Interview: Nikolaus Hollermeier

Laut Koalitionsvertrag sollen so genannte "Killerspiele" in Deutschland künftig generell illegal sein. In Österreich beschreitet man einen ganz anderen Weg: Besonders "gute" Computerspiele werden durch eine Behörde staatlich beworben.

Ursula Haubner ist österreichische Ministerin für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz. Von Verboten hält sie wenig, stattdessen hat ihr Ministerium eine Behörde geschaffen, die empfehlenswerten Computerspielen mehr Marktanteile verschaffen soll.

Haubner, BMSG

Ursula Haubner, österreichische Ministerin für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz. (© Foto: BMSG)

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sueddeutsche.de: Frau Haubner, in Österreich gibt es neuerdings eine "Bundesstelle für Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen", kurz Bupp. Erklären Sie doch bitte kurz, was Sie sich von dieser Behörde erwarten.

Haubner: Die Bupp ist eine neue Serviceeinrichtung des Sozialministeriums. Sie unterstützt Eltern geeignete Computerspiele für ihre Kinder auszuwählen. Dazu verleiht die BuPP entsprechend guten Titeln ein Positivprädikat. Wir gehen hier den Weg einer positiven Kennzeichnung durch ein Gütesiegel, anstatt durch Verbote negative Spiele für die Jugendlichen nur noch interessanter zu machen.

sueddeutsche.de: In der Datenbank der Bupp wird zum Beispiel das Autorennspiel "Juiced" als "das Mekka der illegalen Straßenrennen" gelobt. Stellt dieses Spiel für Kinder ab elf einen empfehlenswerten Beitrag zur Verkehrserziehung dar?

Haubner: Autorennen wie "Juiced" machen vielen schlicht und einfach Spaß. Und sie sind technisch sehr gut umgesetzt. Darüber hinaus haben sich die Gutachter eingehend mit entsprechender Fachliteratur befasst und mit zahlreichen Experten gesprochen. Tenor dieser Recherche ist, dass durch das Spielen dieses Spieles die Kinder sicherlich nicht zu Verkehrsrowdies würden.

sueddeutsche.de: Offenbar wollen Sie nicht nur "extrem brave" oder rein belehrende Spiele empfehlen, das ist verständlich und realistisch. Aber was sind die Kriterien der Bupp, die ein Spiel für eine bedenkenlose staatliche Empfehlung qualifizieren?

Haubner: Im pädagogischen Bereich wird bei jedem Spiel zunächst einmal gefragt, ob damit etwas Positives, Wünschenswertes gelernt werden kann. Die Experten der Begutachtungskommission beschäftigen sich weiters damit, wie denn mit Werten umgegangen wird, welchen Stellenwert Gewalt und Aggression einnehmen, wie Rollenbildern transportiert werden und vieles mehr. Insgesamt sind dem Bereich Pädagogik sieben Kriterien zugeordnet, welche jeweils mit zahlreichen Indikatorfragen untermauert werden.

sueddeutsche.de: In Deutschland will die neue Regierung laut Koalitionsvertrag dazu übergehen, so genannte "Killerspiele" generell zu verbieten. Was halten Sie von diesem Ansatz?

Haubner: Ich meine, dass Auswüchse, wie es sie leider gibt, mit aller Härte der bestehenden Bestimmungen des Strafgesetzbuches und anderer Gesetze verfolgt werden müssen. In Österreich ist dies durch die Jugendschutzgesetze der Bundesländer bereits geregelt. So sind verhetzende oder diskriminierende Computerspiele bereits verboten. Darüber hinaus sollte jedoch der Fokus auf dem Positiven liegen: Gutes empfehlen ist meine Devise - und die wird mit der Bupp umgesetzt.

sueddeutsche.de: In Deutschland gibt es bislang verschiedene Institutionen der Selbstkontrolle seitens der Unterhaltungsindustrie bzw. der Medien sowie eine Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Wie ging Österreich mit dieser Thematik bislang um?

Haubner: Wir haben die Entwicklung sehr genau mitverfolgt und selbstverständlich haben wir auf Beamtenebene einen kontinuierlichen Austausch. Durch den gemeinsamen Markt der deutschsprachigen Titel sind die Kennzeichnungen der USK auch in Österreich zumeist auf den Verpackungen. Daneben gibt es jedoch inzwischen auch die Kennzeichnung der PEGI, einer europäischen Rating-Stelle.

Das verwirrt natürlich viele Eltern und ich sehe es als erforderlich an, hier in absehbarer Zeit eine Lösung zu finden. Die Bupp versteht sich demgegenüber als komplementäre Ergänzung: nicht Konkurrenz oder gar ein drittes System, sondern zusätzlich Information für diejenigen, die sich mit dem Medienkonsum ihrer Kinder auseinandersetzen.

sueddeutsche.de: Gibt es eine freiwillige Selbstkontrolle der Industrie oder eine staatliche Kontrolle abseits der allgemeinen Gesetze?

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