Kanzlerin Angela Merkel amerikanisiert ihren Wahlkampf und führt die CDU ganz anders als Helmut Kohl, ihr Vorvorgänger und politischer Lehrmeister.
Die Bundeskanzlerin steht nicht am Pult, sie sitzt bei den Leuten. Während Kanzleramtschef Thomas de Maizière die Besucher mit ein paar launigen Worten begrüßt, hat Angela Merkel sich mitten hinein platziert zwischen ihre gut einhundert Gäste. Sozialarbeiter aus ganz Deutschland sind ins Kanzleramt gekommen, es ist ein entspannter Nachmittag im Frühjahr dieses Superwahljahres, die Regierungschefin möchte mit den Sozialarbeitern über ihre Arbeit, Nöte, Bedürfnisse sprechen.
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Angela Merkels Führungsstil unterscheidet sich immer mehr von dem ihres politischen Ziehvaters Helmut Kohl. (© Foto: dpa (Archiv))
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Zur Einleitung der anderthalb Stunden erzählt Merkel, dass sie in unmittelbarer Nachbarschaft eines Behindertenheims aufgewachsen sei, dass Schulfreunde deshalb manchmal Scheu gehabt hätten, sie zu besuchen. Merkel will signalisieren, dass sie die Arbeit ihrer Besucher ein bisschen kennt und sich dennoch kein abschließendes Urteil erlauben wird. Merkel, die Volkskanzlerin, nahbar, aufgeschlossen und manchmal sogar frech.
Als ihre Gäste davon sprechen, bei schweren Krisen in Familien auch mal Mitarbeiter des Jugendamtes loszuschicken, zeigt sie Sympathie, fügt aber an, dass die Privatsphäre geschützt bleiben müsse - "nicht dass es wieder heißt, die Frau aus dem Osten will überall erstmal die Türen aufreißen". Merkel schmunzelt, und die Leute lachen. Zum Abschied gibt es Beifall. Die Kanzlerin hat viel genickt, aber nicht viel versprochen. Trotzdem sind die Gäste zufrieden. Merkel sei da, höre zu, kümmere sich, lautet das Urteil.
Auftritte wie diese sind es, die Merkel in diesen Wochen vor allem absolviert. In der Regel steht bei den Auftritten kaum irgendwo CDU drauf, dafür aber überall Angela Merkel. Der Bundestagswahlkampf fängt erst an, und vermutlich würden sie es in Merkels Bundespresseamt ablehnen, derlei als Wahlkampfauftritte zu verbuchen. Trotzdem sind sie das. Sie entsprechen exakt dem, was die CDU-Vorsitzende anstrebt für die Zeit bis zum Wahltag Ende September.
Internet-Wahlkampf, in Häppchen und leicht verdaubar
Merkel präsentiert sich selbst, und das auf so vielen Kanälen wie möglich. Sie zeigt sich in allen Fernseh-Talk-Shows; sie trifft sich wie jüngst in Stuttgart mit achtzig Frauen, die für sie kämpfen möchten; sie speist im dortigen Edelrestaurant "Speisemeisterei" mit Unternehmerfreunden, die sie unterstützen könnten. Sie trifft Schüler, Einwanderer, Milchbäuerinnen. Und sie hat bei all dem eine so umfangreiche Internetbegleitung, dass ihre Auftritte inzwischen jederzeit abrufbar sind auf der Website der Bundesregierung. Merkels Visitenkarte besteht in diesem Wahlkampf aus gut sortierten Fernseh-Ausschnitten, im Internet anklickbar, in kurze Häppchen geteilt und leicht verdaubar.
Damit nähert sich der Wahlkampf der Kanzlerin immer stärker dem eines US-Präsidenten. Der mitschwingende Schlachtruf lautet: Wir sind für Merkel. Die Partei ist mit dabei, aber steht längst nicht mehr im Zentrum. Stolz verweist ihre Wahlkampfmannschaft auf eine Internetgefolgschaft von mehr als 40 000 Unterstützern, die nicht unbedingt der CDU angehören, aber Merkel für die Zeit des Wahlkampfs Hilfe versprechen. So steuert die CDU auf die Umkehrung alter Zeiten zu. Merkel kämpft um die Mitte der Gesellschaft, Helmut Kohl kämpfte stets um die Mitte seiner Partei, er interessierte sich für das Bauchgefühl der Christdemokraten. Merkel will das nicht ignorieren, aber sich nicht an ihm ausrichten.
