Ohnesorg-Todesschütze Karl-Heinz Kurras hat in einem Interview erstmals zugegeben, Stasi-Mitarbeiter gewesen zu sein. Konsequenzen fürchtet er nicht.
Der pensionierte Polizist Karl-Heinz Kurras, der am 2. Juni 1967 in Berlin den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, hat öffentlich seine Spitzeltätigkeit für den einstigen DDR-Geheimdienst eingeräumt. Kurras, der auch nach der Veröffentlichung seiner Stasi-Akten vergangene Woche noch jedwede Spitzeltätigkeit verneint hatte, gab nun seine Zuträgerschaft zu. Er sei Mitglied der SED gewesen, sagte er der Bild am Sonntag. "Und wenn ich für die Staatssicherheit gearbeitet habe? Was macht das schon," fügte er hinzu. Der inzwischen 81 Jahre alte Mann bestritt aber Informationen aus den Akten, wonach er für seine Dienste von der Stasi Geld erhalten hatte.
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Das Passfoto aus dem SED-Mitgliedsausweis des Westberliner Polizeibeamten Karl Heinz Kurras (© Foto: AP)
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Ob und welche Konsequenzen Kurras aus seiner mehrjährigen Spitzeltätigkeit zu tragen hat, ist noch offen. Über eine von Opfern des DDR-Regimes erstattete Anzeige wegen Mordes im Fall Ohnesorg will die Berliner Justiz in den nächsten Tagen entscheiden. Ein neuerliches verfahren gegen Kurras gilt bislang als unwahrscheinlich, da ihm wegen des Todesschusses auf Ohnesorg zwei Mal der Prozess wegen fahrlässiger Tötung gemacht wurde und beide Verfahren mit Freispruch mangels Beweisen endeten. Auch gibt es bislang keinerlei Hinweise aus den Stasi-Akten, dass Kurras aus der DDR einen Auftrag zu dieser Tat erhielt.
Offen ist auch, ob die Berliner Verwaltung dienstrechtliche Konsequenzen ziehen kann und will, zum Beispiel die Kürzung seiner Beamtenpension. Kurras soll den Stasi-Akten zufolge zumindest zwischen 1955 und Sommer 1967 Informationen über Interna der Berliner Polizei und des Verfassungsschutzes in die DDR gemeldet haben, darunter auch Aktionen gegen mutmaßliche Spione in West-Berlin.
Die DDR-Staatssicherheit soll nach dem Todesschuss auf Ohnesorg am 2. Juni 1967 den Kontakt zu Kurras reduziert haben, ein letztes Treffen ist in den Unterlagen im März 1976 vermerkt.
Die Unterlagen über Kurras wurden von Wissenschaftlern in der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin entdeckt und vergangene Woche publik gemacht. Die Bundesbeauftragte Marianne Birthler wollte sich zuletzt nicht direkt zum Fall Kurras äußern.
Der Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin warf der Behörde vor, die Hinterlassenschaft der Stasi nicht systematisch zu erschließen. Es sei ein Skandal, dass rein zufällig entdeckt wurde, dass Kurras Stasi-Mitarbeiter gewesen sei, sagte der Leiter des Forschungsverbundes, Klaus Schroeder. Die Behörde erschließe das Material nur zurückhaltend und nicht nach neuesten Methoden. Die Akten sollten deshalb schnell an das Bundesarchiv gegeben werden.
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(SZ vom 25.5./aho/lala)
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Wie auch?
Selbst WENN nun endgültig klar ist, dass der Prozess eigentlich erneut aufgerollt werden müsste, selbst WENN jedem mittlerweile klar sein muss, dass hier nie und nimmer Notwehr vorlag (das wäre dann im besten Fall Totschlag!), ja, selbst DANN braucht Kurras kein Angst haben. Denn wenn Kurras verurteilt würde, könnte das eine Lawine auslösen, einen Tabubruch bewirken. Man könnte dann möglicherweise scharenweise prügelnde und schiesswütige Polizisten belangen. Das aber wird nie passieren. Wir sind schliesslich in Deutschland.
DW
Die Stasi hatte ihre Leute im Westen, und wir hatten unsere im Osten.
Das war üblich. Jedder Staat hatte einen Verfassungs- oder Staatsschutz, so wie er eine Post hatte. So what ?
Ich finde man sollte mal über das Verhalten der Polizei im allgemeinen nachdenken.
Kurras hatte 67 jemanden erschossen.
Das Verfahren wurde wegen Mangel an Beweisen eingestellt.
Ein Augenzeuge wurde nicht als Zeuge zugelassen, weil er noch ein Kind war.
Die Polizei hat die Tat vertuscht und zwar mit allen ihren Möglichkeiten.
Jetzt stellt sich heraus, Kurras war ein Stasi - Mann.
Oh wie groß ist die Empörung!
Kurras hat sich auf Notwehr berufen.
Was macht es da für einen Unterschied, ob er bei der Stasi war oder nicht?
Vor ein paar Wochen wurde in Regensburg jemand von der Polizei erschossen.
Aussage der Polizei: Er hat 8! bewaffnete Beamte mit einem Küchenmesser in die Enge getrieben.
Er wurde mit mehr als einem Dutzend Kugeln durchlöchert.
Wer glaubt, daß in Regensburg alles getan wird um die Sache aufzuklären, der lebt hinterm Mond.
Fälle von Polizeigewalt werden regelmäsig vertuscht.
Ein Polizist wird nicht von seinen Kollegen angeschwärzt.
Anderen Zeugen wird, wenn vorhanden, nicht geglaubt, wenn die Aussage eines Polizisten dagegen spricht.
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Karl-Heinz Kurras hat nicht nur hinterhältig und kaltblütig einen wehrlosen Menschen ermordet, er hat auch als Polizeibeamter für den Geheimdienst des Gegners gearbeitet und als Maulwurf seine eigenen Kollegen verraten.
Eine Ironie des Schicksals ist es wohl, dass ihn seine Kollegen, die er ausspionierte, durch Falschaussagen vor einer Verurteilung bewarten.
Er selbst sieht nicht nur daran keinen Grund, sich zu schämen, er bezieht auch noch von dem Staat gegen den er spioniert hatte, eine Pension.
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