Zum Schutz der Wahlen werden 3500 Soldaten zusätzlich sowie Gerät an den Hindukusch gebracht. Insgesamt wächst die Truppenstärke auf 10.000.
Also muss das Militärbündnis nun 3500 Männer und Frauen in Uniform zusätzlich mobilisieren, um am Hindukusch die heiklen Wahlen im September abzusichern. Eine Großoperation am anderen Ende der Welt. Aber sie haben es ja auch lange genug versprochen.
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Sieben Monate lang: mehr Beistand, mehr als jene etwa 6500 Soldaten, die die Nato in den Reihen ihrer Isaf-Truppe in Kabul derzeit zählt. Und mehr Gerät: Sechs weitere Transportflugzeuge und 24 Hubschrauber will die weltweit stärkste Militärallianz liefern. Und ein paar Feldlazarette.
All das hatte US-General James L. Jones, der alliierte Oberbefehlshaber, verlangt. Denn sonst, so hatte der Marine wieder und wieder Europas nationale Regierungen gewarnt, sei das Unternehmen zu riskant.
Sonst sei militärisch nicht einzulösen, was die Alliierten politisch wollen: den Machtradius von Präsident Hamid Karsai über die Grenzen der Hauptstadt Kabul auszudehnen und bewaffnet Präsenz zu zeigen in fünf weiteren Provinzen, wo neue "Regionale Wiederaufbau-Teams" (PRTs) nach dem Vorbild der Bundeswehr in Kundus "Inseln der Stabilität" begründen sollen.
Sie haben es geschafft, mit Hängen und Würgen. Mit 3500 zusätzlichen Europäern in Uniform, von denen allerdings knapp 1500 außer Landes bleiben: Sie harren aus in Wartestellungen "hinter dem Horizont", also in Afghanistans Nachbarstaaten oder in ihren Heimatkasernen.
Nach den Wahlen dürfen die meisten nach Hause
Sie greifen nur ein, falls ihre Nato-Kameraden am Hindukusch akut in Gefahr geraten. Nur 2000 zusätzliche Nato-Soldaten werden also tatsächlich bis Afghanistan vordringen - von denen bleiben die meisten nur 90 Tage. Sie dürfen im Oktober, nach den Wahlen, wieder nach Hause.
Trickreich hat die Nato auch ihre alte Zusage eingelöst, in afghanischen Provinzen "fünf neue Wiederaufbauteams" zu schaffen. Wirklich "neu" sind nur vier der künftig sechs PRTs, mit denen die Europäer in der Nato nun im Norden und Nordwesten des Landes mehr Verantwortung schultern wollen. Die Bundeswehr geht nach Faisabad, um dort einen zweiten Isaf-Posten unter deutscher Flagge zu errichten.
Die Niederländer ziehen weiter südlich nach Baghlan. Die Royal Army schenkt der Nato ein neues PRT in Meimaneh; dabei wird sie von Norwegern und Finnen unterstützt. Den zweiten britischen Isaf-Stützpunkt, das Regionalteam in Masar-i-Scharif, der nun zum Nato-Posten umgewidmet wird, gibt es längst.
Bisher unterstand Masar-i-Scharif der Operation Enduring Freedom, der von den USA kommandierten Anti-Terror-Mission. Deren fast 17000 Soldaten sollen sich auf den gefährlichen, von Taliban-Kämpfern infiltrierten Süden und Südosten konzentrieren.
Selbst im Norden kann die relative Ruhe täuschen, wie jüngst mehrere Anschläge bewiesen. Und im Nordwesten, dem zweiten der vier afghanischen Sektoren, kommt die Allianz gerade erst an: In Herat sollen italienische Soldaten einen Stützpunkt aufbauen, der dann weitere PRTs im Nordwesten vernetzen soll. Allerdings hat Rom noch nicht zugesagt.
Das Gros der 2000 neuen Isaf-Soldaten, denen Europas Staats- und Regierungschef in Istanbul politisch den Marschbefehl erteilten, wird noch im Juli aufbrechen, spätestens Anfang August. Sie sollen drei Monate lang bewaffnete Wahlhelfer sein, die Registrierung der Afghanen in Wählerlisten und dann Ende September die Abstimmung selbst überwachen.
US-Parole: Keine zusätzlichen Feinde machen
Dazu schicken vor allem Frankreich und Belgien ein etwa 1000 Mann starkes Bataillon nach Kabul, zusätzlich werden die PRTs mit Soldaten aus Spanien, das seine Soldaten aus dem Irak abgezogen hat, und der Türkei aufgerüstet. Die sollen die Wiederaufbau-Teams stärken, da Taliban potenzielle Wähler massakrieren und Warlords oder Drogenbanden um ihre Macht bangen.
Wie man mit diesen lokalen, oft undurchschaubaren Machthabern umgeht - auch darüber hegen Europäer und Amerikaner unterschiedliche Vorstellungen. EU-Experten mahnen, den Einfluss der Warlords noch vor den Wahlen zurück zu drängen. Sonst würden die Afghanen aus Angst ihr Kreuz dort machen, wo die Warlords es wollten - und deren Stellung schein-demokratisch im neuen Parlament zu Kabul legitimieren.
Die US-Regierung hingegen hat die Parole ausgegeben, die Nato solle sich keine zusätzlichen Feinde machen. Washington verlangt Ruhe in Afghanistan, braucht halbwegs geordnete Wahlen im September als Leistungsnachweis vor der Präsidentenwahl im November daheim.
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(SZ vom 29.06.2004)