Von Thorsten Schmitz

Erstmals sind Regierungsmitglieder Deutschlands und Israels zu gemeinsamen Beratungen zusammengekommen. Beide Länder wollen eine noch engere Partnerschaft anstreben.

Israel und Deutschland haben am zweiten Tag des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Ausbau und eine Vertiefung der bilateralen Beziehungen beschlossen. Im Anschluss an die ersten Gespräche unterzeichneten Merkel und Israels Regierungschef Ehud Olmert die 13-seitige Vereinbarung.

Israels Ministerpräsident Ehud Olmert und Kanzlerin Merkel wollen die bilateralen Beziehungen ausbauen. (© Foto: AP)

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Diese sieht unter anderem eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Umwelt- und Klimaschutz, Verteidigung, außenpolitische Beziehungen sowie Wissenschaft und Forschung vor. Es war das erste Mal, dass Mitglieder des deutschen und des israelischen Kabinetts eine gemeinsame Sitzung abhielten.

Beide Seiten vereinbarten, sich von nun an zu jährlichen Regierungskonsultationen treffen zu wollen. Im kommenden Jahr wird eine Delegation der israelischen Regierung nach Berlin reisen. Die Bundesregierung veranstaltet regelmäßig solche Begegnungen mit Spanien, Frankreich, Polen, Italien und Russland.

Am Dienstag Rede vor dem Parlament

Als Höhepunkt der Reise Merkels aus Anlass des 60. Jahrestags der Gründung des Staates Israel im Mai gilt ihre Rede, die sie an diesem Dienstagnachmittag im Parlament halten wird. Merkel ist die erste ausländische Regierungschefin, die dazu eingeladen wurde. Reden ausländischer Gäste sind üblicherweise Staatspräsidenten vorbehalten.

Olmert hatte zu Beginn der ersten gemeinsamen Sitzung gesagt: "Das ist ein historischer Anlass in den Beziehungen zwischen Israel und Deutschland." Auf deutscher Seite nahmen unter anderen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) teil.

In Israel wurde das Konzept von Regierungsberatungen bislang nicht praktiziert. Merkel sprach auch den Nahost-Konflikt an. Deutschland und die EU würden die Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern unterstützen.

Die Lösung des Konflikts, so Merkel, "liegt in unser aller Interesse". Der Beschuss israelischer Städte vom Gaza-Streifen aus sei ebenso hinderlich für den Friedensprozess wie der Ausbau jüdischer Siedlungen.

Regierungschef Olmert sagte, in der kommenden Woche würden die Friedensverhandlungen mit den Palästinensern fortgesetzt. Er sagte aber auch, die jüdische Siedlung Har Homa im arabischen Ostteil Jerusalems werde ausgebaut. Ein entsprechender Plan hatte vor wenigen Wochen internationale Proteste und scharfe Kritik der Palästinenserführung ausgelöst.

Olmert: Friedensabkommen bis Ende des Jahres

Olmert fügte hinzu, er halte an dem auf der Nahost-Konferenz in Annapolis vereinbarten Ziel fest, bis Ende des Jahres ein Friedensabkommen zu erzielen. US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte vergangene Woche kritisiert, dass Israel und die Palästinenser nicht genug täten, um den Friedensfahrplan des Nahost-Quartetts umzusetzen und erstmals öffentlich Skepsis geäußert, dass bis Dezember ein Friedensabkommen unterzeichnet werden könne.

Die deutsche und die israelische Regierung vereinbarten unter anderem, dass in diesem Jahr ein deutsch-israelisches Zukunftsforum eingerichtet wird, ein Netzwerk junger Menschen aus beiden Ländern, in dem kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Projekte gefördert werden sollen.

Die Universitäten in Jerusalem und in Haifa wollen Zentren für Deutschlandstudien einrichten. Die israelische Armee und die Bundeswehr wollen Offiziere auf Lehrgänge in die jeweiligen Länder entsenden. Israelische und deutsche Diplomaten wollen sich einmal jährlich im Sommer zu einem Seminar treffen.

Merkel sprach nach eigenen Angaben mit Olmert auch über Iran. Sie deutete an, dass es auf europäischer Ebene Überlegungen für Sanktionen gebe, die über den jüngsten Beschluss des UN-Sicherheitsrats hinausgingen. Zugleich verteidigte sie die Wirtschaftskontakte der Bundesrepublik mit Iran und wies darauf hin, dass das Handelsvolumen in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen sei.

Dies gelte auch für die Kredite. Man müsse nun überlegen, ob man noch mehr tue. Am Nachmittag besuchte Merkel, die einen Doktor der Physik besitzt, das Wissenschaftsinstitut Weizman in der Kleinstadt Rechovot, wo ihr unter anderem Experimente vorgeführt wurden.

Zuvor hatte Merkel, die sich zum dritten Mal seit Amtsbeginn in Israel aufhält und diesmal nicht in die Palästinensergebiete reisen wird, die Holocaustgedenkstätte Jad Vaschem besucht.

Deren Leiter, Avner Schalev, berichtete, Merkel habe ihm gesagt, der Besuch der Gedenkstätte - auch für 1,5 Millionen ermordete Kinder - sei "eines der erschütterndsten Erlebnisse ihres Lebens" gewesen. In dem dunkel gehaltenen Erinnerungsort für die von den Nationalsozialisten getöteten Kinder brennen Tag und Nacht kleine Lichter, und eine Stimme vom Tonband trägt die Namen der Ermordeten vor.

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(SZ vom 18.03.2008/dmo)