Quadriga-Preis an Russlands Premier Deutscher Verein ehrt Putin als Staatsbürger

Putin, der mustergültige Staatsmann? Jedes Jahr verleiht der deutsche Verein "Werkstatt Deutschland" den Quadriga-Preis an Persönlichkeiten, die sich um das Gemeinwohl verdient gemacht haben. Nach Schimon Peres und Jean-Claude Juncker geht die Auszeichnung dieses Jahr ausgerechnet an den russischen Premier.

Von Daniel Brössler

Alljährlich am Tag der Deutschen Einheit verleiht der Verein "Werkstatt Deutschland" einen Preis, der diesem gewichtigen Datum gerecht werden soll. Er nennt sich Quadriga und ist bestimmt für "Vorbilder, die Aufklärung, Engagement und Gemeinwohl verpflichtet sind".

Persönlichkeiten wie Schimon Peres, Jean-Claude Juncker und Wolfgang Schäuble haben die Quadriga in den vergangenen Jahren entgegengenommen. Auch in diesem Jahr soll ein Staatsmann geehrt werden: Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin. In einem Festakt im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt soll dem Schöpfer der "gelenkten Demokratie" die Ehrung überreicht werden.

"Berechenbarkeit gepaart mit Stehvermögen, Verlässlichkeit gepaart mit Kommunikationsfähigkeit machen Charakter und Person von Wladimir Putin aus. Im Inneren schaffte und schafft er Stabilität durch das Zusammenspiel von Wohlstand, Wirtschaft und Identität", heißt es in der Begründung, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Russische Bürgerrechtler und Intellektuelle dürften den Moskauer Machthaber in dieser Begründung kaum wiedererkennen. "Mit seiner Machtvertikale hat Putin versucht, das Sowjetsystem wiederzubeleben. Stattdessen steht das russische Imperium Iwans des Schrecklichen wieder auf", urteilte vor einigen Jahren der russische Schriftsteller Wladimir Sorokin.

Und der 2003 verhaftete und jüngst in einem zweiten Prozess zu 13 Jahren Haft verurteilte einstige Öl-Unternehmer Michail Chodorkowskij ließ aus dem Gefängnis wissen: "Wladimir Putin hat mich zu seinem persönlichen Feind ernannt. Offensichtlich teilt er die Meinung Stalins über die Rolle der Justiz, die allerdings nicht internationalen Standards entspricht."

Die "Werkstatt Deutschland", die Putin nun ehren will, beschreibt sich selbst als Verein "prominenter Vertreter aus allen Parteien, von Chefredakteuren, Intendanten sowie namhaften Vertretern der Wirtschaft". Zweiter Vorsitzender ist der CDU-Politiker und letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière. Er ist Chef des deutschen Lenkungsausschusses des "Petersburger Dialoges" mit Russland und hat die Moskauer Führung immer wieder vor seiner Ansicht nach zu einseitiger Kritik in Schutz genommen. Im Kuratorium des Quadriga-Preises sitzen unter anderen der Berliner Kultur-Staatssekretär André Schmitz (SPD), die Unternehmerin mit FDP-Parteibuch Margarita Mathiopoulos und der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir.

Der Grüne legt Wert auf die Feststellung, sich im Kuratorium "strikt gegen Putin ausgesprochen" und der Preisverleihung an den russischen Premier nicht zugestimmt zu haben.

Tatsächlich soll im Kuratorium kontrovers über die Preiswürdigkeit Putins diskutiert worden sein - allerdings mit dem Ergebnis, sich über die Bedenken hinwegzusetzen und stattdessen Putins Verdienste zu rühmen. "Im Äußeren definierte er Spielräume durch die Fokussierung auf Zweiseitigkeit, Multipolarität und Respekt", wird in der Begründung geschwärmt.

Putin sei "schon heute eine Kapitelüberschrift im Buch der Geschichte" sicher, und zwar "ganz in der Tradition Peter des Großen als Weichensteller in Richtung Zukunft".

Welche Weichen er nach einer möglichen erneuten Wahl zum Präsidenten 2012 stellen möchte, verriet Putin übrigens kürzlich in Jekaterinburg: "Ich werde reinemachen - sowohl im hygienischen Sinne des Wortes als auch im politischen."

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