Dioxin im Tierfutter Panscherei ungeahnten Ausmaßes

Der Futterproduzent Harles und Jentzsch hat offenbar viel mehr Tiernahrung mit Dioxin verunreinigt als bisher bekannt. Mehr als jede zweite Probe soll verseucht sein. Verbraucherschutzministerin Aigner fordert die Deutschen derweil auf, mehr Geld für Essen auszugeben.

Der Fetthersteller Harles und Jentzsch hat offenbar regelmäßig und in viel größerem Ausmaß dioxinbelastete Fettsäuren gemischt und ausgeliefert als bislang bekannt. Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat nach Informationen der Berliner Zeitung in 60 Prozent der untersuchten Futtermischungen zu viel Dioxin gefunden. Das geht aus Messergebnissen hervor, die der Zeitung vorliegen.

Bislang wurden 153 Proben von unterschiedlichen Fettlieferungen von Harles und Jentzsch ausgewertet. Jede der 153 Proben stehe für eine bestimmte Mischung des Herstellers, die tonnenweise das Werk verlassen haben könnte. In 92 der insgesamt 153 Fettproben sei eine Überschreitung des zulässigen Dioxingrenzwertes festgestellt worden, hieß es.

Die gemessenen Dioxinwerte in den einzelnen Lieferpartien wichen auch in ihrer Höhe eklatant voneinander ab. Die Bandbreite der Messungen reiche von der leichten Grenzwertüberschreitung bis zur fast hundertfachen Menge des Erlaubten, berichtet die Zeitung. Den Messungen zufolge gebe es fast keine Lieferung, die denselben Dioxinwert aufweise. Für Ermittler verdichten sich damit die Hinweise, dass die Dioxonbelastung in den Fetten auf kontinuierliches Mischen dioxinbelasteter Fettsäuren zurückzuführen sein könnte. Wegen des Skandals sind immer noch 700 Höfe in Deutschland gesperrt.

Die nach dem Dioxin-Skandal heftig kritisierte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner nimmt unterdessen auch die Verbraucher in die Pflicht - sie müssten bereit sein, für ihr Essen tiefer in die Tasche zu greifen. Sie forderte einen Mentalitätswechsel bei den Lebensmittelpreisen. "Qualität hat ihren Preis", sagte Aigner am Donnerstag bei der Eröffnung der Grünen Woche in Berlin. Die Bauern müssten vernünftig wirtschaften können. Genau wie die Verbraucher könnten sie aber darauf vertrauen, dass der Skandal "Konsequenzen" habe. Sie verwies auf ihren Aktionsplan, den sie zusammen mit den Bundesländern erarbeitet hat. Er sieht unter anderem schärfere Kontrollen, höhere Strafen und eine Meldepflicht für Untersuchungsergebnisse vor.

Der Skandal schadet offenbar der Popularität der CSU-Politikerin. Mit Aigners Arbeit im Zusammenhang sind laut der "Deutschlandtrend"-Umfrage der ARD nur ein Drittel (34 Prozent) der Bürger zufrieden, im Winter 2009 hatten noch 44 Prozent einen guten Eindruck von ihr. 37 Prozent halten sie heute für keine gute Besetzung.

Mahlzeit, Frau Aigner!

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