"Ich habe die Liebe meines Lebens verloren": Im Prozess gegen den mutmaßlichen KZ-Wärter John Demjanjuk sagen Holocaust-Überlebende aus - der Anwalt des Angeklagten sorgt für einen Eklat.
Im Mord-Prozess gegen den mutmaßlichen KZ-Wachmann John Demjanjuk hat das Landgericht München II weitere Nebenkläger vernommen. Mehrere der betagten Zeugen brachen im Münchner Schwurgericht in Tränen aus, als sie über die Deportation ihrer Eltern und Geschwister und deren Weg in die Gaskammern berichteten.
John Demjanjuk vor Gericht (© Foto: dpa)
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Demjanjuks Wahlverteidiger Ulrich Busch rief erneut Empörung hervor, als er einen Überlebenden fragte: "War nach Ihrem Eindruck die Judenpolizei schlimmer als die Nazis?"
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Er habe gelesen, dass der jüdische Ordnungsdienst im holländischen NS-Sammellager Westerbork schlimmer als die SS gegen zum Abtransport nach Sobibor festgenommenen Juden vorgegangen sei, sagte Busch. Auf Nachfragen des Gerichts und der aufgebrachten Anwälte der Nebenkläger nannte er aber keine Quelle. "Wenn Sie's googeln, finden Sie's", sagte Busch.
Schon am ersten Prozesstag hatte er mit mit der Gleichsetzung Demjanjuks und der jüdischen KZ-Häftlinge als Opfer der Nazis Empörung ausgelöst.
Demjanjuk ist angeklagt, als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor 1943 Beihilfe zum Mord an 27.900 Juden geleistet zu haben. In Sobibor sind mindestens 250.000 Juden getötet worden.
In Sobibor soll der nun greise Angeklagte Kinder, Frauen und Männer in die Gaskammern getrieben haben. Demjanjuk bestreitet die Vorwürfe. Sein Anwalt sieht ihn selbst als Opfer der Nazis, weil er ihnen habe dienen müssen, um nicht selbst getötet zu werden. Wissenschaftler hatten diese Lesart als unrichtig bewertet.
Der 89-Jährige nahm mit geschlossenen Augen im Rollstuhl sitzend am dritten Verhandlungstag teil. Am 2. Dezember war die Verhandlung ausgefallen, weil er Fieber hatte. Im vermutlich letzten großen Prozess um Nazi-Verbrechen belastete keiner der Zeugen Demjanjuk direkt.
"Ich wollte auch deportiert werden"
Der 87-jährige Nebenkläger Philip Jacobs aus Amsterdam sagte vor Gericht, seine Eltern und seine 21-jährige Verlobte Ruth seien von Westerbork deportiert und sofort nach ihrer Ankunft in Sobibor am 23. Juli 1943 vergast worden. "Ich habe die Liebe meines Lebens verloren", sagte Jacobs weinend.
Seine 23-jährige Schwester sei in Auschwitz, seine Freunde in Mauthausen umgebracht worden. "Ich peinige mich oft mit dem Gedanken, warum ich am Leben geblieben bin, warum ich meine Familie allein gelassen habe", sagte der 87-Jährige.
Der 83-jährige Robert Cohen sagte, er habe in Westerbork Strohmatratzen stopfen müssen, während seine Eltern und sein Bruder nach Sobibor gebracht wurden. "Ich wollte auch deportiert werden. Wir waren sehr naiv damals. Ich dachte, ich würde meine Familie dann wiedersehen", sagte Cohen, der später nach Auschwitz-Birkenau kam.
Der Nebenkläger Max Degen aus Amsterdam berichtete, er sei als Dreijähriger bei einer nichtjüdischen Tante versteckt worden und, als er entdeckt wurde, von Widerstandskämpfern "in einen Koffer gesteckt, über eine Mauer geschmissen" und gerettet worden. Sein Bruder, seine Eltern und seine Großeltern wurden in Sobibor vergast.
Der Holocaust-Überlebende Leon Viera aus Amstelveen berichtete, sein Vater und 73 Verwandte seien in verschiedenen Konzentrationslagern ermordet worden. Seine Mutter habe zwar überlebt, sei aber frustriert und böse geworden und habe bis an ihr Lebensende immer eine Pistole bei sich getragen, um sich verteidigen zu können.
Etwa 40 Holocaust-Überlebende nehmen als Nebenkläger an dem Prozess teil. Demjanjuk bestreitet, in Sobibor gewesen zu sein. Wichtigstes Beweismittel der Staatsanwaltschaft sind sein Dienstausweis und Listen der SS für die als Kriegsgefangene rekrutierten KZ-Wachmänner. Das Urteil soll im Mai verkündet werden.
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(AP/Roland Losch/odg/gal)
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Dass die NS Zeit weiter aufgearbeitet wird. Es gehörte zu dem kranken System auch Insassen zu missbrauchen, die damit zumindest kurz oder längerfristig ihr Leben retten konnten. Das wurde leider bisher zu wenig diskutiert. Aus Scham!! Auch wurden Verfolgte eingesetzt um noch mehr Verfolgte aufzuspüren.
Das System war nicht so geschaffen, dass es so einfach zwischen Guten und Bösen unterscheiden lies. So wurden Opfer auch zu Tätern wider Willen.
Es war ein absolut pe.rve...rs.es System.
Es kann sich ja jeder selbst hinterfragen wie er reagiert hätte wenn man ihn vor die Wahl gestellt hätte vergast zu werden oder am Leben zu bleiben und dafür seine Mitmenschen zu deportieren. Jeder Mensch hängt an seinem Leben und tut in ausweglosen Situationen wohl alles dafür es nicht einzubüßen.
Stellt sich nun die Frage ob D. diese Taten aus freien Stücken getan hat, sofern er es war, oder ob er gezwungen wurde. Falls aus freien Stücken, so muss er hart und gerecht bestraft werden, falls man ihn gezwungen hat, so hat er eine Teilschuld man kann ihn an sich aber nicht für diese Verbrechen veruteilen. Dafür waren die SS-Schergen zuständig. Diese verdammten Nazis von denen nach dem Krieg zu viele ohne Urteil davon gekommen sind!
Demjanjuk mag man vielleicht keine Schuld nachweisen können, aber sollen deshalb solch schreckliche Taten ungesühnt bleiben, das dringende Strafbedürfnis unserer grossartigen Richter, Staatsanwälte, Politiker und aller anständigen Deutschen und unserer grossartigen ausländischen Freunde unbefriedigt bleiben?? Das kann nicht sein sein! Siehe Scheungraber-Prozess.
Gruss, jwbene