Danach drangen die Soldaten in die anderen beiden Stockwerke vor. Dort habe man die Familie Bin Ladens gefunden, sagt Carney. Im dritten Stock stießen sie schließlich auf den Terrorpaten und seine Frau. Es habe zuvor die Sorge gegeben, Bin Laden würde sich einer Gefangennahme widersetzen - "und in der Tat: Er leistete Widerstand", so Obama-Sprecher Carney in seinem eilig vorgetragenen Statement.

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Seinen Worten zufolge sei die Frau auf die Soldaten zugestürmt, daraufhin schoss man ihr ins Bein. "Bin Laden was then shot and killed", sagt der Sprecher knapp, auf Bin Laden sei anschließend geschossen worden, er starb dabei. Er sei unbewaffnet gewesen. Einen Schusswechsel im dritten Stock erwähnt er nicht.

Nachfrage eines Journalisten, der aus Versehen "Obama" sagt und "Osama" meint: Wie habe sich der Terrorführer gewehrt, wenn er unbewaffnet gewesen ist?

Carney weist daraufhin, dass man keine Feuerwaffe haben müsse, um sich zu wehren. Dann stellt er fest, dass er zu diesem Punkt nichts Weiteres sagen könne, aber er sei sich sicher, dass weitere Details folgen würden.

Noch eine Reporterfrage: "Hatte Bin Laden irgendeine Waffe?"

Carney: "Er war nicht bewaffnet, soweit ich verstanden habe."

Bedrohliche Bewegung

Erhellender sind die Ausführungen, die andere zu der heiklen Causa beitragen: CNN etwa zitiert einen anonymen Offiziellen, der nicht nur erwähnt, dass man auf dem Areal keine Wachen angetroffen habe. Die Quelle erläutert, was Regierungsprecher Carney damit meint, wenn er sagt, Osama bin Laden habe sich "gewehrt": Er habe eine "bedrohliche Bewegung gemacht" - was auch immer das zu bedeuten hat.

Die Navy Seals fürchteten wohl, dass ihre Zielperson einen Sprengstoffgürtel angelegt haben könnte, schließlich waren seit Beginn der Aktion etliche Minuten vergangen - Zeit genug, ein Selbstmordattentat nach Al-Qaida-Manier vorzubereiten: "Sie wussten nicht, ob Bin Laden den Finger auf einem Knopf hatte", sagt der republikanische Kongressabgeordnete Mike Rogers der Washington Post.

Und John Bellinger III., Mitglied im Nationalen Sicherheitsrat unter Obamas Vorgänger George W. Bush, erklärt der New York Times, wenn "dieser extrem gefährliche Kerl" jemandem im Raum "zunickt" oder man glaube, er trage eine "Selbstmörderweste", dann habe man allen Grund ihn umzubringen.

Das Online-Magazin politico.com meldet unter Berufung auf drei Quellen, Bin Laden habe Bargeld im Wert von 500 US-Dollar sowie zwei Telefonnummern in seine Kleidung eingenäht gehabt - dies wird als Zeichen gewertet, dass der Al-Qaida-Chef bereit war, notfalls in Sekundenschnelle zu fliehen.

Deutlich wird auch der Mann, der die Kommandoaktion dirigierte: CIA-Direktor Leon Panetta räumt im Gespräch mit dem Sender NBC ein, der Befehl an die Sondereinheit habe gelautet, den aus Saudi-Arabien stammenden Terroristen zu töten. "Aber dazu gehörte auch", versichert der CIA-Chef, "wenn Bin Laden plötzlich die Hände erheben und anbieten würde, sich gefangen nehmen zu lassen, die Elitesoldaten die Chance hätten, ihn gefangen zu nehmen."

So hat es Carney, der Sprecher des Weißen Hauses nicht formuliert. Aber seine Aufgabe war es schließlich vor allem, Brennans falsche Darstellungen zu revidieren - und seinen Präsidenten zu schützen.

Obama selbst hatte bislang keinen Grund zur Korrektur. In seiner Rede am 1. Mai hatte der Staatschef den Tod Osama bin Ladens nur geschildert, aber offenbar zutreffend.

"After a firefight, they killed Osama bin Laden" - so hat es Obama selbst in seiner Rede an die Nation ausgedrückt: "Nach einem Feuergefecht töteten sie Osama bin Laden." Nach dem Gefecht also, nicht im Gefecht.

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  1. Eine fehlende Waffe und eine bedrohliche Bewegung
  2. Sie lesen jetzt Bin Laden war unbewaffnet
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(sueddeutsche.de/mati/mcs)