Die Parteien nach der Landtagswahl in Niedersachsen Alles gewonnen und alles verloren

Das Wahl-Drama endete erst in der Nacht, jetzt ist sicher: Die CDU ist in Niedersachsen zwar wieder stärkste Kraft, muss aber trotzdem in die Opposition. Rot-Grün erringt den Sieg - mit nur einem Sitz Mehrheit. Was das Ergebnis für die Parteien und ihre führenden Köpfe bedeutet.

Eine Analyse von Thorsten Denkler, Berlin

Irrer Jubel unter den Liberalen, verhaltene Freude in der CDU. So gingen manche der schwarz-gelben Koalitionäre aus Niedersachsen ins Bett. Aufgewacht sind sie in der Opposition. So hart kann Politik sein. Der große Test vor der Bundestagswahl im Herbst und seine Folgen für die Parteien in der Analyse.

  • CDU - stärkste Kraft, trotzdem in der Opposition

Stärkste Kraft, aber mal wieder herbe Verluste - und am Ende alles verloren: Nicht nur bei der Niedersachsen-Wahl, auch bei den Landtagswahlen zuvor zeigt sich bei den Christdemokraten das gleiche Bild. Die CDU ist weder in den Städten noch auf dem Land in der Lage, klare Wahlsiege davonzutragen. Erstaunlich dabei ist vor allem, dass Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel und mit ihr die Bundes-CDU davon nicht betroffen sind. Die Kanzlerin gewinnt in Umfragen ständig hinzu, liegt stabil bei mehr als 40 Prozent. Ein Phänomen.

Der Verlust von 6,5 Prozentpunkten in Niedersachsen muss ihr kein Kopfzerbrechen machen. Sie hat schon andere Wahlniederlagen ihrer Landesverbände verkraftet. Mehr Sorge muss ihr machen, dass jetzt sehr wahrscheinlich Rot-Grün über eine eigene Mehrheit in Bundesrat und Vermittlungsausschuss verfügt. Damit können Merkels politische Gegner von nun an jedes Projekt zu Fall bringen, das Schwarz-Gelb bis zur Wahl noch in Angriff hätte nehmen wollen.

Diese Ohnmacht könnte auch manche Wähler abschrecken. Mit David McAllister verliert die CDU zudem den nächsten sogenannten Hoffnungsträger in der Partei. Manche sahen in ihm schon einen potenziellen Nachfolger von Angela Merkel. Damit dürfte es jetzt vorerst auch vorbei sein.