Nach den schweren Ausschreitungen vom Wochenende ist es in Rostock erneut zu Zusammenstößen zwischen Autonomen und Sicherheitskräften gekommen - 66 Demonstranten wurden festgenommen.

10.000 Menschen haben nach Polizeiangaben am Montag in Rostock weitgehend friedlich für bessere Lebensbedingungen von Ausländern demonstriert. Die Polizei zeigte deutlich mehr Präsenz als am Samstag - personell als auch mit Wasserwerfern und Räumpanzern.

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Insgesamt wurden 66 Demonstranten meist wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot festgenommen. Vereinzelt holten die Beamten auch Teilnehmer aus der Menge, denen eine Beteiligung an den schweren Ausschreitungen vom Samstag vorgeworfen wird. Am Samstag waren am Rande der Anti-G8-Großdemonstration in Rostock fast 1000 Menschen verletzt worden, Dutzende davon schwer.

Am Montag gab es immer wieder vereinzelte Ausschreitungen. Steine seien geworfen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Unter den Demonstranten waren den Informationen zufolge etwa 2000 dem so genannten "schwarzen Block" zuzurechnen. Diese seien teilweise vermummt und trügen Schutzkleidung.

Rangeleien mit Polizisten

Bereits am Vormittag war es am Rande einer ansonsten friedlichen Demonstration gegen die Asylpolitik der G-8-Staaten zu Rangeleien zwischen etwa 400 teilweise vermummten Autonomen und mehreren Hundertschaften der Polizei gekommen.

Bei der Demonstration forderten etwa 1000 Teilnehmer vor dem "Sonnenblumenhaus" im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen mehr Bewegungsfreiheit für Migranten und eine Umkehr in der Asylpolitik.

1992 hatten Neonazis in dem Haus tagelang unter dem Beifall von Anwohnern vietnamesische Flüchtlinge angegriffen und den Plattenbau in Brand gesetzt.

Am Morgen hatten bereits mehrere hundert Anti-G-8-Demonstranten kurzfristig die Rostocker Ausländerbehörde blockiert, um damit gegen die geltende Asylpolitik und die Ausgrenzung von Ausländern in Deutschland zu protestieren.

Nach Polizeiangaben beteiligten sich etwa 1000 Menschen an der friedlichen Aktion, die unter dem Motto stand: "Für globale Bewegungsfreiheit - gleiche Rechte für alle." Die Veranstalter begründeten die kurze Blockade damit, dass in Ausländerämtern Flüchtlinge und Migranten "täglich schikaniert und verfolgt" würden.

Vorwürfe gegen Attac

Wirtschaftsminister Michael Glos hat unterdessen den friedlichen Globalisierungsgegnern eine Mitschuld an den schweren Krawallen von Rostock am Wochenende gegeben.

"Die Organisatoren haben wissen müssen, auf welches Spiel sie sich einlassen", sagte der CSU-Politiker in der N24-Sendung "Was erlauben Strunz" laut Vorabmeldung.

Es gehöre schon sehr viel Blauäugigkeit dazu, zu glauben, man könne einen solchen Protest insgesamt friedlich gestalten. Mit den Krawallen sei vor allem auch das Anliegen von Attac diskreditiert worden.

Das Netzwerk Attac räumte unterdessen eigene Fehler ein. Im Hinblick auf die Randalierer sei zuvor nicht in aller Schärfe gesagt worden: "Wir wollen euch nicht sehen, wir wollen euch nicht dabei haben", sagte Attac-Sprecher Peter Wahl im NDR-Inforadio.

"Das hätte mit viel größerer Klarheit formuliert werden sollen und ich denke, dass es jetzt zwingend notwendig ist, dies heute und für die nächsten Tage noch einmal sehr deutlich zu tun."

20 Prozent Ausländer

Das Innenministerium wies unterdessen die von vielen Seiten geäußerte Kritik zurück, dass potentielle Gewalttäter an den deutschen Grenzen nicht genügend kontrolliert worden seien. Diese Kritik sei verfrüht, hieß es. Seit der Wiedereinführung der Grenzkontrollen vor einigen Wochen im Zusammenhang mit dem G-8-Gipfel seien etwa 500.000 Personen überprüft worden.

Dabei seien 85 Personen zurückgewiesen und 35 offene Haftbefehle vollstreckt worden. Die Kritik war laut geworden, weil unter den Gewalttätern mehrere Ausländer waren.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums stammen bis zu 20 Prozent der nach den Ausschreitungen in Rostock festgenommenen Gewalttäter aus dem Ausland.

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(AP/AFP/dpa)