In den frühen Jahren der Republik aber waren schon außereheliche Kontakte brandgefährlich, wie Paul Nevermann erfahren musste. Der Sozialdemokrat, nach 1960 Erster Bürgermeister Hamburgs, führte eine außereheliche Beziehung. Solange darüber geschwiegen wurde, war - politisch gesehen - für ihn alles in bester Ordnung. Seine Frau Grete aber machte das Spiel irgendwann nicht mehr mit, weigerte sich beim Staatsbesuch der britischen Queen Elizabeth II. an seiner Seite zu stehen.
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Der Erpressungsversuch durch Roland Barnabas Schill scheiterte: Der CDU-Politiker Ole von Beust blieb auch nach seinem Eingeständnis, homosexuell zu sein, ein beliebter Erster Bürgermeister in Hamburg. (© dpa)
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Zu einem Politikum wurde Nevermanns Privatleben durch die viel kritisierte Berichterstattung der Springer-Medien. Die hatten aus dem Verhältnis eine Staatsaffäre gemacht, die den SPD-Politiker schließlich im Juni 1965 sein Amt kostete. Nevermann war den Verlegern der Bild-Zeitung angeblich dabei im Weg, ein werbefinanziertes Privatfernsehen in Deutschland zu etablieren.
Heute sind solche Verfehlungen kein Rücktrittsgrund mehr, nicht mal in den konservativen Parteien. Horst Seehofer wurde zum CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten gewählt, obwohl er ein uneheliches Kind gezeugt hatte - und in der Partei viel getuschelt wurde. Auch die vielen Ehen des Gerhard Schröder haben die Menschen nicht gehindert, ihn zum Bundeskanzler zu wählen. Wenn sich Persönlichkeiten wie Helmut Kohl und Franz Müntefering wesentlich jüngeren Partnerinnen zuwenden, wird vielleicht kurz die Nase gerümpft. Jemanden deshalb ins politische Abseits zu stellen, kommt kaum noch einem in den Sinn.
Wer eine öffentliche Person wegen moralisch anstößigen Verhaltens zum Rücktritt zwingen will, muss schwerere Geschütze auffahren. Außerdem müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein: Der Betroffene muss sich der moralischen Verfehlung bewusst sein und sie deshalb verschweigen. Er muss wichtige Ämter bekleiden oder sie anstreben. Die Beweise müssen eindeutig sein. Im besten Fall liegen sie exklusiv in der Hand desjenigen, der sie politisch instrumentalisieren will.
Im Fall Boetticher waren offenbar alle Bedingungen erfüllt.
Im schlimmsten Fall versuchen Intriganten, sich Informationen zu beschaffen, die dem Gegner schaden können. In der Barschel-Affäre hat die CDU Detekteien beauftragt, um dem SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm homosexuelle Neigungen anhängen zu können. Der CDU-Politiker wurde später tot in einer Badewanne in einem Schweizer Hotel gefunden. Auch Engholm musste als Ministerpräsident und Kanzlerkandidat zurücktreten, weil er früher als angegeben von den Spitzeleien erfahren hatte.
Doch wie auch immer solche Verfehlungen ans Licht kommen: Ob es zum Rücktritt reicht, hängt von den gesellschaftlichen Verhältnissen ab. Ein Skandal ist eben erst dann ein Skandal, wenn die herrschenden Moralvorstellungen massiv verletzt werden. Uneheliche Kinder und Homosexualität gehören längst nicht mehr dazu. Die Zeiten für Intriganten sind schwerer geworden.
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(sueddeutsche.de/mati/bön)
Reiseknigge: Türkei
Meist diejenigen die es gerade nötig haben.
Was heißt denn hier unmoralisch? Wer entscheidet das? Die sog. öffentliche Meinung? Erwas Ungreifbares wird eine Moralinstanz.
Also jetzt hörts es aber auf. Solange keiner von beiden Gesetze verletzt hat, ist das deren beider Sache.
Für die Königsmörder natürlich ein gefundenes Fressen. Wieso habt ihr ihn den nicht demokratisch abgewählt? Da hattet ihr wohl keine Traute, liebe Parteifreunde, oder wie seh ich das?
Zwar bin ich absolut Ihrer Meinung, was die Bundesländerreform angeht, IMHO müsste sie dergestalt sein, dass dieselben abgeschafft werden, aber als die Beziehung anfing, war CvB noch nicht Vorsitzender und Spitzenkandidat.
Er hat die Beziehung beendet und kehrte kurz darauf zu seiner früheren zurück, bevor er sich so in den Vordergrund gebracht hatte.
Ich habe von ihm vorher noch nicht viel gehört und fand schon beim ersten Mal, dass er auftritt wie Ernie in "Stromberg". Auf seine Weise auch ein bisschen sympathisch, aber eben von seinen Ansichten her zu konservativ.
