Benedikt XVI. wehrt sich gegen den Vorwurf, die Kirche sei eine Ansammlung von Verboten.

Papst Benedikt XVI. hat erstmals deutschen Journalisten ein ausführliches Fernseh-Interview gegeben. Die wichtigsten Passagen aus dem vom Vatikan zur Verfügung gestellten Wortlaut:

Papst Benedikt XVI. (© Foto: ddp)

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Zum Deutschland-Besuch im September: "Der Grund des Besuchs war eigentlich eben doch wirklich der, dass ich noch einmal die Orte, die Menschen sehen wollte, wo ich groß geworden bin, die mich geprägt und mein Leben geformt haben, und diesen Menschen danken wollte. (...) Ich bin ja ganz beschämt über all das, was an Vorbereitungen für meinen Besuch geschehen ist."

Zum Verhältnis zur evangelischen Kirche: "Vielleicht ist es wichtig, zunächst einmal zu sagen, dass die evangelische Kirche ja sehr vielgestaltig ist. (...) Es ist also auch ein vielstimmiges Gefüge, mit dem wir in Respekt vor den vielen Stimmen und in der Suche nach der Einheit in Dialog treten und in Zusammenarbeit kommen müssen."

Zur Familie: "Das Christentum, der Katholizismus ist nicht eine Ansammlung von Verboten, sondern eine positive Option. Und die wieder zu sehen ist ganz wichtig, weil die fast ganz aus dem Blickfeld verschwunden ist. (...) Wir haben aber eine positive Idee, dass Mann und Frau zueinander geschaffen sind, dass so zu sagen es die Skala Sexualität, Eros, Agape, die Dimensionen der Liebe gibt und dass auf die Weise dann zunächst Ehe als beglücktes Ineinander von Mann und Frau und dann als Familie wächst. (...) Was die Abtreibung angeht, gehört sie nicht ins sechste, sondern ins fünfte Gebot "Du sollst nicht töten!"

Zu Aids: "Das grundlegende Stichwort, wenn wir in diesen Sachen vorankommen wollen, heißt Erziehung, Edukation, Bildung. (...) Wenn man nur Know-how weitergibt, nur beibringt, wie man Maschinen macht und mit ihnen umgeht und wie man Verhütungsmittel anwendet, dann braucht man sich nicht zu wundern, dass am Schluss Krieg herauskommt und Aids-Epidemien."

Zu seinen Reiseplänen: "Ich fühle mich nicht sehr stark, um noch viele große Reisen anzuzetteln, aber wo sie eine Botschaft ausrichten können, wo sie wirklich einem Wunsch entsprechen, da möchte ich in den Dosierungen, die mir möglich sind, hingehen. Es ist vorgesehen: Nächstes Jahr trifft sich in Brasilien die (...) Vereinigung der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen; und dort dabei zu sein ist, glaube ich, ein wichtiger Vorgang in dem ganzen Drama, das Südamerika einerseits erlebt, (...) Dann möchte ich ins Heilige Land gehen und hoffentlich es in Frieden betreten können."

Zur Rolle der Frauen in der katholischen Kirche: "Sie wissen, dass wir uns durch den Glauben, durch die Konstitution des Apostelkollegiums bestimmt und nicht dazu ermächtigt fühlen, Frauen die Priesterweihe zu erteilen. Aber man sollte auch nicht meinen, in der Kirche ist nur jemand etwas, der ein Priester ist."

Über seine Person: "Mein Grundnaturell und auch meine Grundvision ist gewachsen, aber in allen wesentlichen Dingen doch identisch geblieben. Ich freue mich, wenn jetzt auch Seiten wahrgenommen werden, die vorher nicht so wahrgenommen worden sind."

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(SZ vom 14.08.2006)