Günther Oettinger schafft es nicht, sich vom rechtslastigen Studienzentrum Weikersheim zu lösen. Im Gegenteil: Der CDU-Ministerpräsident macht eine Jung-Weikersheimerin zur persönlichen Referentin. Das Zentrum selbst beklagt eine "unsägliche Hexenjagd".
Sie hat ihr Amt noch gar nicht angetreten, da macht sie ihrem neuen Chef schon mehr Ärger, als dem lieb sein dürfte. Dorothea Beetz heißt die 26-jährige Frau. Sie soll ab kommender Woche als persönliche Referentin für den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger arbeiten.
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Soll neue persönliche Referentin von Günther Oettinger werden: Dorothea Beetz (© Foto: CDU-Mannheim)
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Das Brisante daran: Die Mannheimer CDU-Stadträtin ist seit 2004 Mitglied in "Jung-Weikersheim", einer Unterorganisation des rechtslastigen Studienzentrums Weikersheim.
Zur Erinnerung: Das Studienzentrum wurde 1979 von Oettingers Vorgänger Hans Filbinger gegründet, der vor wenigen Wochen verstarb. Oettinger hatte in seiner Grabrede gesagt, Filbinger sei ein Gegner des Nazi-Regimes gewesen. Tatsächlich aber war der ehemalige NS-Marinerichter an mehreren Todesurteilen beteiligt. Oettinger hat sich inzwischen von seiner Rede distanziert.
Seit seiner Gründung steht das Studienzentrum Weikersheim in der Kritik, eine Kaderschmiede der Rechten zu sein. Oettinger lässt seine Mitgliedschaft jetzt ruhen, seitdem bekannt wurde, dass vor allem die Jung-Weikersheimer verschiedene, dem rechtskonservativen Lager zuzuordnende Redner eingeladen hatten.
Die Empörung ist jetzt groß, dass ausgerechnet ein Mitglied dieser Organisation Oettingers engste Mitarbeiterin werden soll. Als persönliche Referentin wird sie ihm praktisch nicht mehr von der Seite weichen und immer in seiner Nähe sein. Von Beetz selbst ist zu hören, sie sei 2004 den Jung-Weikersheimern beigetreten und seitdem nicht mehr hingegangen.
Stephan Braun, zum Weikersheim-Experten berufener SPD-Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg, sagte sueddeutsche.de, seines Wissens nach sei Beetz stellvertretende Vorsitzende der Jung-Weikersheimer gewesen. In jedem Fall aber zeige Oettinger mit dieser Personalie, dass er offenbar "wenig Interesse" habe, einen "klaren Strich" unter das Kapitel Weikersheim zu ziehen.
Oettinger soll austreten
Braun fordert Oettinger auf, seine Mitgliedschaft zu kündigen und eine Unvereinbarkeit zwischen der Mitgliedschaft im Studienzentrum Weikersheim und in der CDU herbeizuführen. Außerdem sollten die CDU-Minister in Oettingers Regierung nicht länger auf Veranstaltungen des Studienzentrums reden.
Das aber machen sie bisher durchaus. Oettingers Kultusminister Helmut Rau etwa wird - ausweislich der auf der Website zugänglichen Terminvorschau des Studienzentrums - am 24. Mai und am 16. Oktober bei den Weikersheimer Wirtschaftsgesprächen in Freiburg und Stuttgart sprechen. Das unverdächtige Thema: "Bildung und Ausbildung - Erfolgsfaktoren im Globalisierungsprozess".
Auch die baden-württembergische Landesvertretung in Berlin gerät in die Kritik. Hier sollte es in diesem Jahr drei Veranstaltungen des Studienzentrums geben. Bereits stattgefunden hat am 7. März ein "Kaminabend" zum Thema "Quo Vadis Europa?", bei dem auch Bundesratsminister Wolfgang Reinhart gesprochen hat.
Nach Angaben von Bernhard Friedmann, dem Präsidenten des Studienzentrums, haben 250 Personen daran teilgenommen. Pikanterweise soll Oettingers künftige Referentin Beetz diesen Abend noch als Praktikantin der Landesvertretung vorbereitet haben. Die Landesvertetung hat inzwschen dementiert, dass Beetz Praktikantin gewesen sei.
Auch Landesvertretung in der Kritik
Zwei weitere Veranstaltung sind für Herbst angefragt. Ende September lädt Jung-Weikersheim ein zu einem zweitägigen Symposium zum Thema "Gegen das Vergessen von Vertreibung - Vom Recht auf Heimat".