Losgelöst von seiner Person habe ich grundsätzlich nichts gegen eine solche Beziehung. Sie ist genauso legitim wie die zwischen zwei Männern, zwei Frauen, einem 60Jährigen und einer 30Jährigen oder oder oder... solange sich nur beide einig sind, was der Fall war.
Ihm ein rein sexuelles Interesse zu unterstellen, steht niemandem zu. Mit 24 habe ich selbst eine 14Jährige kennen gelernt, die mittlerweile Mutter meiner Tochter ist.
Ich habe die gleichen Anfeindungen, die gleichen "Argumente" von wegen Gefälle, Macht, Teenie-Spleen und sogar Pädo-philie ertragen müssen. Die Zeit sollte uns Recht geben, heute ist die Beziehung ganz selbstverständlich und sie war von Anfang an gleichberechtigt.
Die Gesellschaft hat große Schwierigkeiten mit allem, was "anders ist". Das war seinerzeit mit Homosexualität so oder mit Unehelichkeit und heute gibt es eine hysterische Tendenz, die (Klein-)Kindheit vor allem von Mädchen am besten bis in die frühen Zwanziger zu verlängern!
*Das* halte ich als Vater einer Tochter für wesentlich gefährlicher für die Psyche eines Mädchens als eine Beziehung mit Altersunterschied. Diese mag kaputt gehen, es mögen dort Spannungen geben und Dinge, die man später bereut, aber das passiert auch mit gleichaltrigen Beziehungen! Wie ich schon schrieb, da mussten die meisten von uns einmal durch.
Und persönlich denke ich, auch vor dem Hintergrund der sehr erfolgreichen Beziehung zu meiner Frau, dass ich meiner Tochter eher einen Mann wünsche, der sich aufrichtig in sie verliebt und dafür die Anfeindungen von Spießbürgern und Besserwissern erträgt (CvB tat das nicht und *das* würde ich ihm eher vorwerfen!) als ein halbstarker Gleichaltriger, der sich nur die Hörner abstoßen will.
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So schlimm wird es für CvB nicht werden.
Irgend ein Pöstchen bei irgendeinem Lobbyisten wird sich finden, dazu ein netter Platz in einer wohlhabenden Anwaltssozietät...
Kann sich jeder hier selbst ein Bild machen:
"In Clark County im US-Bundesstaat Nevada, dessen Verwaltungssitz Las Vegas ist, ist eine Heiratsurkunde hinterlegt. Danach hat Christian von Boetticher am 15. Oktober 2010 Anna Christina Hinze geheiratet (Marriage Certificate Nr.: 20101015000751090).
Elf Jahre lang ist der Politiker bereits mit Hinze zusammen.
Ob er die Beziehung während seiner Affäre mit einer 16-Jährigen weitergeführt hat, dazu gibt es unterschiedliche Angaben.
Unter Tränen sagte von Boetticher am Sonntag in der Pressekonferenz: „Ich habe zu diesem Zeitpunkt (der Teenager-Affäre, d. Red.) keinerlei Beziehung zu einer anderen Frau gepflegt.“
Die WELT hingegen schreibt, dass es keine Beziehungspause gab.
JA, er sei im Frühjahr 2010 „mehrere Monate lang“ mit einer „jungen Frau“ zusammen gewesen. NEIN, das sei keine „Affäre“ gewesen – schließlich habe er ja damals keine andere Beziehung gehabt.
Und trotzdem bleibt ein schales Gefühl. Denn Marie (geboren im Februar 1994) war wohl erst 15, als die beiden sich über Facebook Anfang 2010 kennenlernten.
Sex beim ersten Treffen
Sie sollen sich Hunderte Mails und SMS geschrieben haben. „Monate später folgte dann das erste persönliche Treffen im Steigenberger in Düsseldorf“, soll die junge Frau der Zeitung „Express“ gesagt haben.
Sie habe auch erzählt, dass sie dort Sex hatten. „Zwei Tage blieben wir im Hotel“, wird die Düsseldorferin im „Express“ zitiert.
Wer hat Schluss gemacht?
„Er sagte, dass er nicht mehr könne. Er müsse sich auf seine politische Arbeit konzentrieren. Ich solle warten, bis ich 18 bin, dann hätten wir keine Probleme mehr“, sagte Marie T. (heute 17, Name von der Red. geändert) dem „Express“.
Doch laut der Zeitung hatte das Mädchen daran kein Interesse. „Ich habe schließlich gebeten, dass er sich nicht mehr bei mir meldet. Daran hat er sich auch gehalten.“
Montagnachmittag – nur einen Tag nach dem Rücktritt ihres Ex-Geliebten – schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“ (Quelle: bild.de)
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