Der Fall Wulff Spuren nach Absurdistan

Erstmals geht die Bundesrepublik gegen ein früheres Staatsoberhaupt vor. An diesem Montag werden die Anwälte von Christian Wulff den Staatsanwälten klarmachen: Ihr Mandant will vollständig freigesprochen werden vom Vorwurf der Bestechlichkeit.

Von Hans Leyendecker und Jens Schneider

Hat Bettina Wulff eine Abneigung gegen Massagen? Und wenn sie nur so tut, was würde das über sie verraten? Warum hat die Frau des Ex-Bundespräsidenten in ihrer Zeugenaussage behauptet, sie habe "eine Aversion" gegen Massagen? "Ich hasse das", hat sie sogar hinzugefügt. Die Korruptionsermittler des niedersächsischen Landeskriminalamts (LKA) notierten, sie hätten eine auf den Namen Bettina Wulff ausgestellte Rechnung des "Vital Resorts Mühl" vom 28. Februar 2008 mit dem Posten "Ganzkörperverwöhnmassage" (70 Euro pro Behandlung) in den Akten.

Bereits 2007, als sie noch Bettina Körner hieß, habe sich die Zeugin mal massieren lassen, fanden die Ermittler noch heraus. Die Masseurin, eine Frau L., hat das als Zeugin bestätigt in dem historischen Verfahren, dem ersten Ermittlungsverfahren des Staates gegen ein früheres Staatsoberhaupt. Und am 18. Juli 2012 soll Frau Wulff eine "Aroma-Rückenmassage in Anspruch genommen haben" - das alles findet sich in der außerordentlich detailreichen "Fakten-Check/Analyse: Zeugenaussage B. Wulff vs. Ermittlungsergebnisse" des LKA vom 15. November 2012.

Die Ermittler ließen keinen Verdacht aus

"Widersprüche bzw. Unstimmigkeiten" entdeckten die Ermittler auch bei der Geschichte mit der Kaffeemaschine. Der väterliche Freund von Christian Wulff, der in der Schweiz lebende Egon Geerkens, 68, hatte in seiner Zeugenaussage erklärt, er habe Bettina Wulff einmal 1500 Euro in die Hand gedrückt, damit sie ihrem Mann Christian zu dessen 50. Geburtstag eine gute Kaffeemaschine kaufen könne. Bettina Wulff wiederum hatte gesagt, es könne gut sein, dass sie im Auftrag von Geerkens die Maschine gekauft habe, die stehe auch in der Küche, aber an das Bargeld könne sie sich nicht erinnern. Stehen beide Aussagen wirklich im Widerspruch?

In dem Ermittlungsverfahren gegen den Alt-Bundespräsidenten Christian Wulff und den Filmmanager David Groenewold haben die Korruptionsermittler des Dezernats 37 des LKA zu Hannover keinen Verdacht ausgelassen. Wer wann den Cappuccino für Wulff oder die Zeitung am Kiosk bezahlt hat, war von Interesse und sogar, was die Besitzerin des Nagelstudios "Beauty and Sun" zu Langenhagen über ihre Kundin Bettina Wulff und deren Mann Christian zu sagen wusste. Das Protokoll ihrer Vernehmung ist fünf Seiten dick.