Rentner: Altersarmut ist zwar kein Massenphänomen. Dennoch ist es kaum möglich, pauschal über "die Rentner" zu reden - so wenig vergleichbar sind die Lebensumstände der Alten.
Die Sonne scheint hell in den verglasten Wintergarten, scheint auf die Kunstskulpturen, auf die Obstschale, auf die antike Stehuhr, die nervös tickt und dem Gespräch den Rhythmus vorgibt: Lothar Langer hat nicht viel Zeit.
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"Die Krise, die schlittert doch an den Rentnern vorbei", sagt der 68-jährige Lothar Langer, dem es sichtlich gut geht und der als Vorsitzender der ,,Aktivsenioren Bayern'' seine Berufserfahrung an Jüngere weitergibt. Freilich kann Langer nicht für alle Rentner sprechen. Viele können von der Rente allein nicht leben. (© Foto: Haas)
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Der Terminplan des Münchner Rentners ist voll, am Nachmittag muss er nach Nürnberg und Existenzgründern auf einem Kongress erzählen, wie man ein Unternehmen aufbaut. Langer nimmt dafür kein Geld, schließlich gehe es ihm als Rentner gut genug. "Für unsere Generation ging es immer nur bergauf", sagt der 68-Jährige. Die Rente ist demnach der Gipfel für ihn.
"Verdammt, jetzt lassen Sie die Zeugin in Ruhe, sie ist doch schwanger!" Aus dem Fernseher brüllen die Teilnehmer einer Gerichtsshow in Mia Samels Wohnzimmer hinein, der Rauch einer Zigarette schraubt sich in die Luft, die 68-Jährige bietet Kekse an. "Von der Tafel", sagt sie, es klingt fast entschuldigend.
Früher war es ihr peinlich, Essensspenden anzunehmen, aber heute, sagt sie, hat sie sich dran gewöhnt, "es geht halt nicht mehr anders." Trotzdem mag Mia Samel ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. Ihre Rente ist so gering, dass ihr abzüglich der Kosten für Miete, Telefon und Strom 250 Euro zum Leben bleiben. Acht Euro am Tag.
Mia Samel und Lothar Langer wohnen in derselben Stadt, sie sind gleich alt, sie sind in derselben Lebensphase: in Rente. Und doch zeigen ihre Geschichten, wie schwierig es ist, in Deutschland über "die Rentner" zu reden. Wie schwierig es ist, wenn einer wie Finanzminister Peer Steinbrück sagt: "Der jetzigen Rentnergeneration geht es so gut wie nie zuvor."
Je nachdem, ob man bei Frau Samel vor dem laufenden Fernseher sitzt oder bei Herrn Langer im eleganten Wintergarten, hallt der Satz ganz unterschiedlich nach. Bei Herrn Langer wirkt er wahr, bei Frau Samel klingt er zynisch, nach Missachtung der Realität. Aber wie genau sieht diese Realität aus? Wie geht es den 20 Millionen deutschen Rentnern, nach vier Jahren Rot-Schwarz, mitten in der Wirtschaftskrise?
"Die Krise", sagt Herr Langer "die schlittert doch an den Rentnern vorbei." Er selbst habe zwar mit Aktien Geld verloren, aber nicht in nennenswerter Höhe. Was ihn verunsichert, ist "das Weitermachen". "Da kollabiert ein ganzes System, aber am Trend zur Verantwortungslosigkeit bei Bankern und Managern ändert sich nichts", sagt Langer.
Das macht ihm Angst - denn als langjähriger Leiter einer Maschinenbaufirma hat er selbst erlebt, wie sein Unternehmen von einem Investmentfonds übernommen wurde, "wie Menschen auf einmal nur noch Kostenfaktoren waren".
Eine Weile hat Langer gegen "die Heuschrecken" gekämpft, aber schließlich hat er kapituliert und ist früher als geplant, mit 63 Jahren, in Ruhestand gegangen. Hat angefangen, Golf zu spielen, ist wieder öfter Ski gefahren und mit seiner Frau in die Oper gegangen und wurde Vorsitzender der "Aktivsenioren Bayern", einem Verein, der die Lebens- und Berufserfahrung der erfolgreichen Älteren an Jüngere weitergeben will.
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Ob die Überschrift "Altersarmut kein Massenphänomen" wirklich zutrifft angesichts etwa
einer Million älterer Retner, hauptsächlich Kriegerwitwen, die Aufschläge zur Mindest=
absicherung erhalten müssen?
Auch die etwa 3-4 Mio. Rentner, die mit einer Höhe der Bezüge von etwa der Durch=
schnittsrente von ca. 1150 Euro "gerade so eben durchkommen" sich nicht auch von
einer gewissen Altersarmut betroffen fühlen, vor allem wenn sie ihren vorhandenen
Kindern oder Enkeln bei dieser Höhe der Versorgung natürlich kaum mehr unter die
Arme greifen können?
Natürlich sind die restlichen, mit gut auskömmlichen höheren Renten bzw. den höheren
Beamtenpensionen ausgestatteten ca. 15 Mio. Rentner davon ausgenommen, denen
geht es wirklich gut.