Jeder Dollar zählt: Wie der demokratische Präsidentschaftskandidat nach dem Facebook-Prinzip das Spendensammeln revolutioniert hat.
Mark Penn, Hillary Clintons ehemaliger Chefstratege, hat sich in seiner schillernden Laufbahn nie mit der Fähigkeit zur Selbstkritik hervorgetan. Und doch war er es, der jüngst in einem Beitrag für die New York Times darauf hinwies, dass Barack Obamas Triumph über Clinton in den Vorwahlen der Demokraten nicht allein durch dessen Charisma, rhetorisches Talent und inspirierende Botschaft erklärt werden könne. An diesen Dingen, schrieb Penn, sei Clinton nicht gescheitert. Gescheitert, gab er zu, sei sie an "Geld und Organisation".
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1,5 Millionen Amerikaner haben bisher für Obama gespendet - ein so großes Netzwerk hatte noch kein Kandidat. (© Foto: AP)
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Vor eineinhalb Jahren, Anfang 2007, hatte Clinton als nahezu unbesiegbar gegolten. Wer hätte es schon aufnehmen sollen mit ihrer formidablen Wahlkampfmaschine, mit ihrem fast beispiellosen Zugang zu Macht und Geld? Clinton, prophezeiten die Experten, würde schon in den Vorwahlen einen neuen Spendenrekord aufstellen. Und das tat sie auch: Mit mehr als 220 Millionen Dollar in der Kasse pulverisierte sie die alte Bestmarke.
Allein: Obama übertraf selbst diesen Wert bei weitem. 270 Millionen verbuchte er auf seinem Konto, und Clinton blieb nur ein Rekord, um den sie niemand beneiden wird: Mit 20,9 Millionen Dollar sitzt sie auf den höchsten Wahlkampfschulden aller Zeiten. Zur Einordnung: Das sind sechs Millionen mehr als der Gesamtetat, der Ronald Reagan 1980 zum Sieg in den republikanischen Vorwahlen genügte.
Obama hat Clintons formidable Wahlkampfmaschine geschlagen, indem er sich eine noch viel formidablere bastelte. Aber wie funktioniert das System Obama? Und vor allem: Wird es auch die nächste Hürde bewältigen, den Hauptwahlkampf gegen den Republikaner John McCain? Bei McCain muss man anfangen, um die finanzielle und organisatorische Revolution des Barack Obama zu verstehen.
Amerika, sagen die Spötter, habe die beste Demokratie, die man mit Geld kaufen kann. McCain, der eigenwillige Senator aus Arizona, hatte es sich auf die Fahnen geschrieben, die völlig aus den Fugen geratene Wahlkampffinanzierung in den USA zu reformieren. Das 2002 verabschiedete Gesetz, das den Einfluß von Großspendern begrenzen sollte, trägt seinen Namen: McCain-Feingoldt-Act. Eine Einzelperson darf nun einem Kandidaten nur noch 2300 Dollar zukommen lassen. Der Präsidentschaftsaspirant Obama empfand das nicht als Beschränkung. Er hielt das für eine Chance.
Fundraising-Veranstaltungen sehen in Amerika traditionell so aus: Zwanzig Leute zahlen Zehntausende Dollar für einen Dinnerplatz am Tisch des Kandidaten, und zweihundert Leute zahlen Tausende Dollar für die Eintrittskarte zum Cocktailempfang danach. Im Februar hielt Obama keine einzige solche Veranstaltung ab. Dennoch brachte der Monat mit 55 Millionen Dollar Einnahmen den Höchstwert für seine Kampagne. Warum? Weil Obama erkannt hat, dass nicht nur eine kleine Zahl Reicher einen Wahlkampf finanzieren kann. Eine große Zahl relativ Armer tut es auch. Man muss nur ihre Herzen gewinnen - und da zählen natürlich doch wieder Ausstrahlung, Redegabe und Inspiration.
Sagenhafte 1,5 Millionen Menschen gaben Obama bisher Geld, 95 Prozent von ihnen weniger als 200 Dollar. Bei Clinton lagen nur 26 Prozent der Spender unter der 200-Dollar-Marke. Bei McCain waren es 13 Prozent. Obama hat an die Stelle des "big money", auf das Clinton und McCain weiter angewiesen sind, das "small money" gesetzt. Von Lobbyisten, hatte er zu Beginn seiner Kampagne versprochen, werde er keinen Cent nehmen. Er hat Wort gehalten, und er kann es sich leisten. Denn sein "small money" - mal fünf Dollar, mal zehn, mal 50 - summiert sich.
Lesen Sie auf Seite 2: Wie Obama die Hochtechnologie-Elite des Silicon Valley für sich gewann.
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Youtube-Hit aus USA
War es nicht so, dass Obama mit deutlich weniger Geld ins Rennen ging und erst neue Finanzquellen auftun konnte, als er sich vom geliebten Underdog zum geliebten ernsthaften Kandidaten mauserte, als seine "Bewegung" in Schwung kam?
Der Artikel ist eine Farce. Der wahre Meister der online-Selbstvermarktung war der "libertäre" Republikaner Ron Paul; da er weder eine Frau, noch schwarz ist, hat ihm das allerdings nichts, NULL genützt.
Na ja, vielleicht ist er ja auch einfach in die falsche Partei eingetreten
Noch bis vor nicht allzu langer Zeit galt Hillary in der deutschen Presse als "unvermeidlich". Geld spielte sicher eine Rolle, doch schon von Anfang an neigten sich die Vorwahlen Obama zu, weil er eine "Bewegung" in Gang gebracht hatte. Wie aber kommt man mit einer altmodischen Wahlkampagne gegen eine Bewegung an? Frau Clinton hielt sich bis zuletzt an die vor 16 Jahren von ihrem Mann erprobte Methode, ohne dieser neuen Bewegung Rechnung zu tragen.
Man sollte denken, dass McCain das gleiche Problem haben könnte, doch hat er andere Wähler. Obwohl Alter, Bush und Irakkrieg deutlich gegen ihn sprechen, liegt er in den Umfragen erstaunlich hoch, und das letzte Wort ist noch keineswegs gesprochen.