Von Nico Fried

Auch Deutschland muss ein Interesse an einem stabilen Irak haben- aber nicht um jeden Preis.

Es gibt ein Land, das deutschen Managern süße Träume bereitet. Zweistellige Zuwachsraten verspricht sich die Wirtschaft im Handel mit diesem Land, deutsche Förderanlagen sollen dort das Öl aus dem Boden pumpen, deutsche Busse sollen auf den Straßen fahren, die deutsche Firmen geteert haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft in Berlin Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki. (© Foto: ddp)

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Dieses Land ist der Irak, und sein Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat seinen Gastgebern jetzt in Berlin noch einmal gesagt, wie willkommen sie bei ihm zu Hause wären.

Für dieses Land gilt allerdings auch eine deutliche Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, das zudem noch an der Befreiung eines deutschen Staatsbürgers aus den Händen von Entführern arbeitet. Bei Attentaten in den vergangenen Monaten sind Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Aus diesem Land sind Millionen Menschen geflohen, von denen viele auf absehbare Zeit nicht zurückkehren können, weshalb Innenminister Wolfgang Schäuble nun darüber nachdenkt, einige von ihnen in Deutschland aufzunehmen.

Die Sicherheitslage im Irak mag sich verbessert haben, ein sicheres Land ist der Irak noch lange nicht.

Nun wäre es zu einfach, deutsche Konzerne wegen ihrer Profitgier zu geißeln. Ihre Vorstellungen treffen sich durchaus mit denen der irakischen Regierung. Das Land kann sich nur stabilisieren, wenn sich die ökonomische Lage verbessert.

Dafür braucht Bagdad Hilfe von außen. Und mit Maliki gibt es im Irak, der wegen seiner ethnischen und religiösen Konflikte lange als unregierbar erschien, immerhin einen Ministerpräsidenten, der auf Fortschritte verweisen kann.

Deshalb ist es auch richtig, wenn sich die Bundesregierung als Partner anbietet. Deutschland war Zuschauer des Krieges im Irak, kann aber nicht Zuschauer bleiben, wenn es darum geht, einen Staat zu befrieden, von dessen Entwicklung die Stabilität einer ganzen Region abhängt.

Es wird jedoch im Irak ein engeres Zusammenwirken zwischen Politik und Wirtschaft geben müssen als in anderen, ungefährlicheren Staaten - und das nicht nur, weil es der Krisenstab der Bundesregierung wäre, der deutsche Ingenieure befreien müsste, sollten sie Opfer von Entführungen werden.

Selbst wenn die Amerikaner in den nächsten Jahren ihre Truppen abziehen, wie es beide Präsidentschaftskandidaten mehr oder weniger versprechen, werden die USA ähnlich wie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg weiter erheblichen Einfluss auf die Geschicke des Irak haben.

Und in Amerika selbst wird man nach den menschlichen wie finanziellen Opfern des Krieges sehr genau darauf achten, dass nicht ausgerechnet der Kriegsgegner Deutschland übermäßig von einer verbesserten Lage profitiert, an der er nicht mitgewirkt hat.

Der nächste US-Präsident dürfte deshalb versucht sein, Deutschland nicht nur an den Erträgen, sondern auch an den Kosten des Irak zu beteiligen. Die Bundesregierung aber hat darauf zu achten, dass der politische Preis für gute Geschäfte bezahlbar bleibt.

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(SZ vom 23.7.2008/bica)