Die Pendlerpauschale gehört auf Dauer abgeschafft. Denn sie setzt in Zeiten eines drohenden Klimakollapses völlig falsche Anreize.
Es gibt neben dem Wunder von Bern wohl kein Erlebnis, das den Wiederaufstieg Deutschlands aus den Trümmern der Nazi-Herrschaft so sehr symbolisiert wie der Siegeszug des Autos quer durch alle Bevölkerungsschichten. Der Kauf eines VW-Käfers gab den Bürgern das Gefühl, dass ein geächtetes Volk zumindest wirtschaftlich wieder Anschluss an die zivilisierte Welt gefunden hatte. Vielleicht ist nur so das beinahe libidinöse Verhältnis der (männlichen) Deutschen zum Kraftfahrzeug zu erklären, das bis heute an jedem Samstag in den Hauseinfahrten und den Wasch-Center der großen Tankstellen zu bewundern ist.
Falsche Anreize im Zeichen des drohenden Klimakollaps: Der Staat muss sich andere Instrumente zur Erfüllung des Nettoprinzips überlegen. (© Foto: ddp)
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Die Liebe zum Pkw geht so weit, dass sie sogar die zugehörige Steuersubvention einschließt. Wenn in Deutschland die Kontodaten von Millionen Bankkunden an Kriminelle verhökert werden, wenn sich im Osten der Republik Rechtsextremisten zu Herren ganzer Landstriche aufschwingen, wenn der Innenminister zur Terrorabwehr die Bürgerrechte einschränkt, dauert die öffentliche Aufregung nur wenige Tage. Wird aber die Pendlerpauschale abgeschafft, steht die Republik am Rande der Staatskrise.
Alle, die den Anspruch auf Kilometergeld für eine Art Grundrecht halten, werden sich durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von diesem Dienstag bestätigt sehen. Das zeigt etwa das Triumphgeheul der CSU, die tatsächlich immer noch zu glauben scheint, sie habe die Landtagswahl verloren, weil die CDU sie im Kampf um die Rückkehr zur alten Pendlerpauschale im Regen stehen ließ.
Was im Jubel unterging, waren wie so oft die Argumente der Richter. Sie urteilten nämlich gerade nicht, dass der Gesetzgeber die alte Regelung wieder einführen muss. Sie urteilten auch nicht, dass die steuerliche Absetzbarkeit von Fahrtkosten sakrosankt wäre.
Sie urteilten lediglich, dass die Politik gute Gründe haben muss, wenn sie an einer Grundregel des deutschen Steuerrechts herumdoktern will, dem so genannten Nettoprinzip. Bessere Gründe jedenfalls als den schlichten Wunsch nach höheren Staatseinnahmen, den Finanzminister Peer Steinbrück in Karlsruhe vortrug.
Das Nettoprinzip besagt, dass der Fiskus vor der Besteuerung eines Einkommens die Aufwendungen abziehen muss, ohne die der Bürger eben jenes Einkommen nicht hätte erzielen können. In welchem Umfang dazu auch die Fahrtkosten zählen, ist aber weiter offen, denn die Karlsruher Richter teilen ausdrücklich Steinbrücks Haltung, dass es sich bei diesen Kosten um "gemischt veranlasste", also beruflich wie privat bedingte Aufwendungen handelt. Damit bleibt der Politik ein großer Handlungsspielraum.
Jeder Mensch in Deutschland hat das Recht, selbst zu entscheiden, wo er wohnen möchte. Der eine zieht in die Stadt, weil dort das kulturelle Angebot größer ist oder die Schulen besser sind. Der andere zieht aufs Land, weil er die Natur liebt und die Verwandten dort wohnen. Das Gros der Beweggründe ist in jedem Fall privater Natur.
Warum nun soll der Staat den Landbewohner, der zur Arbeit in die Stadt fährt, steuerlich subventionieren, seinen Arbeitskollegen aber nicht? Müsste dann nicht auch der Stadtbewohner seine höheren Mietkosten von der Steuer absetzen können, die er auf sich nimmt, um sich die Dauerpendelei zu ersparen? Und was ist mit dem Arbeitnehmer, der mit Anzug und Krawatte im Büro erscheinen muss? Auch er blitzt beim Finanzamt ab, selbst wenn er nachweist, dass er in seiner Freizeit nur Jogginganzüge trägt.
