Erst wollte er nicht nach Berlin gehen, dann doch, dann wieder nicht. Am Ende des langen Zauderns blieb schließlich alles beim Alten und Stoiber Ministerpräsident. Fragt sich, wie lange noch? Wäre am Sonntag Wahl, würde die CSU einer Umfrage zufolge erstmals seit zwölf Jahren die absolute Mehrheit im bayerischen Landtag verlieren.
Nach der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest-Dimap würden nur 45 Prozent der Bayern der CSU ihre Stimme geben, wenn am kommenden Sonntag Landtagswahl wäre. Bei der letzten Infratest-Dimap-Umfrage im Juli hatte die CSU noch 59 Prozent Zustimmung erhalten. Bei der Landtagswahl im September 2003 hatte die CSU 60,7 Prozent der Stimmen erhalten.
Verliert an Popularität - nicht nur in den eigenen Reihen: Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber. (© Foto: Reuters)
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Die Oppositionsparteien kommen in der Umfrage zusammen auf genauso viele Prozent wie die CSU: Die SPD 24 Prozent, FDP 11 und Grüne 10. Damit entstünde im bayerischen Landtag ein Patt. Die Linkspartei käme mit 3 Prozent nicht in den Landtag. Auf die übrigen Parteien würden 7 Prozent entfallen.
Gewinner Beckstein
Bayerns Ministerpräsident selbst erlitt einen dramatischen Popularitätsverlust: 65 Prozent der Bayern lehnen der Umfrage zufolge eine neue Kandidatur Stoibers um das Amt des Ministerpräsidenten ab. Fast die Mehrheit der CSU-Wähler (48 Prozent) will nicht, dass Stoiber bei der Landtagswahl 2008 erneut antritt. Lediglich 45 Prozent befürworten eine abermalige Kandidatur des CSU-Chefs.
Als möglicher Nachfolger Stoibers gewinnt Innenminister Günther Beckstein zunehmend an Unterstützung. 45 Prozent der Parteianhänger befürworten eine Kandidatur des 61-Jährigen. Damit liegt Beckstein in der Wählergunst weit vor Staatskanzleichef Erwin Huber, der auch als möglicher Nachfolge-Kandidat gehandelt wird.
Beckstein wird darüber hinaus auch die höchste Zugkraft aller potenziellen Spitzenkandidaten zugetraut. 51 Prozent der Bayern und 53 Prozent der CSU-Anhänger sprechen sich für Beckstein aus bei der Frage, wer für die CSU 2008 am besten abschneiden würde. Stoiber erhielt hier nur die Zustimmung von 15 Prozent aller Befragten und 24 Prozent der CSU-Anhänger.
Noch schlechter schnitt Huber ab, der vor Stoibers Rückzieher von einem Wechsel nach Berlin mit Beckstein um die Nachfolge im Ministerpräsidentenamt stritt: Huber rechnen lediglich 13 Prozent der Befragten und 12 Prozent der CSU-Anhänger die besten Chancen zu, die meisten Stimmen für die Partei zu holen.
Söder: Umfrageergebnis überrascht nicht
CSU-Generalsekretär Markus Söder bezeichnete die Umfrage als eine Momentaufnahme. "Sie ist nach der Diskussion der letzten beiden Wochen nicht überraschend", erklärte er. Die Partei sei optimistisch, das Vertrauen der Bürger wieder zu stärken.
Die Umfrage wurde am vergangenen Dienstag und Mittwoch gemacht, also unmittelbar nach dem Kleinen Parteitag der CSU in München. Dort hatte sich Stoiber ausdrücklich für seinen umstrittenen Verzicht auf ein Ministeramt in Berlin entschuldigt und um Verständnis gebeten. Für die Umfrage wurden 1000 Bürger in Bayern befragt.
Zuletzt hatten die Christsozialen im Jahr 1993 in einer Umfrage ihre parlamentarische Mehrheit verloren: Damals verzeichnete die Regierungspartei mit 39 Prozent einen historischen Tiefpunkt in der Wählergunst. Wenig später verlor der damalige Ministerpräsident Max Streibl sein Amt und wurde von Stoiber als Regierungschef abgelöst.
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(AP/dpa)
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