Ex-Kanzler Schröder fällt auf seiner China-Reise Angela Merkel in den Rücken. In Peking rügt er, dass sie den Dalai Lama empfing.
Die Kanzlerin schwebte am Freitag noch über den Wolken, auf dem Weg zum mächtigsten Mann der Welt. Gutgelaunt hatte Angela Merkel am Morgen in Berlin eine Regierungsmaschine bestiegen, um zu George W. Bush nach Texas zu fliegen, da hatten einige Nachrichtenagenturen gerade gemeldet, dass auch ihr Vorgänger das Reisen nicht lassen kann.
Ex-Kanzler Schröder warf dem chinesischen Drachen mit der Kritik an dem Dalai-Lama-Besuch in Deutschland Zucker vors Maul. (© Foto: Retuers)
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Gerhard Schröder hat sich ein Ziel auf der anderen Seite des Globus gesucht, und was ihm dort zur Politik der Kanzlerin so alles einfiel, dürfte dieser kaum gefallen. Die Zeitung China Daily hat es zitiert, und Schröders Büro im Bundestag hat bestätigt, dass die Äußerungen in Peking genau so gefallen sind.
Die Kanzlerin habe "einen Fehler gemacht", sagte Schröder da. Mit dem Empfang für den Dalai Lama, das religiöse Oberhaupt der Tibeter, habe sie "chinesische Gefühle" verletzt, kritisierte der Altkanzler - zur Freude seiner Zuhörer.
"Ich bedauere das", fügte er hinzu und versicherte, er sei "unglücklich" über das Verhalten seiner Nachfolgerin. Das war Zucker für den Drachen. "Schröder ist einer der guten Freunde des chinesischen Volkes", frohlockte ein Kommentator auf der Website der China Daily.
Nun ist Schröder zwar inzwischen Privatier, aber eine so unverblümte Kritik an der Regierungschefin - dazu noch auf fremden Boden - ist doch ein recht grober politischer Klotz. Eckart von Klaeden, außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, nennt es gar einen "einmaligen Vorgang, dass ein ehemaliger Bundeskanzler seiner Nachfolgerin im Ausland derartig in der Rücken fällt".
Merkel hatte im September den Dalai Lama im Kanzleramt willkommen geheißen - eine Geste mit großer Symbolkraft, noch kein deutscher Regierungschef hatte dies getan. Menschenrechtsorganisationen zollten Beifall. Peking reagierte äußerst gereizt und sagte eine Reihe bilateraler politischer Treffen ab.
Chinas Regierung wirft dem seit 1960 im indischen Exil lebenden religiösen Repräsentanten der Tibeter vor, die Abspaltung Tibets zu betreiben. Der Dalai Lama dagegen betont, er wolle nur "echte Autonomie" für sein Volk, nicht Unabhängigkeit.
Das Auswärtige Amt mochte sich am Freitag nicht zu Schröders China-Mission äußern. Was Chefdiplomat Frank-Walter Steinmeier über die Causa Tibet denkt, ist ohnehin bekannt. Steinmeier, einst engster Vertrauter Schröders, hatte erst jüngst auf dem Hamburger SPD-Parteitag Merkel "Schaufensterpolitik" vorgeworfen. Das war auf den Dalai-Lama-Empfang gemünzt, auch wenn der Außenminister es nicht so ausdrücklich sagte.
Von Diplomaten in Berlin ist zu hören, dass Peking zwar weiter so manche öffentlichkeitswirksame Veranstaltung blockiere. Hinter den Kulissen aber wird wieder miteinander geredet. Die Chinesen seien eben "große Pragmatiker", wird gesagt, was wohl heißen soll: Sie verstehen ihr Geschäft. Und dort, wo die Geschäfte boomen, lässt sich auch der Ex-Kanzler, inzwischen als Anwalt der Wirtschaft unterwegs, gern nieder - ob bei Männerfreund Wladimir Putin in Moskau, in den Ländern am Persischen Golf oder eben in Peking und Schanghai.
George W. Bush hat jüngst dem Dalai Lama sogar persönlich einen Orden angeheftet. Der US-Präsident hat den Tibeter schon drei Mal im Weißen Haus empfangen. In dieser Hinsicht dürften sich Bush und seine Besucherin aus Berlin also gut verstehen. Auf der Bush-Ranch im texanischen Crawford ist die Kanzlerin übrigens der erste deutsche Regierungsgast. Schröder wurde so viel Aufmerksamkeit nicht zuteil.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 10.11.2007)
ICE-Strecke
Es ist doch offensichtlich nicht der richtige Weg weiterhin sein Know-how nach China zu verschachern, sich anzubiedern, die Arbeit dorthin zu verlagern, Entwicklungshilfe zu bezahlen.
Denn China wächst zur größten Wirtschaftsmacht (pardon, ist es), rüstet sehr stark auf und deren Machthaber ignorieren nach wie vor die Menschenrechte und beginnen nun auch noch zu drohen (zugegeben haben sich unsere direkten Vorfahren vor 100 Jahren nicht besser verhalten).
Wiedereinmal ist es die Globalisierung, die wir nicht aufhalten können, die aber durch die Partikularinteressen aus Politik und Wirtschaft angeheizt werden.
Ist uns aufgrund des Wohlstands und Konsums das Gefühl für Kritik, Moral und Werte abhanden gekommen? Da wird uns eine sehr salzige Suppe eingebrockt. Löffeln wir sie aus?
So so, Der "Altkanzler" ist also der Meinung das ein Empfang des Dalai Lama durch die Bundeskanzlerin chinesische Gefühle verletzt!
Hat sich Herr Schröder einmal gefragt wie die "Gefühle" des tibetischen Volkes durch die Chinesen verletzt werden?
Nein nein bestimmt nicht.
Für sein meiner Meinung nach doch recht devotes Verhalten den Chinesen gegenüber gibt es Im Deutschen einen Ausdruck der etwas mit "....kriechen " zu tun hat.
Und die SPD hat auch eine sehr sehr schlechte Partie geliefert (s. Äußerungen des Außenministers) . Den Buckel krümmen vor der Wirtschaftsmacht China!
HP
Man muss kein Freund der Kanzlerin sein um Schröder wieder mal zu kritisieren.
Er kann es nicht, er konnte es noch nie und er wird es nie können.
Natürlich sind sie ganz anders, als was ihr Kommentar sagen möchte. Hier gehts um Kommentare. Und um Klarheit und nicht Vermengen. Mehr ist nicht gesagt. Ich gehe davon aus, dass sie dann auch für das Merkelsche "für Deutschland" einnehmbar sind. Ist dem so?
Schröder hat das gute Recht, den Empfang des Dalai Lama durch Kanzlerin Merkel zu kritisieren. Für die deutsch-chinesischen Beziehungen ist es in der Tat nicht förderlich, wenn sich Deutschland in Fragen der territorialen Integrität Chinas einmischt. Natürlich will Angela Merkel mit ihrer Menschenrechtspolitik punkten. Aber souverän ist dies nicht. Der Empfang des Dalai Lamas wird keinerlei Veränderungen in der Tibetfrage bewirken.
Paging