Direktkandidat im Kanzler-Wahlkreis Angela Merkels Duellant

Michael Adomeit wirbt als parteiloser Direktkandidat in der Region Stralsund um Stimmen. Seine Gegnerin: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er will ihr einen Denkzettel verpassen.

Von Michael König

Er sagt, er stehe politisch weder links noch rechts. Auch nicht in der Mitte. Das klingt nach Horst Schlämmer, aber im Gegensatz zu dem Alter Ego des Komikers Hape Kerkeling ist es Michael Adomeit ernst. Sehr ernst.

Michael Adomeit ist der Gegner Angela Merkels in Stralsund-Nordvorpommern-Rügen .

(Foto: Foto: oH)

Adomeit will als unabhängiger Direktkandidat in den Bundestag, und weil das voraussichtlich nicht klappt, will der 52-Jährige der Favoritin im Wahlkreis Stralsund-Nordvorpommern-Rügen zumindest einen Denkzettel verpassen. Die Favoritin heißt Angela Merkel. Sie ist Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende. Bei der Wahl 2005 gewann sie das Direktmandat mit 41,3 Prozent der Stimmen. Adomeit kam auf 1,2 Prozent. Diesmal sollen es mehr werden.

Es ist ein ungleiches Duell. Adomeit hat keine Helfer, die sich um seinen Wahlkampf kümmern. Er hält nicht viel von Parteien: "Die haben alle die Bindung zum Volk verloren." Er druckt keine Wahlplakate, er nimmt eine Woche vor der Bundestagswahl auch keine Termine mehr wahr. "Das ist nicht nötig, ich bin hier bekannt wie ein bunter Hund", sagt er. "Ich kenne viele Leute, die nur wegen mir zur Wahl gehen."

Adomeit kann auf Erfolge in der Kommunalpolitik verweisen. Seit zehn Jahren sitzt er in der Stralsunder Bürgerschaft. Bei den Kommunalwahlen im Juni trat er als "Wählergruppe Adomeit" an, gewann 5,8 Prozent der Stimmen und zwei Sitze im Rat. Beinahe wären es drei geworden. Der Mann ist populär.

"Ich packe die Dinge an, um die sich andere Politiker nicht kümmern", sagt Adomeit. Er sammelt Unterschriften gegen den offenen Strafvollzug nahe einer Wohnsiedlung in Ueckermünde. Gerade hat er sich um die Renovierung eines Spielplatzes gekümmert und bei einer Müllsammelaktion im Wald mit angepackt.

Bundespolitisch ist er unbefleckt. Sein Wahlprogamm hat er "im Kopf", zu den Reizthemen kann er spontan nichts sagen. Beispiel Atomausstieg: "Ich bin kein Physiker und kein Chemiker. Ich kann das nicht beurteilen", sagt er. Er will die Dinge vor Ort anpacken, dass sei schließlich die Aufgabe eines Abgeordneten. Das habe Angela Merkel aus den Augen verloren, kritisiert Adomeit.

Merkel hat ihren Wahlkreis im Wahlkampf zwei Mal besucht. Sie ist beliebt, weil sie sich um einzelne Schicksale kümmert, wie 2006 um den von der Vogelgrippe geplagten Rügener Geflügelzüchter Holger Kliewe. Sie überzeugt mit Detailwissen. Das weiß auch Adomeit. "Doch sie hat nichts verändert", meint er.

Er hat ihr einen Brief geschrieben, es ging um den offenen Vollzug in Ueckermünde. Merkel antwortete, da könne sie leider nichts machen. Strafvollzug ist Ländersache. Adomeit war damit nicht zufrieden: "Sie ist die Kanzlerin, aber wir haben nichts davon."

Die Arbeitslosenquote in der Region liegt bei 13,4 Prozent. Von Mai bis September herrsche Tourismus in der Stadt, den Rest des Jahres sei es "zappenduster", sagt Adomeit. Er verlor 1991 seinen Job als Elektriker auf der Werft, machte eine Umschulung, hatte aber auch als Kaufmann für Grundstücks- und Wohnungswirtschaft auf dem Arbeitsmarkt keine Chance. Jetzt ist er Rentner.

In die Politik zu gehen, sei eine "fixe Idee" gewesen, sagt Adomeit rückblickend. Er ist überzeugt, dass es Deutschland besser ginge, wenn mehr "kleine Leute" in den Bundestag einziehen würden. Menschen wie Adomeit.

"1,6 Prozent wären ein tolles Ergebnis", sagt Adomeit. Er ist bescheiden: "Mir ist jede Stimme wichtig, denn jede Stimme ist ein Denkzettel für Angela Merkel."