Demonstration gegen Kohle-Tagebau in Garzweiler Bagger interessieren sich nicht für Demonstranten

"Dringend nötig", sei so eine Abgabe, sagt Bernd Brinkmeier, der Kohleausstieg müsse beschleunigt werden. Der Elektroingenieur mit dem grauen Bart ist aus Aachen gekommen. Der Kampf gegen die Kohle zieht sich durch sein Leben: "Wir haben schon vor 30 Jahren gegen die Pläne für Garzweiler II demonstriert. Zwischendurch resigniert man immer wieder, aber jetzt muss es weiter gehen." Der Ausbau der Erneuerbaren stagniere, die Förderung gehe zurück. Und die Kohlelobby mache mobil, wie heute in Berlin.

100 000 Arbeitsplätze seien gefährdet, zum Beispiel im Rheinland und der Lausitz, heißt es dort auf der Gewerkschaftsdemo. Das Umweltbundesamt kommt zwar nur auf 4700, aber das spielt an diesem Demosamstag keine große Rolle. Es geht schließlich um Mobilisierung und Symbole. Dafür ist das Wirtschaftsministerium sicher ein guter Ort, aber Garzweiler ist auch nicht schlecht.

Bagger interessieren sich nicht für Demonstranten, sie fahren weiter durch die braun-schwarze Grube, durch Deutschlands größtes Loch. Jedes Jahr will RWE im Tagebau Garzweiler bis zu 45 Millionen Tonnen Kohle aus der Erde holen. Vor dem Loch steht Dirk Jansen in grüner Regenjacke und Baseballcap, breitet die Arme aus und sagt: "Das ist ja keine Agrarlandschaft mehr, das ist eine Industrielandschaft." Er organisiert die Menschenkette für den BUND Nordrhein-Westfalen mit und hält die Zahlen der Gewerkschaft für völlig übertrieben. Dann muss er auf seinem Fahrrad los, die Menschen in der Kette zählen.

"Gegen Kohle mach ich alles"

6000 hat er gezählt - die Polizei spricht von "Tausenden". Es sind auf jeden Fall weniger, als die Veranstalter gehofft haben, dennoch verkündet um 14.09 Uhr ein Organisator per Megaphon: "Die Kette steht!". Jubel bricht aus unter den Demonstranten, auf ihren Transparenten steht: "Kohle stoppen - Klima schützen"; auf ihren T-Shirts: "Gegen Kohle mach' ich alles". Lücken zwischen den Menschen haben sie mit gelben Bändern überbrückt.

Für Gabriel wird es hart werden, seinen Vorschlag durchzusetzen. Nicht nur die Gewerkschaften leisten Widerstand, auch Teile der eigenen Partei. Die NRW-SPD ist traditionell nah an der Kohleindustrie und ihren Gewerkschaften in Brandenburg hat die rot-rote Landesregierung 2014 einen neuen Braunkohletagebau des Konzerns Vattenfall erlaubt. Die CDU schießt in der Frage ohnehin gegen Gabriel. Ihr NRW-Chef Armin Laschet ließ am Samstag verlauten: "Es gibt kein Moralmonopol für Klimaschutz."

Der Boden unter ihren Füßen

Wenn in Deutschland Konzerne Braunkohle fördern wollen, müssen ganze Dörfer weichen - und mit ihnen ihre Bewohner. Ein Besuch bei Menschen, die ihre alte Heimat verloren haben. Aus der Lausitz von Nakissa Salavati mehr ...

Gabriel warf der CDU in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung falsches Spiel vor, er habe seinen Vorschlag natürlich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel abgestimmt. Es müssten nun einmal 22 Millionen Tonnen CO2 im Stromsektor zusätzlich eingespart werden, um das Klimaziel bis 2020 zu erreichen.

Am Sonntag, nach einem Abend mit Gesprächsrunden, Musik und Reden, werden die Tausenden Klimaschützer wieder aus Immerath verschwunden sein. Sie hinterlassen einen fast leeren Ort. Am neuesten in der Stadt wirkt das Schild an einem Gebäude im Ortskern. Darauf steht: "Sprechstunden RWE Power und Stadt Erkelenz". Und weiter unten findet sich eine Telefonnummer, unter der meldet sich die: "Umsiedlungsbeauftragte des Landes NRW".