Der US-Vorwahlkampf wird für die demokratischen Kandidaten immer härter und schmutziger. Je länger er dauert, desto besser die Chancen für den Republikaner John McCain.
Bis zum Dienstag war ich für ein paar Tage in Washington - und habe eine neue politische Landschaft vorgefunden. Noch vor wenigen Monaten hatte es so ausgesehen, als sei ein Regierungswechsel bereits ausgemachte Sache. Die Partei mit dem Esel im Logo verfügte über zwei Top-Kandidaten, und die Republikaner saßen im tiefen Irakkriegskeller.
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Der republikanische Kandidat John McCain könnte der lachende Dritte im Präsidentschaftswahlkampf sein, nachdem sich die Demokraten nicht zwischen Obama und Clinton entscheiden können. (© Foto: Reuters)
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Doch im Winter hat sich die Angelegenheit gewendet: Die Republikaner verfügen mit dem Vietnam-Veteranen John McCain bereits frühzeitig über einen qualifizierten Kandidaten für die Nachfolge von George W. Bush. Und die Demokraten brauchen noch ein Weilchen.
Sei einigen Wochen ist klar, dass keiner der beiden Aspiranten durch die restlichen Vorwahlen die zur Kandidatur notwendigen 2025 Wahlmänner erreicht. Spätestens seit Hillary Clintons Erfolg in Texas und Ohio in der vergangenen und Barack Obamas Sieg in Mississippi in dieser Woche ist klar, wie eng das Rennen ist. Das heißt: Die Schlacht wird bis zum Parteitag Ende August in Denver andauern, und jeder weitere Vorwahlkampftag zählt - für die Republikaner.
Während sich die Grand Old Party auf den tatsächlichen Wahlkampf gegen die Demokraten konzentriert und sich hinter McCain sammelt, beharken sich Clinton und Obama mit wachsender Heftigkeit. Sie versorgen so - egal, wer von ihnen das Rennen machen wird - das Republikanerteam mit Argumenten. Die Kampagnenmanager von Frau Clinton attackieren Obama gebetsmühlenartig als unerfahren, korrupt und handlungsunfähig. Ihre Kontrahenten aus dem Obama-Team gehen die ehemalige First Lady als gestrig an, wollen ihre Steuererklärung sehen und werfen ihr vor, sie könne das Land nicht begeistern.
Kam Obama zu billig an eine Traumvilla?
Wie schlimm es noch zugehen wird zwischen den beiden Demokraten, wurde vergangene Woche sichtbar, als Obamas Beziehungen zu seinem Förderer, dem Chicagoer Paten Tony Rezko, vor Gericht zum Thema wurden. Rezko ist dort wegen Bestechung und Geldwäsche angeklagt.
Vor zweieinhalb Jahren wollte Obama eine Traumvilla im Süden von Chicago kaufen, die zwei unangenehme Aspekte für Interessenten aufwies: Sie war mit knapp zwei Millionen Dollar sehr teuer und überdies an ein unbebautes Nachbargrundstück gebunden, das für 625.000 Dollar mitgekauft werden musste. Die Obama-Rezko-Connection löste das Problem so: Der Senator erhielt das Haus für 300.000 Dollar weniger, als zuvor von den Verkäufern gefordert. Und das Brachland bezahlte eine Obama-Sympathisantin, die zufällig die Ehefrau von Tony Rezko war.
Für demokratische Wahlkampfstrategen sind solche Enthüllungen Horrormeldungen. Denn wer immer auf dem Parteitag Ende August als Sieger aus dem innerparteilichen Duell hervorgehen wird - bis es soweit ist, werden die Republikaner über Wahlkampfmunition ohne Ende verfügen. Sie müssen nur zuhören und mitschreiben.
Republikaner vergleichen demokratisches Duell mit Krieg
Seit Wochen sucht die demokratische Führung um Parteichef Howard Dean deshalb nach einer vorzeitigen Lösung des Dilemmas. Nach den Clinton-Erfolgen in Texas und Ohio erwogen die Strategen, die ungültigen Wahlen von Florida und Michigan zu wiederholen - was Hillary Clinton wömöglich entscheidend nach vorne gebracht hätte. Doch nun führt Obama bereits mit gut 100 Delegiertenstimmen, und selbst wenn Frau Clinton am 22. April in Pennsylvania deutlich gewinnt, kann die Kandidatur nur noch durch die Superdelegierten entschieden werden.
