Clement ist Provokateur und Personifikation der Agenda 2010: Der Rachefeldzug der Gegner gilt beidem.
Der SPD-Spitze kann man in diesen Monaten allerlei vorwerfen. An dem Spektakel, zu dem sich der Fall Wolfgang Clement entwickelt, trägt sie jedoch keine erkennbare Schuld. Der Parteivorsitzende Kurt Beck hatte frühzeitig zu verstehen gegeben, dass er von einem Parteiordnungsverfahren, geschweige denn einem Ausschluss, nichts hält. Dass aber die Spitze der nordrhein-westfälischen Sozialdemokraten genug getan hat, den ebenso kleinkarierten wie verhängnisvollen Rachefeldzug einiger Ortsvereinsvertreter rechtzeitig zu stoppen, darf man bezweifeln.
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Mit Hochmut und Hoffart hat Wolfgang Clement seine Partei oft genug brüskiert und provoziert. (© Foto: dpa)
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Klar ist, dass Clement das Seine dazu beigetragen hat, um diese Auseinandersetzung zu befeuern. Mit Hochmut und Hoffart hat er seine Partei oft genug brüskiert und provoziert, nicht erst seit seinen Äußerungen im hessischen Landtagswahlkampf.
Doch wenn jeder Hochmütige und Hoffärtige aus der Partei geworfen würde, würde die SPD noch stärker schrumpfen und in ihren Führungsriegen würden einige Stühle frei. Die Entscheidung der nordrhein-westfälischen Schiedskommission ist nicht nur dumm, sie ist für die Bundes-SPD ein Debakel. Clement mag arrogant sein und viele Fehler gemacht haben - der Tritt gegen einen Mann, der sich 38 Jahre für die SPD eingesetzt hat, ist unangemessen. Und er ist töricht, weil sich auf diese Weise zeigt, wie schlecht es in Teilen der SPD um Meinungsfreiheit und Toleranz bestellt ist.
Die Bundes-SPD mag sich ärgern. Fürchten freilich muss sie Schlimmeres. Mit der Causa Clement bricht der Streit über die Politik der Regierung Gerhard Schröders und auch über die künftige Richtung neu auf. Den innerparteilichen Gegnern Clements geht es längst nicht mehr darum, ob ein früherer SPD-Vize ihm unliebsame Energiepläne der Hessen-SPD geißeln darf.
Für sie ist Clement das Symbol für die verhasste Agenda-Politik. Nichts beweist dies besser als die Klage des Bochumer Ortsvereinsvorsitzenden und Anti-Clement-Aktivisten Rudolf Malzahn, die SPD habe durch die Agenda 2010 Zehntausende Mitglieder sowie Millionen Wähler verloren.
Nach dieser Logik müsste man allerdings auch Schröder und Müntefering das Parteibuch nehmen. Menschen aus der sogenannten Mitte werden sich gut überlegen, ob sie bei der Bundestagswahl 2009 einer SPD die Stimme geben, die mit der rot-grünen Reformpolitik gar nichts mehr zu tun haben will, selbst wenn der Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier heißen sollte.
Schon jetzt brechen die Gräben zwischen Linken und Rechten in der Partei neu auf. Linke Landespolitiker befürworten den Rauswurf, der konservative Flügel ist entsetzt; Beck und seine Leute auch. Sie hoffen, dass die Bundesschiedskommission die Angelegenheit aus der Welt räumt. Das aber dürfte in der SPD für schwere Verwerfungen sorgen. Clement hat der Partei geschadet, ohne Zweifel; der Ausschluß Clements schadet ihr auch. Womöglich sind auch hier die letzten Dinge schlimmer als die ersten.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 01.08.2008/woja)
@michelmicha: Schön was Sie da alles schreiben, es hat nur leider nichts mit dem zu tun auf was ich mich bezog. Nochmal: Ich schrieb im weitesten Sinne über Erwerbslosigkeit und deren Begleitumstände Sie beziehen sich auf Niedriglöhner und den allgemeinen Rückgang der Löhne.
Bis auf ein paar Details kann ich Ihnen da sogar zustimmen, das ändert jedoch nichts an meinen Ausführungen zu HartzIV.
Zitat:
"Das Übel ist einzig und alleine die Erwerbslosigkeit, ..."
