Mittwoch, 19. Oktober 1977 - Um 16.21 Uhr meldet sich ein weibliches RAF-Mitglied telefonisch beim Stuttgarter dpa-Büro: "Wir haben nach 43 Tagen Hanns Martin Schleyers klägliche und korrupte Existenz beendet."
Über die Ermordung von Hanns Martin Schleyer gibt es auch 30 Jahre danach nur Berichte aus zweiter Hand. Nur einer der Entführer, Peter-Jürgen Boock, der damals in Bagdad war, machte später einige Angaben.
Bundeskanzler Helmut Schmidt kondoliert der Witwe des Ermordeten, Waltrude Schleyer. In der Stuttgarter Sankt Eberhardskirche fand am 25. Oktober 1977 die Trauerfeier für den von Terroristen der RAF entführten und später ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer statt. (© Foto: dpa)
Anzeige
Nach der glücklichen Geiselbefreiung in Mogadischu und den Selbstmorden der ersten Garde der RAF in Stuttgart-Stammheim beschließen die Terroristen, den Arbeitgeberpräsidenten zu töten. Eine Freilassung, behauptete Stefan Wisniewski 1997 "wäre nicht als menschliche Geste verstanden worden, sondern als Eingeständnis der Niederlage".
So muss Schleyer in Brüssel erneut in den Kofferraum eines Autos steigen, die Entführer fahren über die Grenze in einen Wald in Frankreich. Schleyer wird gezwungen, ein paar Schritte zu gehen, dann wird der 62-Jährige von hinten mit drei Kopfschüssen getötet.
Der Mord geschah zwischen dem 18. Oktober, 13 Uhr, und dem 19. Oktober, 1 Uhr. Jüngst hat Boock Wisniewski und Rolf Heißler als Todesschützen bezeichnet. Von der Waffe fehlt bis heute jede Spur.
Um 16.21 Uhr meldet sich ein weibliches RAF-Mitglied telefonisch beim Stuttgarter dpa-Büro und gibt eine Erklärung ab: "Wir haben nach 43 Tagen Hanns Martin Schleyers klägliche und korrupte Existenz beendet. Herr Schmidt, der in seinem Machtkalkül von Anfang an mit Schleyers Tod spekulierte, kann ihn in der Rue Charles Peguy in Mulhouse in einem grünen Audi 100 mit Bad Homburger Kennzeichen abholen. Für unseren Schmerz und unsere Wut über die Massaker von Mogadischu und Stammheim ist sein Tod bedeutungslos . . ." Um 21.11 Uhr wird die Leiche Schleyers im elsässischen Mühlhausen gefunden.
Die bitterste Stunde
Justizminister Hans-Jochen Vogel beschrieb die Situation im Rückblick so: "Für alle, die wochenlang bemüht gewesen waren, sein Leben zu retten, ohne die Schutzfähigkeit des Staates zu erschüttern, war das die bitterste Stunde. Ich fühlte mich als Mitverursacher seines Todes, auch wenn ich glaubte und heute noch glaube, mir keinen Schuldvorwurf machen zu müssen. Aber letzte Sicherheit vermag ich in diesem Punkt nicht zu gewinnen."
Kanzler Helmut Schmidt sagt am 20. Oktober im Bundestag: "Wer weiß, dass er so oder so, trotz allen Bemühens, mit Versäumnis und Schuld belastet sein wird, wie immer er handelt, der wird von sich selbst nicht sagen wollen, er habe alles getan und alles sei richtig gewesen.
Er wird nicht versuchen, Schuld und Versäumnis den anderen zuzuschieben; denn er weiß: Die anderen stehen vor der gleichen unausweichlichen Verstrickung. Wohl aber wird er sagen dürfen: Dieses und dieses haben wir entschieden, jenes und jenes haben wir aus diesen oder jenen Gründen unterlassen. Alles dies haben wir zu verantworten."
Beim Staatsakt für den ermordeten Arbeitgeberpräsidenten am 25. Oktober in Stuttgart spricht Bundespräsident Walter Scheel vom "furchtbaren Dilemma" der politisch Verantwortlichen und dankt der Familie, dass sie in all den schweren Wochen ein Höchstmaß an Würde gezeigt habe.
Den Mord nennt er "einen Einschnitt in die Geschichte der Bundesrepublik". Scheel: "Im Namen aller deutschen Bürger bitte ich Sie, die Angehörigen von Hanns Martin Schleyer, um Vergebung." Witwe Waltrude Schleyer sagte jüngst in einem Interview: "Ich habe mich nie damit abgefunden, dass der Staat meinen Mann geopfert hat. Ich muss das akzeptieren, aber verstehen kann ich es nicht."