Für Dean und seine Kollegen wird das Duell täglich unangenehmer.Längst ist die Stimmung bei den mit Demokraten sympathisierenden US-Medien von Obama zu Clinton umgekippt - was die Herausforderung für die Parteispitze noch einmal steigert. Denn nach Umfragen wären die Siegchancen in der Auseinandersetzung mit John McCain für den Hoffnungsprediger Obama größer als für Hillary Clinton.
Die Republikaner schöpfen wegen der kraftzehrenden Auseinandersetzung bereits wieder Hoffnung. Alex Castellanos, George W. Bushs Medienberater in zwei Wahlkämpfen, hat bereits keinen Zweifel mehr, dass die lange Schlacht der Demokraten zwingend zu ihrer Niederlage im November führt. Castellanos zieht reale Kriege zum Vergleich heran, beispielsweise die gegen Russland. Da seien 1707 die Truppen von Charles XII., 1814 die von Napoleon und 1941 die von Hitler zwar jeweils überlegen gewesen. Aber die Dauer der Feldzüge habe die Heere stets so zermürbt, dass Russland am Ende ungeschlagen blieb: "Aus nahen Siegen wurden Niederlagen."
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(sueddeutsche.de/bosw)
Stockender Kita-Ausbau
McCain ist nicht der außenpolitische Hardliner. Und er muss für die Republikaner was gut machen. Er ist eingeführt in die Security Community, s. Sicherheitskonferenz etc.
Man kennt ihn und er kann nicht über Gebühr Forderungen stellen.
Schön, dass Degler denkt.
Allerdings wäre eine vorherige Analyse der gegenwärtigen Situation in den USA angebracht gewesen, bevor er seine Gedanken in der SZ zu Papier (sprich Internet) bringt.
Entgegen der seltsam einseitigen Darstellungen in den meisten Medien ist es mitnichten so, dass Clinton in Texas gewonnen hat.
Zwar hat sie die Primary in Texas knapp für sich entscheiden können; über die Primary werden aber "nur" 2/3 der pledged delegates vergeben. Das andere Drittel wird über einen Caucus bestimmt; dessen Endergebnis liegt zwar noch immer nicht offiziell vor (und voraussichtlich wird das Ergebnis auch nicht vor Ende März bekannt gegeben werden, wenn überhaupt), Hochrechnungen von 41 % der Stimmen sprechen jedoch für einen deutlichen Sieg Obamas.
Clinton hat damit knapp die Primary gewonnen, Obama aber deutlich den Caucus.
Man könnte also sagen, beide Kandidaten haben in Texas gewonnen.
Entscheiden ist jedoch letztendlich, wer letztlich die meisten der pledged delegates aus Texas für sich verbuchen kann.
Und dies ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Obama.
Somit hat nicht Clinton, sondern Obama Texas gewonnen.
Bushs persönliche Unpopularität scheint keineswegs auf McCain abgefärbt zu haben, der vor acht Jahren gegen ihn verlor. Vielleicht wäre die Geschichte anders verlaufen, hätten die Amis damals schon McCain statt Bush gewählt. Man hätte also normalerweise davon ausgehen dürfen, dass die Demokraten diesmal eine bessere Chance haben würden. Unglücklicherweise haben sie sich ausgerechnet auf zwei extrem linke Kandidaten geeinigt, die beide im November bei den Durchschnittsamerikanern zweifellos auf mancherlei Vorurteile verschiedener Art stoßen werden. Betrachtet man die Vorwahlen, so halten sich die beiden Demokraten momentan etwa die Waage, während McCain in sämtlichen Staaten Erdrutsch-Ziffern erlangt, zuletzt in Mississippi wieder 79% aller Stimmen.
... daß Dieter Degler denkt. Da müssen wir nicht selbst die größten Offenkundigkeiten als Ergebnisse eigenen Denkens verkaufen, sondern können an seiner kindlichen Freude darüber teilhaben, daß auch er das alles, was selbstverständlich vor uns ausgebreitet liegt, endlich verstanden hat. Nur: Wofür bekommt solch ein Tiefschürfer eigentlich sein Salär?