Von Thorsten Denkler, Berlin

Ein Jahr nach seinem Rücktritt ist Müntefering wieder dort, wo er seinen Abschied nahm. Über einen bemerkenswerten Auftritt vor der Bundespressekonferenz.

Kommt selten vor, dass Politiker sich vor die Presse stellen, um einfach mal zu reden, um im Gespräch zu bleiben, Gedanken auszutauschen, wie es Franz Müntefering an diesem Mittwoch formuliert. Sonst gibt es immer Anlässe, Ereignisse, nach denen es öffentlichen Erklärungsbedarf gibt.

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Rastloser Redner: Franz Müntefering vor der Bundespressekonferenz. (© Foto: dpa)

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Vor knapp einem Jahr, als Müntefering zuletzt einen großen Auftritt vor der Bundespressekonferenz hatte, da gab es so einen Anlass. Seinen Rücktritt als Arbeitsminister und Vizekanzler. Seitdem ist einiges passiert. Münteferings Frau Ankepetra ist gestorben. Kurt Beck ist als Parteichef zurückgetreten. Frank-Walter Steinmeier ist Kanzlerkandidat geworden. Und er, Müntefering, soll wieder Parteichef werden.

Es hätte viele gute Anlässe gegeben, um vor die Presse zu treten. Im Zweifelsfall die aktuelle politische Lage. Die macht sich immer gut. Diesmal will Müntefering nur ein wenig reden. Über "Macht und Politik", so ist diese Pressekonferenz überschrieben.

Zufällig heißt sein neues Buch, das diese Woche erschienen ist, "Macht Politik!". Aber in der Bundespressekonferenz dürfen keine Bücher vorgestellt werden, darf keine Werbung gemacht werben. Darum steht da kein Verlagsprospekt, darum werden keine Bücher verteilt. Darum sitzt die Mitautorin des Buches, die Journalistin Tissy Bruns vom Tagesspiegel, sittsam in den Reihen ihrer Kollegen und nicht auf dem Podium, wie es sich für eine ordentliche Buchvorstellung gehört hätte.

Es wird natürlich doch eine Buchvorstellung. Müntefering spricht am Anfang von kaum etwas anderem. Dass er nach seinem Rücktritt viele Briefe bekommen habe zu seinem Thema, dem Spannungsfeld von Macht und Politik. Dass er deshalb einen Artikel dazu in der Zeit geschrieben habe, der noch mehr Reaktionen auslöste. Dass dann die Idee kam, das Buch zu machen. Weil er Lust machen will auf Partei und Politik. Weil Macht ein Instrument sei, "das die Menschheit braucht" um Gesellschaft zu gestalten. Und weil Macht etwas zu tun habe mit "der berühmten Freiheit des Einzelnen, die ihre Grenzen hat."

Müntefering zitiert an dieser Stelle Hanna Arendt, die gesagt hat: "Politik ist angewandte Liebe zum Leben." Liebe also zum Leben soll es sein, die Müntefering treibt. Auch das hört man selten von Politikern.

Bald ein Jahr ist es also her, dass Müntefering an dieser Stelle seinen vorläufigen Abschied aus den aktiven Politik nahm. Der 13. November 2007 war es, um genau zu sein. Damals sei für ihn nur klar gewesen, er bleibe Bundestagsabgeordneter bis 2009 und werde 2009 der Partei noch in der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen helfen. Keine Idee davon, heute wieder so gut wie Parteichef zu sein.

Was ist mit ihm passiert, in diesem Jahr? Wie hat sich seine Sicht auf Politik verändert?

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