Die Linke Linken-Geschäftsführer Höhn tritt zurück

Spekulationen über einen Rückzug von Matthias Höhn, Geschäftsführer der Linken gab es bereits seit Wochen.

(Foto: dpa)
  • Linken-Geschäftsführer Matthias Höhn tritt zurück. Am Freitag will er seinen Schritt offiziell verkünden.
  • Angeblicher Grund: Differenzen mit den Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger.
  • Erste Berichte über seinen Rückzug gab es bereits seit einem Monat.

Vor dem Hintergrund erheblicher Streitigkeiten bei den Linken tritt Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn zurück. Ein zentraler Grund für Höhns Schritt sollen Differenzen mit den Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger sein.

Wie aus Parteikreisen verlautete, will Höhn seinen Rücktritt an diesem Freitag erklären. Sein Posten soll bis zur Neuwahl auf einem im kommenden Juni geplanten Parteitag geschäftsführend besetzt werden. Höhn war auch Wahlkampfleiter der Linken. Zunächst hatten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) und die "Mitteldeutsche Zeitung" vom bevorstehenden Rücktritt Höhns berichtet. Bereits vor einem Monat hatte es erste Berichte darüber gegeben, dass der Parteimanager vor dem Rückzug stehe.

Wagenknecht bietet SPD Zusammenarbeit an

Die Linken-Fraktionschefin kann sich unter anderem einen gemeinsamen Vorstoß der beiden Oppositionsparteien beim Mindestlohn vorstellen. mehr ...

Riexinger und Kipping sollen Höhn dafür kritisiert haben, dass er die Fokussierung auf die Spitzenkandidaten Sahra Wagenknecht und Bartsch im Wahlkampf unterstützt habe. Zudem sollen sie sich laut Medienberichten daran gestört haben, dass er sie zu wenig gegen Kritik von Ex-Parteichef Oskar Lafontaine, Wagenknechts Ehemann, in Schutz genommen habe.

Hinter der Personalie Höhn steckt somit auch der Machtkampf zwischen den Parteichefs sowie Wagenknecht und Bartsch, der mit der Wiederwahl beider an die Fraktionsspitze am 17. Oktober offiziell beigelegt wurde. Auch danach ging der Streit allerdings weiter. Höhn wolle zwischen beiden Seiten nicht zerrieben werden, so die "Mitteldeutsche Zeitung".

Der 42-Jährige zählt zum Reformerlager der Linken und hat seine Posten seit 2012 inne. Seit der Bundestagswahl ist er auch Mitglied im Parlament. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte: "Ich bedauere seinen Rücktritt, und ich wünsche mir, dass er ein sehr aktives Mitglied meiner Fraktion werden wird."

Die Linke wies den RND-Bericht zurück, dass Kipping und Riexinger Höhn zum Rücktritt gedrängt hätten: "Die Parteivorsitzenden haben Matthias Höhn ausdrücklich gebeten, weiter mit ihnen zusammenzuarbeiten." Der Hamburger Linken-Politiker Jan van Aken wies auf Twitter zurück, dass er Höhns Amt kommissarisch übernehme. Laut "Mitteldeutscher Zeitung" ist auch Linken-Schatzmeister Thomas Nord dafür im Gespräch, aber nicht bereit. Im Gespräch ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch Axel Troost, der zu den Parteivizechefs zählt und sich somit in Höhns Aufgabenfeld auskennt.

Der Vizepräsident des Landtags von Sachsen-Anhalt, Wulf Gallert (Linke), sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", der Rücktritt solle ein Appell an die handelnden Personen sein, die Art und Weise der Auseinandersetzung zu überdenken. Der Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner sagte der "Berliner Zeitung": "Das ist einherber Verlust an Sinn und Verstand für die Linkspartei."

"Führung durch Erpressung"

Die Linke trägt statt inhaltlicher Diskussionen einen offenen Machtkampf aus. Am Ende setzen sich die Fraktions- gegen die Parteichefs durch. Allerdings zu einem hohen Preis. Von Sebastian Jannasch mehr...