Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus ist zurück auf der politischen Bühne - und hat jetzt viel zu tun, wenn er an der Macht bleiben will.
Dieter Althaus hat sich in der Politik zurückgemeldet. Nicht heimlich, still und leise, sondern im Scheinwerferkegel der Fernsehkameras.
Fühlt sich wieder "fit": Dieter Althaus (© Foto: AP)
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Doch wer erwartet hatte, dass der Politiker bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem folgenreichen Skiunfall nun Zerknirschung zeigen würde, wurde enttäuscht.
Ganze vier Sätze kamen ihm aus eigenem Antrieb zu dem Unglück über die Lippen. Dabei vermied er es, seine Mitschuld am Tod der Skifahrerin Beata Christandl einzugestehen, mit der er aus bis heute ungeklärten Gründen am Neujahrstag auf offener Piste zusammengestoßen war.
Hingegen hat Althaus erklärt, den Schuldvorwurf angenommen zu haben, den ihm das Gutachten der österreichischen Staatsanwaltschaft zugewiesen hat, und er hat das Urteil wegen fahrlässiger Tötung akzeptiert - aus seiner Sicht muss das wohl genügen.
Die moderne Medienwelt verlangt nach Emotionen. Doch der thüringische Ministerpräsident ist ersichtlich kein Mann für öffentliche Gefühligkeit. Ihm deshalb Kaltschnäuzigkeit oder mangelnde Demut vorzuwerfen, wäre wohl nicht gerecht: Wer weiß denn schon, was sich Dieter Althaus im Stillen für Gedanken gemacht hat über das tragische Skiunglück?
Der Wahlkampf hat begonnen
Ein paar karge Sätze über Ethik in der Politik, Menschenwürde und die Zerbrechlichkeit des Lebens hat er sich in der Pressekonferenz immerhin entlocken lassen. Für seine Verhältnisse war das vermutlich schon recht viel. Und womöglich haben die Worte auch die Stimmen in seiner Partei besänftigt: Auch dort war in den letzten Wochen zunehmend der Wunsch aufgekommen, der Ministerpräsident möge ein wenig mehr Mitgefühl mit dem Opfer und seiner Familie zeigen.
So wenig wie Althaus nach außen das Mitgefühl erkennen lässt, das er möglicherweise im Innern empfindet, so wenig darf er freilich erwarten, dass die politischen Gegner in den kommenden Wochen Rücksicht auf ihn und seine Situation nehmen. Und so hat Dieter Althaus am Montag seine Schonzeit selbst beendet: Ab sofort ist Wahlkampf, der Unfall war gestern.
Allerdings dürfen die Christdemokraten nun auch keineswegs mehr auf einen Mitleidseffekt spekulieren, wie er sich in den ersten Wochen nach dem Unfall gezeigt hatte. Deshalb müssen sie nun auch akzeptieren, wenn die Spitzenkandidaten der anderen Parteien zum Angriff blasen. Publizität hatte Althaus ja nun wirklich genug bekommen in den vergangenen Wochen seiner Krankheit und der nachfolgenden Rekonvaleszenz.
Künftig wird es wieder um die politischen Fakten gehen. Und für die kommenden Wahlen ist seine Partei keineswegs so gut aufgestellt, wie Althaus glauben machen will. Bei den Kommunalwahlen, die im Juni stattfinden, sieht es nicht so gut für die Christdemokraten aus. Das könnte ein Negativ-Signal für die folgenden Entscheidungen werden. Althaus hat jetzt viel zu tun, wenn er an der Macht bleiben will.
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(SZ vom 21.4.2009)
Kalt und unberechenbar Du bist Deutschland.
Macht ist sie wissen schon,wir hassen teuer!!
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Werter Urser habe ich etwas versäumt bezügich Ihrer Darstellung über den Mut des Herrn
MP Althaus.Ein Mensch ,der nachweislich durch Fahrlässigkeit einen anderen schadet oder sogar zu Tode bringt hat nur dann Mut, wenn er aus diesem Ergebnis Konsquenzen zieht. Es sei nur an das" Gerichtsverfahren" erinnert.
