Auch Deutschland muss ein Interesse an einem stabilen Irak haben- aber nicht um jeden Preis.
Es gibt ein Land, das deutschen Managern süße Träume bereitet. Zweistellige Zuwachsraten verspricht sich die Wirtschaft im Handel mit diesem Land, deutsche Förderanlagen sollen dort das Öl aus dem Boden pumpen, deutsche Busse sollen auf den Straßen fahren, die deutsche Firmen geteert haben.
Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft in Berlin Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki. (© Foto: ddp)
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Dieses Land ist der Irak, und sein Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat seinen Gastgebern jetzt in Berlin noch einmal gesagt, wie willkommen sie bei ihm zu Hause wären.
Für dieses Land gilt allerdings auch eine deutliche Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, das zudem noch an der Befreiung eines deutschen Staatsbürgers aus den Händen von Entführern arbeitet. Bei Attentaten in den vergangenen Monaten sind Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Aus diesem Land sind Millionen Menschen geflohen, von denen viele auf absehbare Zeit nicht zurückkehren können, weshalb Innenminister Wolfgang Schäuble nun darüber nachdenkt, einige von ihnen in Deutschland aufzunehmen.
Die Sicherheitslage im Irak mag sich verbessert haben, ein sicheres Land ist der Irak noch lange nicht.
Nun wäre es zu einfach, deutsche Konzerne wegen ihrer Profitgier zu geißeln. Ihre Vorstellungen treffen sich durchaus mit denen der irakischen Regierung. Das Land kann sich nur stabilisieren, wenn sich die ökonomische Lage verbessert.
Dafür braucht Bagdad Hilfe von außen. Und mit Maliki gibt es im Irak, der wegen seiner ethnischen und religiösen Konflikte lange als unregierbar erschien, immerhin einen Ministerpräsidenten, der auf Fortschritte verweisen kann.
Deshalb ist es auch richtig, wenn sich die Bundesregierung als Partner anbietet. Deutschland war Zuschauer des Krieges im Irak, kann aber nicht Zuschauer bleiben, wenn es darum geht, einen Staat zu befrieden, von dessen Entwicklung die Stabilität einer ganzen Region abhängt.
Es wird jedoch im Irak ein engeres Zusammenwirken zwischen Politik und Wirtschaft geben müssen als in anderen, ungefährlicheren Staaten - und das nicht nur, weil es der Krisenstab der Bundesregierung wäre, der deutsche Ingenieure befreien müsste, sollten sie Opfer von Entführungen werden.
Selbst wenn die Amerikaner in den nächsten Jahren ihre Truppen abziehen, wie es beide Präsidentschaftskandidaten mehr oder weniger versprechen, werden die USA ähnlich wie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg weiter erheblichen Einfluss auf die Geschicke des Irak haben.
Und in Amerika selbst wird man nach den menschlichen wie finanziellen Opfern des Krieges sehr genau darauf achten, dass nicht ausgerechnet der Kriegsgegner Deutschland übermäßig von einer verbesserten Lage profitiert, an der er nicht mitgewirkt hat.
Der nächste US-Präsident dürfte deshalb versucht sein, Deutschland nicht nur an den Erträgen, sondern auch an den Kosten des Irak zu beteiligen. Die Bundesregierung aber hat darauf zu achten, dass der politische Preis für gute Geschäfte bezahlbar bleibt.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 23.7.2008/bica)
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Den Amerikanern kann nichts Besseres passieren, als daß sich andere, vielleicht vormals "unwillige" Länder aus wirtschaftlichem Interesse - man könnte auch Gier sagen - der vordergründig aufgebauten Sicherheit hingeben. Wenn sie (die Amerikaner) dann abziehen, bleibt "uns" kaum eine Wahl, wir müssen uns aktiv einbringen. Das sind dann die berühmten Sachzwänge und auf die hatte Merkel schon 2002/2003 erkannt. Die SPD ist zwar innen- und gesellschaftspolitisch weiterhin auf Schröder-Kurs, ausenpolitisch aber schon weiter.
Da geht noch was...
Ich glaube, dass es eine unerlaubte Behauptung ist, Deutschland als " Zuschauer im Irak - Krieg" zu bezeichnen. Ich halte das für Geschichtsknitterung! Dass Deutschland sich nicht in ein Abenteuer - das vorhergesagt worden war - hat hineinziehen lassen, könnte dereinst als einziges Positivum der Regierung Schröder in den Geschichtsbüchern erscheinen. Wie der Autor zu Recht bemerkt, befindet sich noch ein Deutscher oder Deutsch-Iraker in Terroristenhand. Es ist zu befürchten, dass wir im weiteren Verlauf uns nicht über das Ob, sondern eher über das Wann der nächsten Entführung (en) oder des nächsten Mordes unterhalten müssen. Es ist zwar bekannt, dass unser Standing im nahen Osten hervorragend ist, aber die Nötigen Vorsichtsmaßnahmen bleiben trotzdem absolut unerlässlich! Es ist ebenfalls wenig hilfreich, wenn von interessierter Seite die Sicherheitsprobleme herunter gespielt werden