Bis heute ist Merkel Kanzlerin ohne Mandat
Das hat mehrere Ursachen. Merkel ist längst zum wichtigsten Zugpferd der Union für den Wahlkampf geworden. Die Kanzlerin der Mitte, die Politikerin des Ausgleichs, die Parteivorsitzende mit den guten persönlichen Umfragewerten, an ihr soll alles ausgerichtet werden. Außerdem ist diese Wahl für Merkel die wichtigste ihrer Karriere. "Sie ist bis heute eine Kanzlerin ohne eigenes Mandat durch den Wähler", sagt einer ihrer Vertrauten mit Blick auf das knappe Wahlergebnis vor dreieinhalb Jahren.
"Sie will und muss beweisen, dass sie gewinnen kann für die Christdemokraten", sagt ein Zweiter aus ihrer unmittelbaren Umgebung. Erst wenn ihr das gelinge, könne sie sich als Siegerin fühlen. Deshalb will allein sie entscheiden, niemand soll ihr reinpfuschen.
Und dann ist da auch noch das Geld. Die CDU muss heute mit dem gleichen Budget auskommen wie vor zehn Jahren. Sie muss bei Preissteigerungen von bis zu 40 Prozent im vergangenen Jahrzehnt eine massive Beschneidung ihrer Möglichkeiten verkraften. In Helmut Kohls Parteizentrale arbeiteten einst zweihundert Menschen, unter Merkel sind es noch etwas mehr als die Hälfte. Die Frage, wie viel Merkel und wie viel CDU gemacht wird, stellt sich deshalb noch schärfer. Fernsehauftritte kosten kaum Geld, Parteiauftritte auf Marktplätzen oder Hallen dagegen sind teuer. Auch deshalb setzt Merkel auf Präsenz in den Medien. Das kann sie am besten mit viel Kanzleramt und wenig Parteizentrale erreichen.
Dabei wird deutlich, wie fundamental sich Angela Merkels Weg von dem Helmut Kohls unterscheidet. Für Merkel ist die CDU ein wichtiger Hilfsmotor im Wahlkampf, für Kohl war und ist die CDU sein Leben gewesen. Wo Merkel sich um die Menschen auch jenseits der CDU kümmert, hat Kohl davon gelebt, seine Partei zu pflegen. Während Merkel mit einer liberalen, pragmatischen Politik die Mitte der Gesellschaft für sich gewinnen möchte, kümmerte sich Kohl um die Mitte der CDU. Sein Augenmerk galt in erster Linie jener mittleren Funktionärsschicht in Kreis- und Ortsverbänden, die gemeinhin das Bauchgefühl einer Partei prägen.
Lesen sie auf der nächsten Seite, wie Helmut Kohl seine Entscheidungen in der Partei durchdrückte.
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Protest gegen dritte Startbahn
Was für ein Zeitgenosse ist Stefan Braun?
Auf alle fälle hat er das Parteibuch der CDU oder CSU denn soviel Beweihräucherung der Kanzlerin schlägt dem Fass den Boden aus.
Eins muss man der Kanzlerin lassen sie ist knallhart und serviert alle Gegner, die ihr gefährlich werden könnten ab.
Kein Wunder sie war ja als FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda übersetzt heißt das (politische Hetze;intensive politische Aufklärung)
März und Guttenberg waren zu schwach aber ich Glaube für die beiden Männer kommt noch der Tag, um ihre Ehre wieder her zu stellen.
Neue gute Männer braucht das Land!
Bis jetzt dachte ich immer das die "Bild" das persönliche Sprachrohr der Frau Beliebigkeitskanzlerin sei.
Aber Ihre Anbiederung übertrifft mit diesem unsäglichen Artikel dies bei weitem.
.... steht über diesem Artikel eigentlich nicht "sponsored by Merkel"?
Wann regiert hier endlich wieder Helmut,
Ein Helmut wie's ihn früher einmal gab,
Wir lachten und wir hatten keine Sorgen,
Die Linke war im Osten gut verstaut.
*sing*