Während das Entführungsdrama um Hanns Martin Schleyer bereits mehr als drei Wochen andauert entführen Mitglieder der linksgerichteten Terror-Organisation "Japanische Rote Armee" ein Flugzeug
Mitglieder der linksgerichteten Terrororganisation "Japanische Rote Armee" entführen ein Flugzeug mit 156 Passagieren, das von Paris nach Tokio unterwegs ist. Die Maschine landet in Dhaka/Bangladesch. Die Entführer fordern die Freilassung von neun Kampfgenossen aus Gefängnissen und umgerechnet 14 Millionen Mark. Wie die RAF unterhält die japanische Rote Armee engen Kontakt zur Volksfront für die Befreiung Palästinas.
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Das Entführungsdrama um Hanns Martin Schleyer dauert an. (© Foto: AP)
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Das Entführungsdrama um Hanns Martin Schleyer dauert bereits mehr als drei Wochen. Spätestens nach dem Mord am Vorstandschef der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, am 30. Juli 1977 ist klar, dass sich die RAF nun auf hohe Repräsentanten des verhassten kapitalistischen Systems konzentrieren will, um ihre Ziele zu erreichen. Schleyer sagt zu seinem Freund Kurt Biedenkopf: "Ich werde der Nächste sein."
Es brauchte nicht viel Recherche, um auf den obersten Arbeitgeber-Funktionär mit Schmissen und SS-Biographie zu kommen. "Mit Schleyer glaubten sie einen Mann als Geisel genommen zu haben, dessen Netzwerk aus politischer und ökonomischer Macht die Bundesregierung zur Freilassung der Stammheimer Gefangenen zwingen würde", schreibt Schleyer-Biograph Lutz Hachmeister.
Mit Schleyer verbanden zudem breite Schichten der Bevölkerung die Stichwörter Großindustrieller und Großkapitalist. Der Stern hatte ihn als "Boss der Bosse" bezeichnet, die New York Times als "Karikatur des hässlichen Kapitalisten". Schleyer, geboren 1915, hatte sich nach seiner Kriegsgefangenschaft bei der Daimler-Benz AG bis in den Vorstand hochgearbeitet, seit 1963 war er dort für das Sozial- und Personalwesen zuständig.
Von 1962 bis 1968 war er Vorsitzender des Verbandes der Metallindustrie Baden-Württemberg, in seinem zweiten Jahr wurde er durch flächendeckende Aussperrungen der Metallarbeiter als Scharfmacher im Arbeitskampf bundesweit bekannt. Seit Dezember 1973 war er Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, seit Januar 1977 auch Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie.
"...auch wenn wir das unter uns nicht zugeben konnten"
Über die 45 Tage Schleyers als RAF-Geisel ist man auf die oft nicht allzu vertrauenswürdigen späteren Aussagen der Terroristen angewiesen. Der 62-Jährige muss sich in allen drei "Volksgefängnissen" stets in einem einzigen Zimmer aufhalten, dort meist auf einem Bett, stets bewacht von mindestens einem RAF-Mitglied mit schussbereiter Waffe.
Zu essen gibt es magenschonende Babykost. In der ersten Wohnung in Erftstadt-Liblar haben die Entführer einen Schrank mit Schaumstoff ausgepolstert, dort wird Schleyer vermutlich einige Male eingesperrt.
Der ehemalige RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock beschreibt die Situation: "Er blieb in aller Regel leise und höflich, versuchte in zugespitzten Situationen zu vermitteln. (...) Hanns Martin Schleyer versuchte, seine Interessen zu wahren, ohne uns allzu sehr vor den Kopf zu stoßen. Er bat uns selten um etwas, war andererseits aber auch nicht bereit, alles, was wir vorschlugen, kritiklos auszuführen. Er zwang uns durch seine Antworten mit jedem Tag mehr, von unseren Vorstellungen und Vorurteilen Abschied zu nehmen, auch wenn wir das unter uns nicht zugeben konnten."
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(SZ vom 28.09.2007)
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@ Gastonas :
"Aber solange die Talkshow und Filmterroristen für ihre Auftritte Geld nehmen, sind sie für mich weiterhin unglaubwürdig."
Zeigt denn nicht gerade dieses Verhalten, wie gut diese Leute das System des Kapitalismus verstanden haben und sich jetzt mühen,
diesem Verständnis (eben auch im Wortsinne) Rechnung zu tragen?
Man könnte sagen, die soziale Re-Integration hätte bei ihnen ganz wunderbar funktioniert !
Zumindest dann, wenn man "Soziales" mit "Finanzielles" übersetzt, wie das bei uns ja nun mal Usus geworden ist !
Wie Boock von Schleyer erzählt, zeigt, dass in Boock tatsächlich etwas passiert ist. Er hat ihn als Mensch wahrgenommen, der seinen Mördern menschlich was vorraus hatte.Da ist er weiter als andere Terroristen, die immer noch ihre Taten als politische Aktionen verniedlichen oder naiv erzählen, so als ob die RAF ein verlängerter Abenteuerurlaub war. Wenn Boock jetzt noch seine gesamten Honorare, die er aus Filmen, Interviews, Büchern erhielt spendet, wäre das ein weiterer Schritt. Aber solange die Talkshow und Filmterroristen für ihre Auftritte Geld nehmen, sind sie für mich weiterhin unglaubwürdig. Aber auch die Medienleute, die sie gegen Geld vor eine Kamera setzen.