Den Politikern in Madrid galt die Eta als besiegt - doch nun zeigt sie, welche zerstörerische Gewalt sie noch entwickeln könnte.
Bei keinem Thema haben sich die zerstrittenen spanischen Parteien in den vergangenen Wochen so einig gezeigt wie bei der Eta. Wie ein Mantra wiederholten sie die These, die baskische Terror-Organisation sei im 50. Jahr ihrer Existenz im Prinzip erledigt.
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Touristen an einem der Anschlagsorte auf Mallorca (© Foto: AP)
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Und sah es nicht ganz so aus? Innerhalb von zwölf Monaten waren vier Eta-"Militärchefs" verhaftet worden. Die Kooperation mit Frankreich, dem früheren Rückzugsgebiet der Terroristen, funktioniert wie nie. 750 Eta-Leute sitzen in Haft. Unter ihnen wächst die Zahl derer, die der Gewalt abschwören. Doch der Hydra wachsen neue Köpfe.
Den Anschlag von vor zehn Tagen auf Mallorca, bei dem zwei junge Polizisten starben, konnten die Politiker in Madrid gerade noch zurechtinterpretieren: Es handele sich um eine zwar machtvolle, aber doch letzte Zuckung der Separatisten.
Dass die Eta nun trotz eines gewaltigen Sicherheitsaufgebotes innerhalb von zehn Tagen erneut Bomben legen konnte, und zwar gleich drei, ist der Beweis, dass diese These voreilig war. "Es gibt offenbar ein Eta-Kommando auf Mallorca" - dieses Fazit des leitenden Staatsanwalts Bartomeu Barceló macht alle Hoffnung auf ein Ende des Terrors zunichte.
Ein Stich ins Herz des spanischen Sicherheitsapparates
Ein Eta-Kommando auf Mallorca, das heißt: Der Feind ist stark genug, sich da zu formieren, wo es am meisten weh tut. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Spaniens. Mallorca ist eine Insel und sollte von der Polizei eigentlich leicht kontrolliert werden können. Trotzdem gelingt es diesem Kommando, Bomben in Restaurants und einem Einkaufszentrum zu legen. Das ist ein Stich ins Herz des spanischen Sicherheitsapparates.
Von der geringen Sprengkraft sollte man sich nicht täuschen lassen. Nächstes Mal könnte es auch stärkerer Sprengstoff sein. Die Bomben ausgerechnet in Damentoiletten zu deponieren, wirkt nebenbei wie ein besonders makabrer Spott im Macholand Spanien. Dass die Eta diesmal - anders als beim Anschlag vor zehn Tagen auf die Guardia Civil - vorher eine Warnung absetzte, ist Teil ihrer perfiden Strategie.
Den ausländischen Touristen soll klargemacht werden, dass sie nicht gemeint sind, sich aber trotzdem im Fadenkreuz der Eta befinden. Bei früheren Anschlägen machten die Terroristen keine Unterschiede zwischen ihren Opfern. 1987 sprengten sie in Barcelona einen Supermarkt in die Luft, auch später töteten sie Alte, Kinder, Einwanderer, mehr als 800 Menschen insgesamt.
Am Ziel hat sich nichts geändert
Das Ziel bleibt stets gleich: den spanischen Staat zu Verhandlungen über eine Unabhängigkeit des Baskenlandes zu zwingen. Dort aber stößt der Terror auf genauso breite Ablehnung wie überall in Spanien. Der politische Rückhalt für die Eta ist stark geschrumpft, was allerdings auch daran lag, dass die Justiz Eta-nahe Parteien konsequent verboten hat.
Doch der Wille zur Selbstbestimmung im Baskenland ist geblieben, trotz Wohlstands und weitreichender Autonomie. Ohne über dieses Thema zu sprechen, wird der Konflikt kaum gelöst werden können. Jedes neue Attentat der Eta rückt einen solchen Dialog jedoch in weitere Ferne.
Kürzlich veröffentlichte die Zeitung El País eine Umfrage, wonach immer noch 15 Prozent der baskischen Jugendlichen Gewalt billigen, sei es aus irrer Abenteuerlust oder weil sie der Blut- und Boden-Ideologie der radikalen Nationalisten anhängen. Das ist Etas Nährboden.
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(SZ vom 10.08.2009/af)
Protest gegen dritte Startbahn
Was wuerde passieren,wenn Spanien das Baskenland sich selbst ueberlassen wuerde? Es kaehme zu einem Buergerkrieg in dieser Region. Denn als naechstes wollen sie ja auch das Franzoesische Baskenland haben,das gebe aber Aerger mit den kleinen Paesidenten in Paris. Wenn niemand diese Oase der Freiheit in Richtung Spanien oder Frankreich verlassen koennte haetten sie nichts mehr zu tun als taeglich fuer das Baskenland zu demonstrieren. Arbeit und Wohlstand waehre verschwunden,denn Unabhaengig hiesse fuer die ETA sich nur auf das Baskenland zu besinnen,es sind die selben armen Geister wie die Islamisten,sie wissen nicht was sie tun. Nur in manchen Elternhaeusern scheint die Zeit stehen geblieben zu sein und ihre Kinder werden die Opfer fur den verblendeten Fanatismuss.
Ehrlich gesagt neige ich auch dazu, ausnahmsweise mal der Politik die Schuld an der jüngsten Attentat-Serie von Burgos/Mallorca zu geben.
Klar, man hat runde 150 Etarra dingfest gemacht in den letzten Wochen und Monaten. Und davon zahlreiche der hohen Köpfe.
Sich dann aber hinzustellen und zu behaupten, der Kampf wäre gewonnen, weil die ETA nun nicht mehr operativ ist... tja, ich kann's fast nachvollziehen, dass dies die Reaktion "Euch zeigen wir wie wenig operativ wir sind" nach sich zieht.
Der Kampf ist ganz und gar nicht gewonnen. Und ich denke, er wird auch in 100 Jahren nicht gewonnen sein. Offensichtlich schert es die ETA nicht, dass die überwiegende Mehrheit der baskischen Bevölkerung gegen den bewaffneten Kampf, ja sogar gegen die Unabhängigkeit ist. Solange aber immer noch 15% (laut einer Umfrage der Zeitung El Pais) der baskischen Jugendlichen den bewaffneten Kampf für den richtigen Weg halten und solange ich immer noch Schmierereien à la "ETA" und "Baskenland den Basken" (frei übersetzt) an den hiesigen Häuserwänden finde, wird es ETA-Nachwuchs geben.
Ich kann mich nicht entscheiden, wer mich wütender macht: die ETA selbst oder eben diese Jugendlichen und Ihre Eltern!
Wir sollten doch bitte nicht vergessen, dass Meinungsmacher in Spanien und bei uns seit einiger Zeit die These vertreten haben, die ETA sei derart geschwächt, dass von ihr keine Gefahr mehr ausgehe. Natürlich ist es schmerzhaft, wenn unter den Augen der Ordnungsorgane neue Terror-Angriffe durchgeführt werden.
Hauptsache, Sie sind so schlau...
Das war schon wirklich die ETA, davon kann man ausgehen. Die haben vorab bei der Gara, baskische Zeitung, angerufen, wo sie immer anrufen, wenn es Opfer jenseits von Polizei, Politik oder span. Administration gäbe.
Und es passt absolut alles zu dem, was wir hier im Baskenland seit 30 Jahren kennen.
Wenn es Trittbrettfahrer waren, dann schon sehr gute. Aber warum? Wo wären die Motive?
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