Ein Kommentar von Th. Denkler

Mit Getöse erklären die Konservativen und ihr Generalsekretär Pofalla ihre CDU zur größten Partei Deutschlands. Sie sollten lieber nicht zu laut feiern. Auch die CDU hat noch kein Rezept gegen den Mitgliederschwund.

Männer machen das gerne. Größeres Haus, größeres Auto, größeres Boot. Weil in den Parteien auch größtenteils Männer das Sagen haben, spielen die das Spiel am Arbeitsplatz mit Leidenschaft weiter.

Pofalla, CDU, ddp

CDU-Generalsekretär Pofalla freut sich sichtlich bei der Pressekonferenz in Berlin. (© Foto: ddp)

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In der CDU spielt das Spiel ihr Generalsekretär Ronald Pofalla. Er habe jetzt die größere - Partei. 800 Mitlieder will er mehr haben als die SPD, sagt er. Und lässt offenbar schon mal die Sektkorken knallen. Wenn er ehrlich wäre, würde er eingestehen, dass da der kleinere Verlierer sich zum Sieger über den größeren Verlierer erhebt. Das erinnert an Wahlabende, an denen selbst größte Verluste die Parteienvertreter nicht daran hindern, sich zum Gewinner zu erklären.

Richtig ist: Beide Parteien schrumpfen. Und zwar gewaltig. Die SPD nur etwas schneller und stärker. Die Sozialdemokraten verloren 2007 unterm Strich 20.000 Mitglieder, die CDU 15.000. Eine Entwicklung, die sich seit Jahren fortsetzt. Beruhigend kann das keiner finden.

Pofallas Siegerlächeln sollte eigentlich schnell wieder verschwinden. Zumindest wenn er sich die Ergebnisse seiner jüngsten Mitgliederumfrage anschaut. Trotz einer Frau an der Parteispitze und im Kanzleramt: Die CDU ist nach wie vor eine Männer-Partei. Der Frauen-Anteil liegt bei gerade mal bei 25 Prozent. Hinzu kommt die Überalterung: Von den Mitglieder sind 68 Prozent älter als 50. Davon wiederum sind ein Drittel älter als 70.

Die Zahlen zeigen: Wenn es so weitergeht, werden beide großen Parteien Schwierigkeiten haben, ihren Status der Volkspartei zu erhalten. Mit ihrer Unfähigkeit, genügend neue Mitglieder zu finden, gefährden die Parteien auch die demokratischen Strukturen in diesem Land. Schrumpfende Mitgliederzahlen stellen über kurz oder lang die Parteiendemokratie in Frage.

Schon heute ist die Auswahl derer begrenzt, die in den Parteien Verantwortung übernehmen wollen. Sobald die ersten Wochenenden für die Parteiarbeit draufgehen, rebelliert - zu Recht - die Familie. Parteiarbeit braucht neue Strukturen, neue familienkompatible Wege der Einbindung.

Diese zu finden ist Aufgabe der Parteien. Sie kommen ihr erkennbar nicht nach. Erst wenn das gelungen ist, wenn die Mitgliederzahl wieder wächst, dann hat Pofalla wirklich einen Grund zu feiern. Jetzt wirkt das eher wie die Schadenfreude eines Mannes, der selbst ziemlich ramponiert aussieht.

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(sueddeutsche.de/lala/mati)