Die Pendlerpauschale ist aber nicht nur unlogisch, sie setzt in einer Zeit, da der Verkehrs- und der Klimakollaps immer näherrücken, auch die falschen Anreize. Und gerade hier hat das Verfassungsgericht der Politik eine Tür geöffnet: Es verweist darauf, dass Abweichungen vom Nettoprinzip möglich sind, wenn damit "Förderungs- und Lenkungsziele" verbunden sind - zum Nutzen von Klima, Umwelt und Natur zum Beispiel.
Statt also die Pendlerpauschale in Ewigkeit bestehen zu lassen und darüber hinaus eine Mietkosten- und eine Krawattenpauschale einzuführen, sollte der Staat alle beruflich und gemischt veranlassten Aufwendungen zu einer einzigen Pauschale zusammenfassen. Er könnte zum Beispiel den Arbeitnehmerpauschbetrag von derzeit 920 auf etwa 2000 Euro pro Jahr erhöhen. Dann wären drei Ziele auf einmal erreicht: Der falsche Anreiz wäre beseitigt, das Steuerrecht würde vereinfacht, und das Prinzip 'Wer arbeitet, muss mehr haben als der, der nicht arbeitet', würde gestärkt.
Vorerst hat eine solche Reform keine Chance, denn das Karlsruher Urteil kommt selbst dem Prozessverlierer Steinbrück zupass. Er führt die alte Pendlerpauschale bis auf weiteres wieder ein, verzichtet großherzig auf jährliche Einnahmen von 2,5 Milliarden Euro - und wird beim nächsten Treffen der Koalitionsspitzen argumentieren, dass er seinen Beitrag für ein zweites Konjunkturpaket der Regierung damit geleistet habe.
Zumindest die CDU aber wird nach der Bundestagswahl im nächsten Jahr unter Zugzwang geraten. Meint sie ihr steuerpolitisches Motto "einfach, niedrig, gerecht" ernst, wird sie die Strukturen des Steuersystems ändern müssen. Und dann auch an einer grundlegenden Änderung der Pendlerpauschale nicht vorbeikommen.
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Wie schon gesagt - nicht alle fahren mit dem Auto, sondern quetschen sich morgens und abends in eine überfüllte S-Bahn, eine Stunde stehend und hinundher schaukelnd, in der die Einkaufstüten nicht bequem im Kofferraum sondern zwischen den Beinen auf dem dreckigen Boden transportiert werden und über Treppen und lange Gänge geschleppt werden müssen (weil Rolltreppen und Lifte, wenn überhaupt vorhanden immer wieder defekt sind!) - abgesehen von (ich habs mal ausgerechnet) vertaner Lebenszeit von ca. 4 Wochen (!!!) im Jahr durch Wartezeiten auf verspätete oder ausgefallene Züge und Busse.
Ich wollte gerne in der Nähe meiner Wohnung arbeiten, aber da gibts keine freien Stellen.
Und die Pendlerpauschale ist keine Subvention, sondern mein sauer verdientes Geld wird nicht ganz so hoch besteuert.
Was kriegen eigentlich die Unternehmen an Subventionen dafür, daß sie sich für ein paar Monate irgendwo im schlecht strukturierten Umland niederlassen, um dann gaaanz schnell in die Insolvenz zu gehen? (Siehe Müller-Milch!!!!)
nein, ich ärgere mich jetzt nicht mehr - ich muss nämlich los zur S-Bahn - die nur alle 20 - 40 Minuten fährt und ich freu mich schon wieder aufs Schwitzen, wenn ich im Mantel in diesem überhitzten Wagen eine Stunde stehen darf... ach ja, das hab ich ja schon erwähnt!
In den letzten 4 Jahren beim gleichen Arbeitgeber musste ich dreimal mit meinem Arbeitsplatz umziehen (zwischen Stadtzentrum und Pasing gings hin und her); meine Wohnung liegt 25 km außerhalb Münchens - ein Auto besitze ich nicht - fahre ÖNV - wobei gesagt werden muß, daß an Sonn- und Feiertagen kein Bus fährt bzw. durch Einschränkung des S-Bahn-Verkehrs zum Teil nur Schienenersatzverkehr (Bus) und dann eine Viertelstunde zu Fuß gehen angesagt ist! Im Sommer fahr ich bei schönem Wetter ja gerne mit dem Rad zum S-Bahnhof; aber im Winter? Zudem bin ich gehbehindert! (Nein, nein, keine Angst - Grade der Behinderung kann ich nicht bei der Steuer geltend machen!).
