Ein Kommentar von Christiane Kohl

Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus ist zurück auf der politischen Bühne - und hat jetzt viel zu tun, wenn er an der Macht bleiben will.

Dieter Althaus hat sich in der Politik zurückgemeldet. Nicht heimlich, still und leise, sondern im Scheinwerferkegel der Fernsehkameras.

Fühlt sich wieder "fit": Dieter Althaus; AP

Fühlt sich wieder "fit": Dieter Althaus (© Foto: AP)

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Doch wer erwartet hatte, dass der Politiker bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem folgenreichen Skiunfall nun Zerknirschung zeigen würde, wurde enttäuscht.

Ganze vier Sätze kamen ihm aus eigenem Antrieb zu dem Unglück über die Lippen. Dabei vermied er es, seine Mitschuld am Tod der Skifahrerin Beata Christandl einzugestehen, mit der er aus bis heute ungeklärten Gründen am Neujahrstag auf offener Piste zusammengestoßen war.

Hingegen hat Althaus erklärt, den Schuldvorwurf angenommen zu haben, den ihm das Gutachten der österreichischen Staatsanwaltschaft zugewiesen hat, und er hat das Urteil wegen fahrlässiger Tötung akzeptiert - aus seiner Sicht muss das wohl genügen.

Die moderne Medienwelt verlangt nach Emotionen. Doch der thüringische Ministerpräsident ist ersichtlich kein Mann für öffentliche Gefühligkeit. Ihm deshalb Kaltschnäuzigkeit oder mangelnde Demut vorzuwerfen, wäre wohl nicht gerecht: Wer weiß denn schon, was sich Dieter Althaus im Stillen für Gedanken gemacht hat über das tragische Skiunglück?

Der Wahlkampf hat begonnen

Ein paar karge Sätze über Ethik in der Politik, Menschenwürde und die Zerbrechlichkeit des Lebens hat er sich in der Pressekonferenz immerhin entlocken lassen. Für seine Verhältnisse war das vermutlich schon recht viel. Und womöglich haben die Worte auch die Stimmen in seiner Partei besänftigt: Auch dort war in den letzten Wochen zunehmend der Wunsch aufgekommen, der Ministerpräsident möge ein wenig mehr Mitgefühl mit dem Opfer und seiner Familie zeigen.

So wenig wie Althaus nach außen das Mitgefühl erkennen lässt, das er möglicherweise im Innern empfindet, so wenig darf er freilich erwarten, dass die politischen Gegner in den kommenden Wochen Rücksicht auf ihn und seine Situation nehmen. Und so hat Dieter Althaus am Montag seine Schonzeit selbst beendet: Ab sofort ist Wahlkampf, der Unfall war gestern.

Allerdings dürfen die Christdemokraten nun auch keineswegs mehr auf einen Mitleidseffekt spekulieren, wie er sich in den ersten Wochen nach dem Unfall gezeigt hatte. Deshalb müssen sie nun auch akzeptieren, wenn die Spitzenkandidaten der anderen Parteien zum Angriff blasen. Publizität hatte Althaus ja nun wirklich genug bekommen in den vergangenen Wochen seiner Krankheit und der nachfolgenden Rekonvaleszenz.

Künftig wird es wieder um die politischen Fakten gehen. Und für die kommenden Wahlen ist seine Partei keineswegs so gut aufgestellt, wie Althaus glauben machen will. Bei den Kommunalwahlen, die im Juni stattfinden, sieht es nicht so gut für die Christdemokraten aus. Das könnte ein Negativ-Signal für die folgenden Entscheidungen werden. Althaus hat jetzt viel zu tun, wenn er an der Macht bleiben will.

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(SZ vom 21.4.2009)