Überraschende Unterstützung für Gesine Schwan: Der niedersächsische Ministerpräsident Wulff versichert, dass die SPD-Päsidentschaftskandidatin keine "soziale Unruhen" in Deutschland schüren wollte. Den "hysterischen" Kritikern gibt er einen Rat. Die CSU ist da ganz anderer Meinung.

Die SPD-Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, hat in der Debatte über mögliche Unruhen wegen der Wirtschaftskrise ungewöhnliche Rückendeckung erhalten.

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Christian Wulff: "Wer Gesine Schwan kennt, weiß, dass sie keine sozialen Unruhen schüren wollte" (© Foto:)

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"Wer Gesine Schwan kennt, weiß, dass sie keine sozialen Unruhen schüren wollte", sagte der niedersächsische Ministerpräsident und CDU-Vize Christian Wulff der in Hannover erscheinenden Neuen Presse. Er nannte die Diskussion hysterisch.

"Wir sollten Frau Schwan, unserem Bundespräsidenten (Horst) Köhler und allen anderen, die nachdenklich reden, aufmerksam zuhören", sagte Wulff. Er sei überzeugt, dass die überragende Mehrheit der Menschen auch weiterhin Gewalt und Rechtsbruch ablehne. "Unruhen erwarte ich nicht." Alle müssten angesichts der erkennbaren Abwärtsspirale der Wirtschaft Besonnenheit bewahren.

Wulff kritisierte Investitionszurückhaltung in der Wirtschaft: "Wenn ich sehe, wie der Werbemarkt einbricht, dann muss sich jeder fragen, ob nicht ein antizyklisches Verhalten gegen den Trend besser wäre und ein Verhalten wie bei den Lemmingen uns noch tiefer reinreißt." Gar nichts zu tun verschärfe die Krise.

In der CSU ist man indes ganz anderer Meinung, wenn es um Gesine Schwan geht. Der Vorsitzende der CSU-Mittelstandsunion, Hans Michelbach, fordert die SPD-Führung auf, ihre Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan zurückzuziehen. Michelbach sagte, Schwans erneute Warnung vor einer explosiven Stimmung wegen der gegenwärtigen Wachstumsprobleme unterstreiche, dass sie "der Verantwortung des höchsten Staatsamtes nicht gerecht" werde. Wer so handele, trage "nicht zum Frieden in der Gesellschaft bei, sondern redet Unruhe herbei und betreibt das Geschäft der Radikalen".

Michelbach fügte hinzu: "Wenn es führenden SPD-Mitgliedern mit ihrer Kritik an den Äußerungen ihrer Präsidentschaftskandidatin ernst ist, ist spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo die SPD-Führung Frau Schwan die Rote Karte zeigen muss."

Das Verhalten von Schwan stehe "im auffälligen Kontrast zu den verantwortungsvollen Bemühungen von Unternehmen, Betriebsräten und Politik, die Auswirkungen der wirtschaftlichen Probleme mit einem breiten Instrumentarium abzufedern".

Schwan verteidigt sich

Bundespräsident Köhler hatte im RBB davor gewarnt, sich angesichts der Rezession in Panik zu reden. Indirekt distanzierte er sich damit von Schwan und vom DGB-Vorsitzenden Michael Sommer, der vor "sozialen Unruhen" gewarnt hatte.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte am Sonntag im Deutschlandfunk zu Warnungen vor sozialen Konflikten: "Es gibt keinen Anlass dazu." DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann schrieb im Hamburger Abendblatt: "Wir werden die Krise alle spüren. Aber Panikmache und das Herbeireden von 'sozialen Unruhen' sind schlicht unverantwortlich."

Schwan konterte am Sonntag, wer ihre Äußerungen "Panikmache nennt, macht selbst Panik". Sie hatte in den vergangenen Tagen mehrfach gewarnt, dass die Stimmung im Verlauf der Krise explosiv werden und der Unmut andere Formen annehmen könnte.

Schwan betonte aber, sie habe persönlich an keiner Stelle - wie DGB-Chef Sommer - über soziale Unruhen gesprochen. "Ich habe vielmehr auf die Verschärfung der Gerechtigkeitsproblematik infolge der Krise hingewiesen."

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(dpa/ddp-bay/mati/gba/bica)