Auf den Internet-Seiten der Jung-Weikersheimer ist der Termin am Donnerstag Abend noch angekündigt. Aus der Landesvertretung ist zu hören, es werde geprüft, ob er staffinde. Eine zweite Anfrage für Anfang Oktober sei bereits abschlägig beschieden worden.
Weikersheim-Präsident Bernhard Friedmann spricht in einer Erklärung von einer "unsäglichen Hetzjagd" gegen seinen Verein, die es "bisher nur in totalitären Staaten" gegeben habe. Und weiter: "Wo sind wir hingekommen, wenn selbst die Mithilfe bei der organisatorischen Vorbereitung einer solchen Veranstaltung derart diskriminiert und dadurch jungen Leuten die berufliche Karriere verbaut wird?"
Oettinger und die CDU im Ländle hatten jüngst in einem Beschluss das Weikersheimer Studienzentrum aufgefordert, keine Redner vom rechten Rand mehr zuzulassen und sich von solchen Tendenzen klar zu distanzieren. Die Entwicklung werde jetzt beobachtet und geprüft.
Neuer Anlass für einen Austritt
Einen Anlass für einen Austritt aber liefern die Weikersheimer Oettinger schon diese Woche, wenn die neue Ausgabe der rechtsgerichteten Wochenzeitung Junge Freiheit erscheint. Darin werden dem Fall Oettinger mehrere Artikel gewidmet.
Unter anderem wird ein Text mit folgendem Anreißer zu lesen sein: "Der Wächterrat. Der Fall Oettinger zeigt erneut, dem Zentralrat der Juden ist die historische Deutungshoheit im Lande überlassen worden". Dazu gibt es eine Kolumne mit dem Titel "Hexenjagd und weiße Fahnen", die der umstrittene Politikwissenschaftler Klaus Hornung geschrieben hat.
Hornung publizierte auch im Grabert-Verlag, in dem auch die Werke des Holocaust-Leugners David Irving veröffentlicht werden. Überraschenderweise ist Hornung zudem Präsidiumsmitglied im Weikersheimer Studienzentrum. Ein Vereinskollege von Oettinger, sozusagen.
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(sueddeutsche.de)
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Also noch einmal:
wer das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung als "linksradikal" bezeichnet, hat nicht alle Tassen im Schrank. Dazu postete ich einen link. Links aber akzeptiert die SZ offensichtlich nicht. Aber man kann ja selbst googeln.
Und der Satz: "Dazu begleitet der Herr Braun Funktionen, die schwer übereinstimmbar sind mit seinen linksextremen Kontakten" war in Gänsefüßchen gesetzt, weil es ein Zitat des Angesprochenen, @freiheit90, ist.
Manchmal möchte man hier in Baden-Württemberg in guter Schwäbischer Tradition in den Keller zum Lachen (Verzweiflung) gehen. Es isch aber net zum Lachen, diesen Oettinger als Ministerpräsidenten zu haben!
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie im Zuge einer Podiumsdiskussion Mitte der neunziger Jahre - zu einer Zeit also, als hier die Republikaner stellenweise zweistellige Ergebnisse einfahren konnten - ein gewisser Herr Oettinger die Verwurzelung von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in der Bevölkerung recht offensiv zu verharmlosen versuchte. Dummerweise wurde wenige Tage zuvor eine Studie durch den Bund veröffentlicht, die genau das Gegenteil zu Oettingers äußerungen konstatierte.
Das schlimmste aber ist: würde Oettinger zurücktreten, folgt wer? Mappus????
Gute Nacht!
Wie das Bier, so der Ministerpräsident....
Frage: wieso soll öttinger austreten?
Zurücktreten wäre richtig.
Andere werden wegen Leugnung von geschichtlichen Tatsachen im Dritten Reich sogar strafrechtlich verfolgt! Da wäre doch ein Rücktritt, besser natürlich ein "Rauswurf", die richtige Alternative.
Aber uns öttinger ist halt ein bisschen naiv, er sieht die Fettnäpfchen ja gar nicht, in die er laufend reintritt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Absicht kanns ja wohl nicht sein, oder??????????
Dazu begleitet der Herr Braun Funktionen, die schwer übereinstimmbar sind mit seinen linksextremen Kontakten. Das müssen Sie schon belegen, @freiheit90!
Oettinger sollte zurücktreten!
Der Artikel enthält mindestens einen Fehler. Frau Beetz war nie Praktikantin in der Landesvertretung in Berlin. Folglich hat Sie auch nie einen Abend in der Landesvertretung vorbereitet, weder für Weickersheim noch für andere.
Ob da noch mehr Ungereimtheiten enthalten sind?? Sollte einer guten Zeitung eigentlich nicht passieren.
Paging