump habe mit der Zahlung nichts zu tun, klagte Daniels gegen Cohen, um von der Schweigevereinbarung entbunden zu werden. Ihr Anwalt Michael Avenatti argumentierte, wenn Trump nichts davon wusste, nichts dafür bezahlte und entsprechend auch nichts unterschrieb, sei das Abkommen unwirksam. Daniels bot an, das Geld zurückzuzahlen, um offen über die angebliche Affäre sprechen zu dürfen. Es gilt als ziemlich sicher, dass sie einen lukrativen Buchvertrag abschließen könnte, wenn sie von der Vereinbarung entbunden wäre.

Dass Trump laut Giuliani nun doch Quelle der Zahlung sein soll, könnte die Rechtslage verändern. Anwalt Avenatti warf dem Präsidenten vor, das Volk zu belügen. "Mr. Trump stand an Bord der Air Force One und hat unverfroren gelogen", schrieb er auf Twitter, "wir werden nicht ruhen, bis der Gerechtigkeit Genüge getan ist."

Giulianis neue Version könnte zwar einige Probleme lösen, dafür aber neue bringen. Eine entscheidende Frage ist, ob die Zahlung an Daniels als Wahlkampfausgabe klassifiziert wird. Zwar darf Trump als Kandidat so viel von seinem eigenen Geld in seine Kampagne stecken, wie er will, doch er muss es angeben. Das hat er nicht getan. Problematisch könnte für Trump das Timing der Zahlung sein. Hätte er Daniels bereits 2006 oder in den Folgejahren für ihr Schweigen bezahlt, wäre das seine Privatsache gewesen. Dass er jedoch unmittelbar vor der Wahl zahlte, legt nahe, dass es sich um eine Zahlung handelte, die mit seiner Kampagne zu tun hatte.

Im Weißen Haus herrscht offenbar Verdruss über Giulianis Vorgehen. Ein Berater Trumps sagte der Washington Post: "Jeder in Trumps Welt wird das als vollkommen unerzwungenen Fehler ansehen. Und als Bestätigung dafür, dass es nicht die beste Idee war, Rudy anzuheuern."

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