Von Stefan Kornelius

So schlecht war die Stimmung seit Jahren nicht: Russland fühlt sich vom Westen brüskiert und droht mit einer Konfrontation wie im Kalten Krieg.

Die Fachleute in den Außenministerien der Nato hatten die Analyse-Papiere zum Treffen ihrer Minister in Oslo noch nicht geschrieben, da rollte bereits die Nachrichtenlawine aus Moskau an: Putin appelliert an Merkel, Lawrow beschuldigt Estland, der Kreml warnt den Sicherheitsrat.

Wladimir Putin

Erstarkter russischer Behauptungswille: Russlands Präsident Wladimir Putin droht dem Westen. (© Foto: AP)

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Die überwölbende Botschaft nach einem Wochenende der Beschuldigung, Erregung und Rechtfertigung: Russland ist wieder da, der politische Apparat um Präsident Wladimir Putin erobert die Lufthoheit in der Außenpolitik.

Über Ton und Motiv kann gerätselt werden, fest steht indes, dass Russland die Auseinandersetzung mit dem Westen sucht - gestern über Raketen und Rüstungskontrolle, heute über den Umgang mit den Hinterlassenschaften der Geschichte in Estland, morgen über den Kosovo.

Ob im Kreis der Außenminister in Oslo, diese Woche im Sicherheitsrat oder am Wochenende im Ballsaal eines Brüssler Hotels: Die Luft ist zum Schneiden, die Angriffe sind persönlich, die Eskalation außergewöhnlich schnell.

In der belgischen Hauptstadt, auf der sicherheitspolitischen Ideenbörse "Brussels Forum", schlossen vom litauischen Präsidenten bis zum georgischen Außenminister die direkten Anrainer Russlands ihre Reihen, unterstützt von den Falken aus den USA und getragen aus ihrer historischen Erfahrung mit Moskau.

Der Duma-Abgeordnete und Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses, Konstantin Kosachev, trug indes Putins Botschaft weiter: Russland werde nicht respektiert, seine Einfluss-Sphäre werde eingeengt, und man verbiete sich die Einmischung in innere Angelegenheiten.

Verloren zwischen all dem blieben die Mittler, der EU-Chefdiplomat Javier Solana etwa oder deutsche Bundestagsabgeordnete der Union, die beim Thema Russland um den Koalitionsfrieden fürchten.

Die Konfrontation kam indes nicht überraschend. Schon vor einem Jahr stellte der russische Außenminister Lawrow die Kündigung des Vertrags über Konventionelle Abrüstung in Europa (KSE) in Aussicht. Dann suchte Moskau den Streit mit den direkten Nachbarn, Georgien und Ukraine.

Vordergründig ging es um Rohstoffpreise, tatsächlich missfiel Russland, wie die einstigen Satelliten des sowjetischen Imperiums zu den westlichen Bündnissen drängten. Georgiens Wunsch nach Nato-Mitgliedschaft ist ungebremst, die orangene Revolution in der Ukraine war nach Moskaus Analyse das Werk westlicher Demokratie-Prediger, die das System unterwandern. Auch das Verhältnis zu Polen ist belastet.

Moskau stört sich an dem polnischen Widerstand gegen die Erdgas-Pipeline durch die Ostsee. Derzeit blockiert der Kreml den Import polnischen Fleischs, Warschau hatte im Gegenzug sein Veto gegen die Verhandlungen über ein neues Handelsabkomme zwischen der EU und Russland eingelegt.

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