Deutsche Rüstungsexporte nach Katar Panzer für Skurrilistan

Deutschland hat zwar großes Interesse an Gas aus Katar, dem wichtigsten Exportgut des Landes. Trotzdem muss sich die Bundesregierung fragen, ob es sicherheitspolitisch vertretbar ist, weiteres Kriegsgerät in den Nahen Osten zu liefern. Und wofür wollen die Kataris 200 deutsche Panzer überhaupt nutzen?

Ein Kommentar von Hubert Wetzel

Katar ist eine winzige Halbinsel im Nahen Osten, an drei Seiten umgeben vom warmen Gewässer des Persischen Golfs. Das Emirat hat eine Fläche von etwa 11.600 Quadratkilometern und nur eine Landgrenze, läppische 60 Kilometer kurz.

Gesetzt den Fall, Deutschland würde der Golf-Monarchie tatsächlich 200 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 verkaufen - was würde Katar mit den Stahlkolossen machen? Sie an der Grenze zum verbündeten Saudi-Arabien aufreihen, alle 300 Meter einen? Jedem Panzer 58 Quadratkilometer Salzsumpf oder Wüste zuweisen, den er zu verteidigen hat? Gegen wen? Iran, das auf der anderen Seite des Golfs liegt? Absurd.

Ein Klempner sagt nicht nein, wenn ein Kunde partout goldene Wasserhähne im Bad haben möchte. Doch Panzer sind keine Wasserhähne. Lukrativ wäre das Geschäft, doch die Bundesregierung muss schon sorgfältig abwägen, ob es auch sicherheitspolitisch vertretbar ist, Katar die Kampffahrzeuge zu liefern.

Und da gibt es Zweifel. Die Gegend rund um den Persischen Golf ist zu unruhig, als dass dorthin noch mehr Kriegsgerät geliefert werden sollte. Katar will die Panzer - ähnlich wie Saudi-Arabien -, um den regionalen Möchtegernhegemon Iran abzuschrecken. Und Deutschland ist an Katars wichtigstem Exportgut interessiert: Gas. Deswegen einen weiteren Rüstungswettlauf in Nahost zu befeuern, ist aber keine gute Idee.