Falsch, wenn Sie erlauben: Das Übel ist das schamlose Herabdrücken der Löhne und Gehälter der [noch] Erwerbstätigen, bis knapp vor dem Punkt, den die Hartz IV-Empfänger ohnehin bereits erreicht haben -- auch weniger-Ausgebildete sind nicht blöd: warum sollen diese sich ausbeuten lassen, wenn sie sehen, dass ehrliche Arbeit, relativ zum Aufwand, auch nicht viel mehr bringt. Ich würde da auch nicht nach Arbeit schauen, sondern zusehen, wie ich mich anders arrangiere.
Auch @filius hat das nicht begriffen, zumal er @roknas "von unten nach oben" nicht verarbeiten kann. Entlohnung für A r b e i t (nicht das Getue in den Vorstandszimmern) nähert sich mittlerweile gefährlich dem Sozialhilfe-Niveau.
D.h. für mich, dass die Gewinne, die erwirtschaftet werden, zu einem grösseren Teil als früher in die Taschen der Unternehmen und damit zu den Kapitalhaltern hinfliessen: die Reichen steigern dabei ihren Bestand, die Subsistenz der Lohnabhängigen wird aber systematisch veringert (auch dank Clement et al.) -- also diese Umverteilung des Erwirtschafteten weg von dem Arbeiter und hin zu den Unternehmen und denen dahinter ist hier gemeint.
Elmar Altvater gibt in seiner Kapitalismuskritik dem Neo-Liberalismus nicht mehr lange, denn a.G. der Verzerrungen sind bereits heute Zeichen erkennbar, dass Globalisierung fast am Ende ist (hat irgendwer die WTO-Verhandlungen in Genf verfolgt?).
Unsere Politik ist zu feige, sich den Tatsachen zu stellen (EU EPAs z.B. sind unmoralisch) und sie wird nun vorgeführt von den Schwellenländern, China, Indien, Brasilien usw.. Erst wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, kann eine andere Politik wie die dieses Clement möglich werden.
Also wird Stütze kassiert und mit Gelegenheitsarbeiten unter der Hand supplementiert, aber auch da sind Verzerrungen festzustellen: Ich brauchte mal zwei Mann, die mir bei einem Umzug helfen sollten -- unter 20/Std wollten die garnicht erscheinen. Freunde haben mir dann geholfen, denn das war auch mit zu unverschämt.
@nicknorris:
Sie Schreiben: "Am 1.1.04 trat dann HartzIV in Kraft und übereignete Millionen Langzeitarbeitslose dem sozialen Elend. "
Würden ihrer Meinung nach diese Millionen von Arbeitslosen ohne HartzIV heute in Villen wohnen?
Ich kann es nicht mehr hören: HartzIV mag unausgewogen, bürokratisch, und wenig menschenfreundlich sein: An der Armut der Arbeitslosen ist es unschuldig, dafür ist und war ganz alleine die Arbeitslosigkeit ursächlich. Kein Erwerb, keine Reichtümer, da ist es völlig egal ob die Alimentierung nun Sozialhilfe, AlgII oder sonstwie heisst und 2,50 EUR Höher oder niedriger ausfällt.
Wenn sie also der rot-Grün Regierung irgendetwas vorwerfen dann bitte das auch sie es nicht geschafft haben Erwerbslosen genügend Arbeitsstellen zu schaffen um sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen (aber wer hätte das geschaftt?).
Es würde uns allen mehr helfen wenn man sich endlich von der Scheindebatte um das völlig unwichtige HartzIV Symptom entfernen würde und dafür die Energien in das Ziel investiert Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Das Übel ist einzig und alleine die Erwerbslosigkeit, der Streit um die Details des sozialen Ausgleichs dieser sind angesichts dieses monumentalen Problems nebensächliche Zeitverschwendung, auch und gerade für diejenigen die darunter zu leiden haben.
Außer massiven wirtschaftlichen Verschlechterungen für die Kernklientel der SPD bei gleichzeitigen massiven wirtschaftlichen Verbesserungen mit noch nie(!) da gewesenen höchsten Profiten für die Lieblingsklientel der CDU hat Clemens (genauso wie der Genosse der Bosse, Schröder) nichts gebracht.
Normal müsste man auch noch jene bestrafen, die dieses Kuckucksei in die SPD gebracht haben.
Ich beanspruche keine "Deutungshoheit" sondern mir genügen meine Erfahrungen, die ich in 47 Jahren SPD-Mitgliedschaft gesammelt habe.
Von daher weiß ich, dass die Agenda-SPDisten und ihr "Seeheimer Kreis" die Totengräber der wahrhaftigen sozialdemokratischen SPD sind. Da können Sie tausendmal anderer Meinung sein, mein Lieber.....
Paging