Außer Christian Klar sind alle wieder frei
Zur RAF sagte die heute 91-Jährige: "Die Täter haben sich bis heute nicht bei mir und meinen Söhnen gemeldet. Es gab kein Wort der Entschuldigung."
Sofort nach dem Mord wird eine öffentliche Großfahndung gestartet. 17 der 20 an der Entführung beteiligten Terroristen werden später gefasst und verurteilt, zehn davon wegen des Schleyer-Mords - mit Ausnahme von Christian Klar sind inzwischen alle wieder aus dem Gefängnis entlassen; zwei verdächtige RAF-Mitglieder wurden von der Polizei erschossen, Friederike Krabbe wird noch immer gesucht.
Auf einer Pressekonferenz äußern die Verteidiger von Andreas Baader und Gudrun Ensslin Zweifel, dass ihre Mandanten Selbstmord begangen haben. In Rom, London und Paris kommt es zu teils gewalttätigen anti-deutschen Demonstrationen.
RAF-Sympathisanten werfen der Regierung "Mord" an den Stammheimer Gefangenen vor. Die zynische Erklärung der RAF zum Schleyer-Mord endet mit der Botschaft: "Der Kampf hat erst begonnen."
Ende der Serie
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 19.10.2007)
lieber AK871:
ich wüsste nicht dass ich in meinem Kommentar ein Mord gerechtfertigt hätte. Ich hab nur etwas über die Vergangenheit des HMS erwähnt die in der Öffentlichkeit (Medien) nie ein Kommentar wert war und ist. Stattdessen wird dieser Massenmör.der (oder Helfer) als DAS Opfer der R@F dargestellt. Was ist mit den anderen "unberühmten" Opfern?
Ausserdem wurden die Hintergründe dieses Attentats nie vollständig offengelegt. Es sind alles Halbwahrheiten (vermutlich eher Halbunwahrheiten) die uns der Bevölkerung häppchenweise vorgeworfen werden einem Hund ein Stück Knochen.
Im Übrigen tun mir solche Leute wie HMS es war herzlich wenig leid.
scheint Ihnen ja sehr wichtig zu sein, sich selbst entlastet zu fühlen von jedwedem faschistischem Gedankengut. Sie werden verzeihen, wenn mit meine Zeit zu schade ist, mich weiter damit zu beschäftigen, ob und wenn ja in welcher Form vor Äusserung einer Meinung Selbstverständlichkeiten ausgetauscht werden müssen, vor allem auch in welchem Umfang, damit dann zum wesentlichen auch mal was gesagt werden kann. Ich hab gesagt, was ich zu sagen hatte.
...Ich bin bloß stinkig, weil ich in die braune Ecke gestellt werde. Jetzt habe ich mich wieder eingekriegt und besteh nicht mehr auf irgeneiner Begründung.
Geärgert habe ich micht trotzdem.
Schönen Tag auch..
"Entweder Sie begründen Ihre Ansichten mir gegenüber mit entsprechenden Belegen"
Ansichten braucht man nicht zu belegen, denn sonst wären es ja keine Ansichten mehr sondern Tatsachen.
Im Übrigen ist das heir kein rechtswissenschaftliches Seminar für Studienanfänger, sondern ein Kommentarblog für SZ-Leser.
Das angesichts der Geschichte eines Herrn Schleyer, seine Ermordung gerechtfertigt war? Und das, wenn man mit einer "platten Selbstverständlichkeit" darauf hinweist, das ein Mord durch nichts zu rechtfertigen ist, man automatisch den fas*hischtischen Abschnitt der deutschen Geschichte und die Verstrickung einzelner leugnet?
Die "platte Selbstvertsändlichkeit" wird aber nicht von denjenigen Kommentatoren angeführt, die, mE richtig, auf die Geschichte des Herrn Schleyer hinweisen. So selbstverständlich scheint das dann doch nicht zu sein.
Sie finden in meinen Kommentaren keine fas*chistischen Gedanken, genauso wenig, wie Sie in den vorangegangenen anderen Kommentaren diese "Grundsätzlichkeiten" oder "platten Selbstverständlichkeiten" finden werden.
Entweder Sie begründen Ihre Ansichten mir gegenüber mit entsprechenden Belegen, dann können wir uns darüber unterhalten, oder Sie machen halt weiter mit Ihren Andeutungen, Anschein und Zutrauen. Dann haben Sie aber auch das Rückrat, zu sagen, dass Sie nix gefunden haben.
Höfliche Grüße
Paging