Und meine Miete auf dem Land ist mittlerweile genauso hoch, wie eine entsprechende Stadtwohnung.
Und wie schon hier gesagt wurde: Wenn wir alle in die Stadt ziehen, was ist dann???
So, und nu? Welchen Vorteil habe ich dadurch, daß ich auf dem Land wohne? Die frische Luft??? Na, dann besuchen Sie mich mal, wenn die Jauche-Verteil-Saison wieder beginnt!!!!
dann kommt so etwas wie der Hülverschmidt´sche kommentar zustande.
Nun ist es aber mal (leider!) so, daß nicht nur die Leute aus der Stadt wegziehen um im Grünen zu wohnen - empörungürdigerweise - weil das natürlich die Umwelt schädigt, sondern daß es auch eine Menge Leute gibt, die schon weitab im Grünen - sagen wir es ohne Umschreibung - in der Provinz weitab von allen ökonomischen Aktivitäten wohnen und nicht von der Arbeit weg, sondern zur Arbeit hin gebracht werden müssen. Was ist da "Privatvergnügen", weiterhin in der Provinz wohnen zu müssen, weil eine Wohnung für die Familie über Euro 1.500.- kostet?
Die Kritik an der Kilometer-pauschale verkennt, daß sowohl der Produktionsfaktor Kapüital wie auch der Produktionsfaktor Arbeit nicht gleichmäßig im Raum verteilt sind und eine Überwindung der Distanzen durch die Notwendigkeit einer bezalbaren und Wohnung sehr wohl subventionswürdig und -bedürftig im Sinne der Gewährung einer Pendlerpauschale ist. Eine Volkswirtschaft, durch die der Produktionsfaktor Arbeit zur Immobilität verdammt wird, ist nicht mehr leistungsfähig. Konsequent zu Ende gedacht:
das Maximum an Umweltschonung führt zum Volkseinkoommen von Null.
Mit wieviel Steuermitteln wird jedes Stadttheater, ganz zu schweigen von den Münchner Kulturtempeln gefördert. Mit wie viel Geld subventioniert der Staat jede einzelne Theater-, Opern- oder Konzertkarte, um sie erschwinglich zu machen. Wer als Landbewohner das Kulturangebot der Stadt nutzen will, muss eine weite Anreise in Kauf nehmen und nachts auf schlecht ausgebauten Straßen nach Hause fahren. Besonders gut ist der Vorschlag, sein Haus zu verkaufen und zum Arbeitsplatz zu ziehen. Dort kann man sich eine Wohnung mieten oder ein Haus kaufen, dass bei einem Umzug soziale Bindungen verloren gehen und Kinder den Kindergarten oder die Schule wechseln müssen, ist für den Autor ohne Belang. Da vom Arbeitnehmer Flexibilität verlangt wird, wird ihm das öfter passieren. Ein Zeitungsfritze kann sich mit seinem Laptop irgendwo hinsetzen und seine praxisfernen Weisheiten verkünden. Das geht beim Arbeiter in einer Fabrik nicht. Außerdem liegt der in einer anderen Gehaltsklasse als der Autor.
Ja, die Pendlerpauschale geht auf Kosten der Umwelt. Sie sollte komplett abgeschaft werden. Ich bekomme in der Stadt ja auch keinen Mietzuschuss, nur weil ich gerne ein gutes KInoprogramm und schöne Biergärten vor der Tür habe.
Das Frau Merkel in diesem Kontext von einem Konjunkturprogramm spricht, zeigt ihre ganze klimapolitische Unglaubwürdigkeit. Die Frau ist wie eine Fahne im Wind. Schade um die Umwelt, solche politisch Verantwortlichen zu haben. Die Autolobby ist in diesem Land fast schon irrational mächtig. Mehr Flächenverbauch, mehr Zersiedlung der Landschaft, mehr Verkehrslärm, mehr C02, CDU/CSU und SPD sei Dank. Es lebe der Sand, den man den Menschen in die Augen streut, damit sie sie wählen. Und es funktioniert.
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