Unmittelbar vor ihrem Auftritt in der Bundespressekonferenz haben SPD-Politiker an die Kanzlerin appelliert, schneller und beherzter einzugreifen, "wenn Minister aus CDU oder CSU wieder wilde Debatten anzetteln". Unter die kritischen Äußerungen mischte sich allerdings auch Lob für ihre bisherige Arbeit.

Unmittelbar vor dem mit Spannung erwarteten Auftritt von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Bundespressekonferenz haben SPD-Politiker die Regierungschefin und CDU-Vorsitzende zu einer strafferen Führung aufgefordert.

Bild vergrößern

Die Bilanz von Kanzlerin Angela Merkel zur Regierungsarbeit wird mit Spannung erwartet. (© Foto: dpa)

Anzeige

Merkel müsse in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode "ihre Partei klarer als bislang führen und sich selbst positionieren", sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil der Welt. "Künftig muss Frau Merkel schneller und beherzter eingreifen, wenn Minister aus CDU oder CSU wieder wilde Debatten anzetteln. Die CDU-Vorsitzende muss ihre Partei im Griff haben. Moderation reicht nicht, wo Parteiführung gefragt ist."

In Bezug auf die Debatte um die sicherheitspolitischen Äußerungen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte Heil: "Da hätte ich mir gewünscht, dass nicht der Bundespräsident gezwungen gewesen wäre, deutliche Worte zu finden, um Herrn Schäuble wieder einzufangen. Das wäre Aufgabe der Bundeskanzlerin gewesen."

Merkel agiere "geschickt", sagte Heil. "Sie hat fast alle roten Teppiche dieser Welt gesehen. Jetzt muss sie sich intensiv um die Innenpolitik kümmern." Die Sozialdemokraten hätten ein "Interesse am Erfolg dieser Koalition. Dafür arbeiten die SPD-Minister sehr hart." Die SPD sei "vertragstreu, das muss für die Union auch gelten".

Der Sprecher des konservativen "Seeheimer Kreises" in der SPD, Johannes Kahrs, sagte der Passauer Neuen Presse: "Es wäre schön, wenn sie sich jetzt auch einmal wieder um die innenpolitischen Probleme kümmern würde." Merkel solle "klare Linien" für die Zeit bis zur nächsten Bundestagswahl aufzeigen.

Der Parteienforscher Karl-Rudolf Korte sagte im ZDF-Morgenmagazin: "Angela Merkel hat großen Erfolg gehabt auf dem internationalen Parkett. Da hat sie sich fast schon Heldenglanz erworben." Innenpolitisch falle ihre Bilanz jedoch "viel unbestimmter" aus.

Zwar habe Merkel 70 Prozent dessen, was sie sich vorgenommen habe, bereits abgearbeitet. Vieles davon sei aber nur Stückwerk. "Es fehlt der Kompass", sagte Korte. Das gereizte Klima in der großen Koalition werde sich vor den Landtagswahlen im kommenden Jahr noch verstärken.

Inmitten der parlamentarischen Sommerpause zieht Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch Bilanz ihrer Regierungsarbeit und gibt einen Ausblick auf die zweite Hälfte der Legislaturperiode. Im Mittelpunkt steht voraussichtlich der Koalitionsstreit über die Terrorabwehrpläne von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble.

Für den Herbst hat sich die Koalition vorgenommen, die Beteiligung von Arbeitnehmern an ihren Unternehmen zu fördern sowie die Erbschaftsteuerreform, die zweite Stufe der Föderalismusreform und den nationalen Energieplan auf den Weg zu bringen. Eine Kabinettsklausur in der parlamentarischen Sommerpause ist für den 23./24. August auf Schloss Meseberg geplant.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(dpa/AFP/AP)