Seehofer zu Scheuers Doktortitel "Für mich ist das erledigt"

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer auf einem Archivbild vom Dezember vergangenen Jahres

CSU-Chef Horst Seehofer verteidigt seinen Generalsekretär Andreas Scheuer. Nach Diskussionen um sein in Tschechien erworbenes "kleines Doktorat" hatte dieser erklärt, den Titel künftig nicht mehr zu führen. Plagiatsvorwürfe entkräftet das aber nicht.

Von Mike Szymanski, Birgit Kruse und Hannah Beitzer

CSU-Chef Horst Seehofer steht zu seinem Generalsekretär Andreas Scheuer, der wegen seines tschechischen Doktortitels in die Kritik geraten ist. Scheuer sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, den Titel "Dr." zu Unrecht in Deutschland zu führen und eine längere Textpassage abgeschrieben zu haben. Als Konsequenz daraus erklärte er, den Titel nicht weiter zu führen. Parteichef Seehofer sagte der Süddeutschen Zeitung: "Die Entscheidung, dass er den Titel nicht weiterführt, ist richtig. Für mich ist das erledigt."

Scheuer hatte den Verzicht gegenüber der Bild-Zeitung begründet: "Um eine kaum handhabbare Praxis beim Führen des Titels zu vermeiden, habe ich mich entschieden, vom Führen des Titels künftig völlig abzusehen." Scheuer darf formal sein in Prag erworbenes sogenanntes "kleines Doktorat" nur in Bayern und Berlin als "Dr." führen, in allen anderen Bundesländern dagegen nicht.

Der neue CSU-Generalsekretär reagierte mit seiner Entscheidung auf einen Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dem Bericht zufolge ist die wissenschaftliche Leistung Scheuers für den bislang in seinem Lebenslauf und auch bei offiziellen Anlässen ausgewiesenen Doktortitel nur mit einem Master-Studienabschluss vergleichbar.

Bereits vor einigen Jahren ermittelte die Staatsanwaltschaft in Scheuers niederbayerischer Heimat vorübergehend wegen des Verdachts des Titelmissbrauchs, kurzzeitig änderte er seinen Titel auf der Homepage Regionalmedien zufolge in "PhDr." Das Verfahren wurde laut FAZ eingestellt.

Plagiatsvorwürfe bleiben

Damals waren sich aber auch die Wissenschaftsministerien in Deutschland noch nicht wirklich sicher, wie sie mit dem kleinen Doktortitel umgehen sollten, schreibt die FAZ weiter. 2007 habe die Kultusministerkonferenz klargestellt, dass sie nur der zweiten Ebene der Bologna-Klassifikation zuzurechnen seien, sprich den Master-Abschlüssen. Nur in Berlin und Bayern wurde es Trägern des Titels, die diesen vor 2007 erworben hatten, gestattet, ihn weiter als "Dr." zu führen. Von dieser Regelung profitierte dann auch Andreas Scheuer.

Die Zeitung berichtet außerdem von Vorwürfen, wonach Scheuer eine längere Textpassage aus einer Veröffentlichung der Bundeszentrale für politische Bildung übernommen habe, die in Zusammenarbeit mit der Universität Münster entstanden sei.

Über einen Sprecher ließ Scheuer der FAZ mitteilen, er habe noch mal seine Arbeitsunterlagen gesichtet und dort "kein Textdokument der Universität Münster" gefunden. Er werde jedoch mit der Universität Kontakt aufnehmen, um den Text prüfen zu können.

Seehofer zufolge hatte Scheuer ihn am Donnerstagabend darüber informiert, dass die FAZ einen Bericht plane und er erwäge, den Titel abzulegen. "Der Grund ist nicht, dass das nicht rechtmäßig sei", sagte Seehofer. Allerdings handele es sich um eine sehr "komplizierte juristische Angelegenheit". Er habe sich im bayerischen Wissenschaftsministerium erkundigt. Dass Scheuer den Dr.-Titel in Bayern und Berlin führen darf, sei "wohl unbestritten". Allerdings werfe dies in der Praxis "lauter Fragen" auf, weshalb er Scheuers Schritt begrüße.

Seehofer sieht in Bayern auch nach dem Fall Scheuer keinen Bedarf, an den bestehenden Regeln über das Führen eines Doktortitels etwas zu ändern.

Hämische Reaktionen

Spitze Bemerkungen blieben natürlich nicht aus. "Wie heißt es nochmal bei der #CSU : 'Wer betrügt, der fliegt.' Und was heißt das dann für Herrn Scheuer?", twittert etwa Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen.

Florian Streibl, Parlamentarischer Geschäftsführer der Freien Wähler, kann sich die Häme ebenfalls nicht verkneifen. Er rät Ministerpräsident Horst Seehofer, künftig Generalsekretäre auszuwählen, "die nicht promoviert haben". So käme es nach den Fällen zu Guttenberg und Scheuer "nicht zu noch mehr Peinlichkeiten, die vor allem im Hinblick auf den unsäglichen CSU-Slogan 'Wer betrügt, der fliegt' geradezu absurd wirken."

Und Bayerns SPD-Chef Florian Pronold fordert eine "seriöse Aufklärung des Sachverhalts". Mit dem Verzicht auf den Doktortitel sei es nicht getan.