Von Tina Baier

Herbstzeit ist Grippezeit. Das gilt dieses Jahr auch für Hühner. Denn von September an werden in Deutschland die Zugvögel aus ihren Sommerquartieren eintreffen und mit ihnen möglicherweise das Vogelgrippevirus H5N1. Deshalb soll das Freilandgeflügel eingesperrt werden.

Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) hat deshalb einen Notfallplan vorbereitet, der alle Geflügelhalter verpflichtet, ihre Tiere im Stall zu lassen. Eine Eilverordnung liege unterschriftsreif vor und könne von einem Tag auf den anderen in Kraft gesetzt werden, sagte Künast am Freitag in Berlin. Bevor die Zugvögel in Deutschland einträfen, sei ein solches "Aufstallungsgebot" aus ihrer Sicht aber nicht erforderlich. In den Niederlanden muss Geflügel bereits von Montag an eingesperrt werden.

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Hühner (© Foto: dpa)

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Ziel dieser Maßnahme ist es, jeglichen Kontakt zwischen heimischen Hühnern, Enten und Gänsen mit möglicherweise infizierten Vögeln zu vermeiden. "Bei der Freilandhaltung kann es passieren, dass Zugvögel ihren Kot in das Gehege fallen lassen und dass die Hühner ihn dann aufpicken", sagt Lars Schrader, Leiter des Instituts für Tierschutz und Tierhaltung der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL). Es sei auch schon vorgekommen, dass Zugvögel direkt im Gehege landen.

Für große Freilandbetriebe ist die praktische Umsetzung der Verordnung kein Problem. Immer gibt es einen Innenbereich, der sich durch Luken verschließen lässt. Fast unmöglich sei es dagegen, alle kleinen Geflügelhalter zu kontrollieren, die sich privat ein paar Hühner, Enten oder Gänse halten, sagt Schrader. Bis September sollen aber zumindest alle registriert werden. Dass die Vogelgrippe Renate Künast, die die Käfighaltung ganz abschaffen will, nun dazu zwingt, die Tiere wieder einzusperren, dürfte Wasser auf die Mühlen der Käfigbefürworter sein.

Freiland- und Bodenhaltung ist ohne Zweifel viel artgerechter und tierfreundlicher als die Hühnerhaltung in den viel zu engen Legebatterien, in denen sich die Tiere kaum bewegen können. Doch ganz so unproblematisch und idyllisch, wie es die Bilder auf den Eier-Schachteln vorgaukeln, ist sie nicht - gerade was die Verbreitung von Parasiten und Krankheiten betrifft: In einem Käfig hocken normalerweise vier Hühner zusammen.

Wird eines krank, lassen sich die anderen drei ohne große Probleme isolieren. Bei der Boden- und Freilandhaltung leben die Tiere dagegen in großen Herden zusammen, die im Extremfall mehrere tausend Tiere umfassen. Ein krankes Huhn in der wild durcheinander rennenden Menge steckt in Windeseile viele andere an. Für den Menschen sind Eier aus Freilandhaltung auch nicht unbedingt gesünder als Batterieeier. Welche Farbe etwa der Dotter hat, hängt allein vom Futter ab, und nicht davon, ob sich die Henne frei bewegen kann oder in einen engen Käfig gepfercht ist.

Schwieriger als Hühner sind Enten und Gänse von der Außenwelt abzuschirmen. Dabei sind sie als Wasservögel besonders gefährdet, mit dem Kot infizierter Tiere in Kontakt zu kommen, der sich im Wasser gut verteilt. Zwar haben auch die Halter solcher Tiere meistens einen kleinen Stall. "Doch auf Dauer kann es darin eng werden", sagt Michael Marahrens, Veterinärmediziner bei der FAL. Künast will zumindest vorschreiben, die Gehege mit Netzen abzudecken.

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(SZ vom 20.08.2005)