Die Äusserungen des "Christenmenschen" Althaus können nicht überzeugen. Ich frage mich jeden Tag ob es gerechtfertigt ist bei dieser Sachlage sich als Spitzenkanditat einer christlichen Parte zu outen. Jeder andere Bürger, bei ähnlichem Sachverhalt würde von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen.
Viel kritischer zu bewerten ist, dass in der Pressekonferenz keine Hinweise oder Ideen
kundgetan wurden wie in Thüringen die bestehende Wirtschaftskrise gemildert
oder z.B die notwendige Abwanderung der Menschen praktikabel entgegengetreten
werden könnte.
Ich kann mich nur dem Kommentar in der TA (Thüringer Allgeimeine) anschliessen, in dem daraufhingewiesen wurde, dass einige Minister und Staatssekretäre in Thüringen fehl am Platz sind und nur durch Protektion eines MP Althaus ihre Posten gesichert sehen.
Armes Thüringen, Gebete helfen hier nicht mehr !!
"Rückkehr ohne erkennbare Gefühle"
???
Dieser Titel als Zusammenfassung oder Charakterisierung für Althaus ersten offiziellen Auftritt verzerrt die tatsächliche Situation.
"Ein paar karge Sätze über Ethik in der Politik, Menschenwürde und die Zerbrechlichkeit des Lebens".
Na immerhin. Er hat das deutlich angesprochen. Wer kann denn erwarten, dass er zusätzlich dazu nach Monaten immer noch Tränen rausdrücken kann. Das wäre nun wirklich geheuchelte Schauspielerei gewesen.
"Die moderne Medienwelt verlangt nach Emotionen." Wird das jetzt auch in der SZ zur Hauptsache?
Trauer und Anteilnahme drücken sich nicht allein im dauerhaften Zurschaustellen von Leid und Verzweiflung aus. Ich frage mich, ob ein Mensch, der möglicherweise selbst wirklich keine Erinnerung an einen schuldhaft verursachten Unfall hat, stattdessen aber ein Schädel-Hirntrauma durchlebt, zu unmittelbarer Emotion über diese Vorgänge überhaupt fähig ist oder den Sachverhalt vielleicht nur rational, aus emotionaler Distanz heraus aufarbeiten kann - ob er nun Althaus, Kohl oder JaAber hieße.
Schuld hat er inzwischen auch eingestanden.
Man kann begründet in Frage stellen, ob Althaus als Ministerpräsident noch geeignet ist. Dieser Frage geht der Artikel aber gar nicht nach. Dann gibt es auch nichts daran zu mäkeln, dass Althaus sich bemüht, Handlungsfähigkeit zu vermitteln, wenn er denn wieder als Ministerpräsident auftritt. Da wäre ein Monate später inszeniertes Rührstück unangebracht und würde ihm von der seriösen Presse auch vorgeworfen.
Ich bin nicht sein Parteigänger, wollte ihn noch nie wählen und habe sein Verhalten und das juristische Spezialverfahren nach dem Unfall auch schon kritisiert.
Aber man kann das Thema Empathie nicht bei jedem seiner Auftritte immer wieder neu moralisierend über ihm ausschütten.
Der von Altvater Vogel ausgeguckte gut aussehende Herr A. kann die schwere Last als "gläubiger Christ" durch eine Beichte und ein ernstes Gebet an Gott loswerden.
Und dazu die unsäglichen Sprechblasen: "dem Vaterland dienen".
"Verantwortung übernehmen" usw.
Angeblich so krank, dass er sich an nichts erinnern konnte ( vielleicht immer noch nicht ??) d.h. die allgemeine Politiker-Krankheit.
Aber trotzdem - oder gerade deshalb- fähig, einen Ministerpräsidenten abzugeben.
Paging