Digitale Kriegsführung Großbritannien rekrutiert Internet-Armee

Truppen zu Land, zu Wasser, in der Luft - und bald im Internet: Großbritannien bekennt sich als erste Nation dazu, im Konfliktfall seine Gegner auch im Internet angreifen zu wollen. Dazu plant das Verteidigungsministerium gemeinsam mit dem Geheimdienst GCHQ, für 600 Millionen Euro eine eigene Cyber-Armee auszurüsten.

Online-Erstschlagsfähigkeit zur Abschreckung der Feinde: Die britischen Streitkräfte suchen Hunderte Computerexperten zum Aufbau einer Sondereinheit gegen Cyberangriffe. Die neue Einheit werde das Militär zu "Gegenangriffen im Cyberspace" befähigen, sagte Premierminister David Cameron am Sonntag. Die Spezialisten aus der Privatwirtschaft sollen rekrutiert werden, um wichtige Computernetze und sensible Daten zu schützen.

Großbritannien ist damit die erste Nation, die offen zugibt, eine Cyber-Armee mit Offensivfähigkeiten aufzustellen - auch wenn davon auszugehen ist, dass sie keineswegs die einzige ist. So besitzen wohl auch andere Militärmächte wie die USA, China, Israel und Russland die Möglichkeit, die Internet-Infrastruktur anderer Nationen als Teil einer militärischen Strategie gezielt anzugreifen.

Mit der Einheit, die mit einem Budget in Höhe von 500 Millionen Pfund (600 Millionen Euro) ausgestattet sein soll, reagiert die britische Armee auf diese zunehmende Bedrohung durch Angriffe aus dem Internet. "Jahrelang haben wir eine Verteidigung aufgebaut, um uns vor diesen Cyber-Attacken zu schützen. Das ist nicht mehr genug", sagte Verteidigungsminister Philip Hammond in der britischen Zeitung Daily Mail. "Mit einer Angriffsmöglichkeit kann man den Gegner abschrecken."

Zusammenarbeit mit Geheimdienst GCHQ

Schon im Januar hatte der britische Parlamentsausschuss zur Kontrolle der Verteidigungsfähigkeit Alarm geschlagen. Wegen der Abhängigkeit der Streitkräfte von Informationstechnologien könnten sie durch einen Cyberangriff "fatal geschwächt" werden. Ganze Kampfeinheiten, Flugzeuge oder Kriegsschiffe könnten außer Gefecht gesetzt werden, wenn die Kommunikationslinien und Informationssysteme sabotiert würden, warnten die Abgeordneten damals in einem Bericht.

Die militärische Aktivitäten im Internet sollen, so Hammond weiter, in einer Reihe mit jenen auf dem Land, auf dem Meer, in der Luft und im Weltall stehen. "In zukünftigen Konflikten können unsere Befehlshaber Cyber-Waffen zusammen mit konventionellen Waffen einsetzen." Die neue Einheit soll in Zusammenarbeit mit Verantwortlichen des britischen Geheimdiensts GCHQ, der auch in der Internet-Überwachungs-Affäre eine wichtige Rolle spielte, entwickelt und aufgebaut werden.

Der Verteidigungsminister bemüht sich aber insbesondere um Fachleute, die sonst keine Karriere bei den Streitkräften anstreben würden. Laut Hammond sei es für Zivilisten eine "aufregende Gelegenheit", als "Cyber-Reservisten" die nationale Sicherheit zu verteidigen. Die Rekrutierung soll ab Oktober starten.